Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° bedeckt

Navigation:
Google+
Streetwork im Dresdner Osten: Straßenkreuzer

Loschwitz Streetwork im Dresdner Osten: Straßenkreuzer

Die Frage, was Jugendliche und junge Menschen im Dresdner Osten beschäftigt und was sie sich wünschen, stellten sich Michaela Gloger, Andreas Gremm und Stefan Stevens. Da es in Loschwitz, Bühlau und Umgebung keine Streetworker gab, wurde im August 2015 das Projekt Straßenkreuzer gegründet.

Michaela Gloger und Andreas Gremm vom Streetwork Projekt „Straßenkreuzer“, das im Dresdner Osten unterwegs ist.

Quelle: Gerrit Menk

Dresden. Die Frage, was Jugendliche und junge Menschen im Dresdner Osten beschäftigt und was sie sich wünschen, stellten sich Michaela Gloger, Andreas Gremm und Stefan Stevens. Da es in Loschwitz, Bühlau und Umgebung keine Streetworker gab, wurde im August 2015 das Projekt Straßenkreuzer gegründet. „Im ersten Jahr haben wir die Strukturen erschlossen“, berichtet Gloger. „Wir wollten wissen, wo wir ansetzen können und was für die jungen Leute hier wichtig ist. Die Bedürfnisse unterscheiden sich in den verschiedenen Stadtteilen von Dresden zum Teil sehr stark.“

Der Zuständigkeitsbereich von Straßenkreuzer umfasst von der Fläche her ein gutes Drittel des Stadtgebiets. Dennoch leben hier nur rund 36.000 Menschen. Er geht nach Südosten die Elbe entlang bis nach Söbrigen/Oberpoyritz, beinhaltet die Dresdner Heide und die ländlichen Ortsteile bis nach Rossendorf. „Prozentual gesehen leben hier trotzdem mehr unter 18-Jährige als in den anderen Stadtgebieten“, sagt Gremm. Trotzdem gäbe es in dem ganzen Gebiet kaum Angebote für Jugendliche, mit Ausnahme des Kinder- und Jugendhauses PEP und zweier soziokultureller Zentren.

„Es fängt schon damit an, dass es wenig öffentliche, erschlossene Grünflächen gibt, wo man sich einfach treffen und Zeit verbringen kann“, so Gremm weiter. „Also keine strukturell und bewusst gestalteten Plätze.“ Auch an frei zugänglichen Sportplätzen für Fußball oder Basketball fehle es, diese gehören fast ausschließlich zu Schulen oder Sportvereinen. Diesbezüglich unterstützen die Streetworker derzeit engagierte Jugendliche, eine Petition zu starten, Unterschriften zu sammeln und mit Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Spielplätze hingegen seien genug da, die Bedürfnisse für Klein- und Grundschulkinder würden viel selbstverständlicher erfüllt.

Zwischen November und Januar hat Straßenkreuzer die Jugendlichen in ihrem Revier in einem Fragebogen nach ihrer Freizeitgestaltung gefragt. Wo verbringen sie am liebsten Zeit, welche Orte mögen sie nicht, was fehlt ihnen konkret. Damit ist man an Jugendeinrichtungen und Vereine herangetreten, um Kontakt aufzubauen. „Es ging uns nicht darum, eine repräsentative Umfrage zu starten, sondern den persönlichen Kontakt zu suchen und direkte Aussagen von den Jugendlichen zu bekommen. Das hat mehr Qualität als ein Haufen anonymer Fragebögen“, erklärt Gemm.

Beliebt ist demnach besonders die Dresdner Heide, hier ist man von der Stadt aus schnell in der Natur, es ist ruhig und man kann Sport treiben. Auch der Ullersdorfer Platz erfreut sich gerade bei Schülern einiger Beliebtheit, was aber größtenteils an den Imbiss- und Einkaufsmöglichkeiten sowie dem Eiscafé liegt. „Da gehen die Schüler des Gymnasiums während den Pausen schon mal hin. Für ihre Freizeit ist der Platz jedoch nicht attraktiv. Da wird er dann eher wegen der guten Verkehrsanbindung geschätzt“, wissen die Streetworker. Mit der Straßenbahnlinie 11 kommt man von hier schnell in die Neustadt, der Bus 61 ist in ein paar Minuten am Blauen Wunder. Auch der Körnerplatz in Loschwitz ist nicht attraktiv genug. Wer in dieser Gegend wohnt, wechselt lieber schnell die Elbseite und hat am Schillerplatz ein Kino und Einkaufsmöglichkeiten oder viel Fläche direkt am Fluss. „Das ist auch ein Ort, wo wir mit den Kollegen des Streetwork- und Stadtteilprojektes sofa9 in Blasewitz kooperieren“, so Gemm.

Konkrete Ideen seitens der jungen Befragten, die man schnell umsetzen möchte, gibt es: So wünschen sie sich an der Elbe entlang überdachte Sitzgelegenheiten oder Pavillons. Zudem ist die Sicherheit für Fahrradfahrer entlang der Bundesstraße 6 zwischen Bühlau und Weißig ein großes Thema. Außerdem mangelt es noch an Beratungsstellen.

Mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Straßen zu laufen, fällt nicht in das Aufgabengebiet der Straßenkreuzer. „Wir sind nicht der verlängerte Arm der Ordnungskräfte“, sagt Gremm. Vielmehr will man Ansprechpartner und Vertrauensperson für junge Leute sein, Möglichkeit bieten, um Hilfe zu bitten. „Und wenn wir nicht helfen können, dann wissen wir, wer helfen kann und vermitteln dorthin“, so Gloger. „Wir begleiten Jugendliche auch zu Terminen, zum Beispiel auf Ämter.“

In diesem Jahr organisiert und unterstützt Straßenkreuzer zwei Graffiti-Projekte in Kooperation mit dem Spike Dresden. Am Neubau des Gymnasiums Bühlau gestalten Schüler und Schülerinnen eine 60 Quadratmeter große Wandfläche. Zudem wird die alte Turnhalle im Plantagenweg für Sprayer zugänglich gemacht.

Straßenkreuzer ist ein Projekt der KulturLeben UG. Dienstags sind die Streetworker am unteren Elbhang unterwegs, donnerstags in Weißig und dem Schönfelder Hochland, freitags sind sie rund um Bühlau mobil. Zweimal in der Woche, jeweils von 16 bis 19 Uhr, gibt es einen offenen Treff. Dienstags im Elbhangtreff auf dem Plantagenweg, freitags im Streetworkbüro auf der Bautzner Landstraße 128. Mehr Infos gibt es auf Facebook (fb/straszenkreuzer) oder auf www.roter-baum.de/strassenkreuzer.

Von Gerrit Menk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.