Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Straßenmusik in der Altstadt: „Das ist seelische Grausamkeit“
Dresden Lokales Straßenmusik in der Altstadt: „Das ist seelische Grausamkeit“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:39 04.05.2016
  Nicht jede Form der Straßenmusik wird als angenehm empfunden. Quelle: Archiv
Dresden

 Es ist der Aufschrei eines entnervten Anwohners: „Es ist seelische Grausamkeit, wenn man diese Musik den ganzen Tag hören muss“, schreibt der Mann, der seit 1973 im Zentrum von Dresden wohnt. „Sie singen laut und spielen falsch. Das ist für einen Bürger mit einem normalen musikalischen Gehör nicht auszuhalten.“ Der Mann meint eine Gruppe von Musikanten aus Osteuropa, die Tag für Tag auf der Prager Straße auftreten. Der Anwohner hat versucht, dem lautstarken Treiben Einhalt zu gebieten – erfolglos. Das verantwortliche Straßen- und Tiefbauamt hob die Hände. Es habe keine Handhabe, dagegen vorzugehen.

2014 hatte die Stadtverwaltung die Regeln für Straßenmusik verschärft. Doch die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit warf im Juni 2015 diese strengen Regeln über den Haufen. Straßenmusiker können ohne Genehmigung auftreten und müssen sich an wenige Regeln halten, die relativ schwammig gefasst und schwer zu kontrollieren sind (DNN berichteten).

„Ich habe das Ordnungsamt und die Polizei in den letzten Monaten mehrfach anrufen müssen“, schreibt der Anwohner in seiner Petition an den Oberbürgermeister. „Meistens wegen einer singenden und musizierenden Gruppe von Sinti und Roma aus Polen. Ich höre ein- und dasselbe Lied mehrmals am Tag oder mehrere Stunden lang, das heißt zwischen 10.30 Uhr und 18 Uhr komme ich vier bis acht Mal 30 Minuten lang in den ’Genuss’, vorausgesetzt die Spielzeiten werden nicht überzogen.“ Er habe an zwei Tagen Lärmwerte von 103 Dezibel gemessen. Bei einem Trommler aus Polen liege die Lautstärke sogar bei 110 Dezibel.

Der Anwohner fordert die Rückkehr zu klaren Regeln bei der Straßenmusik. So soll jeder Straßenkünstler eine schriftliche Genehmigung gegen Gebühr bei der Stadt beantragen. Die Musiker sollten ausdrücklich auf die Einhaltung der Mittagsruhe hingewiesen werden, jeder Musikant dürfe nur eine begrenzte Spielzeit auftreten. Schließlich soll es nach dem Wunsch des Anwohners ein Spielverbot an Sonn- und Feiertagen geben. Auch eine Begrenzung der Lautstärke sei notwendig.

Der Petitionsausschuss des Stadtrats hat auf das Schreiben des Bürgers hin die Stadtverwaltung aufgefordert, bis zum 30. Juni Änderungsvorschläge für die Satzung, die die Straßenkunst regelt, vorzulegen (DNN berichteten). Christiane Filius-Jehne, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, sieht aber weniger Bedarf für neue Regularien als vielmehr ein Kontrolldefizit. „Wir müssen die Verwaltung dazu bringen, dass sie das kontrolliert, was wir beschlossen haben.“ So dürfe jeder Musiker nur eine halbe Stunde an einem Standort verharren und müsse dann eine Pause einlegen.

Laut Filius-Jehne würden die Kulturpolitiker der Stadtratsfraktionen regelmäßig über die Thematik sprechen. „Wir sind der Auffassung, dass Straßenmusik zu einer weltoffenen, südlich geprägten Stadt gehört“, erklärte sie. „Aber wir überlegen uns Möglichkeiten, wie die Kontrollen erleichtert werden können.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rund 150 Lehrer an Dresdner Grund- und Oberschulen sind gestern dem Aufruf der GEW gefolgt und haben ihre Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft will damit Tarifverhandlungen zur Eingruppierung der Lehrkräfte auf Landesebene durchsetzen.

04.05.2016

Das Verfahren gegen eine 28-jährige Dresdnerin am Amtsgericht ist am Dienstag gegen eine Zahlung von 100 Euro an eine gemeinnützige Organisation eingestellt worden. Ihr Ex-Freund hatte sie wegen angeblichen Diebstahls angezeigt, ihm könnten jetzt Ermittlungen wegen falscher Verdächtigungen drohen.

04.05.2016
Lokales Stadt lädt ein - Brunnentag in Dresden

Das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft lädt am Sonnabend alle interessierten Dresdner zum 18. Dresdner Brunnentag ein. In diesem Jahr werden vor allem Führungen zu Brunnen und wassertechnischen Anlagen im und am Großen Garten angeboten.

03.05.2016