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Stop and Go mit einem Paketzusteller durch Dresden

Reportage Stop and Go mit einem Paketzusteller durch Dresden

Das neue Kleid oder die Kopfhörer werden meist schon sehnsüchtig erwartet, wenn Jörg Schreiber an der Tür klingelt. Jeden Morgen gegen Neun Uhr startet der 42-jährige UPS-Zusteller mit einem vollbepackten 7,5-Tonner in der Zentrale in Klipphausen und macht sich auf den Weg in die Landeshauptstadt.

Das neue Kleid oder die Kopfhörer werden meist schon sehnsüchtig erwartet, wenn Jörg Schreiber an der Tür klingelt.

Quelle: Tomke Giedigkeit

Klipphausen. Das neue Kleid oder die Kopfhörer werden meist schon sehnsüchtig erwartet, wenn Jörg Schreiber an der Tür klingelt. Jeden Morgen gegen Neun Uhr startet der 42-jährige UPS-Zusteller mit einem vollbepackten 7,5-Tonner in der Zentrale in Klipphausen und macht sich auf den Weg in die Landeshauptstadt. Um halb sieben beginnt das Sortieren und Bepacken der rund 30 Transporter, die jeden Tag aus Klipphausen ausschwirren, um Dresden und das Umland bis zur tschechischen Grenze mit Paketen zu beliefern. Auf einem Förderband rollen unentwegt Päckchen, aber auch Sperrgut, wie verpackte Fahrräder heran. Mit schnellem Blick erkennen die Mitarbeiter die Postleitzahlen und sortieren die Pakete den entsprechenden Lieferouten zu.

Kurz vor neun geht es los

Ähnlich wie ein Fußballspieler vor einem wichtigen Spiel, versammelt der Niederlassungsleiter Marcel Mende um kurz vor neun seine Mannschaft, um sie auf den bevorstehenden Arbeitstag einzuschwören. Im sogenannten „Pre-Communications-Meeting“ begrüßt Mende heute einen neuen Mitarbeiter, verweist auf die Anmeldungen zu anstehenden Schulungen, gibt kurze Infos über die Verkehrslage und erinnert nochmals alle Zusteller beim Fahren stets den Sicherheitsabstand einzuhalten. Dann klettern die Fahrer durch den mit Paketen beladenen Transportraum auf den Fahrersitz und schwärmen in alle Richtungen aus.

„Bis 10.30 Uhr wird es jetzt ein bisschen stressig, bis dahin müssen wir alle Expresspakete ausgeliefert haben“, erzählt Schreiber. Zunächst geht es über die Autobahn Richtung Niedersedlitz, seit drei Jahren die Standardtour des gelernten Zimmermanns. „Die passt“, sagt der Zusteller, „denn zur Zeit gibt es dort kaum Baustellen“. Rund 80 Stopps liegen vor Schreiber, noch wirkt er sehr entspannt, immer mit einem Spruch auf den Lippen. Genau das sind seiner Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften eines Zustellers: „Ruhe bewahren und locker bleiben, auch wenn sich Kunden über eine verspätete Lieferung beschweren oder in den engen Straßen einfach keine Parkmöglichkeit für seinen 7,5 Tonner in Sicht ist. Mit einem Chip im seinem Armband kann Schreiber den Transporter von außen verriegeln, ohne den Schlüssel abziehen zu müssen. Zuerst geht’s zur Apotheke, und dann in die Zahnarztpraxis. Schreiber wird freundlich begrüßt, man sieht sich schließlich fast jeden Tag. „Was mir am meisten Spaß macht, ist der Kontakt mit den Stammkunden, viele kenne ich mittlerweile gut“, erzählt Schreiber, während er drei übereinandergestapelte Pakete trägt. Am heutigen Montag ist viel von Amazon dabei, denn übers Wochenende haben die Leute Zeit zum Online-Shopping. Nun geht es im Minutentakt: Tür auf, Tür zu und weiter.

Die Treppe ist meist schneller als der Fahrstuhl

Schreiber geht mit großen Schritten und auch in den fünften Stock nimmt er lieber die Treppe, als auf den Fahrstuhl zu warten, „denn das geht schneller“. Besonders freut ihn, wenn ihm die Paketempfänger ein, zwei Treppen entgegenkommen. Denn manchmal sind die Pakete ganz schön schwer. Einmal waren es 69 Kilo, da half ihm der Geschäftskunde allerdings beim Ausladen.

Bei der nächsten Zustellung öffnet keiner die Tür. „Zuerst probiere ich es dann natürlich bei den Nachbarn die weiter unten wohnen“, erzählt Schreiber und drückt erneut auf die Klingel. „In einem Wohnblock würde ich niemals in den ersten Stock ziehen“, schmunzelt er. Aber wieder bleibt es still. Schließlich macht ein Nachbar im dritten Stock auf. Beim Herausgehen stößt Schreiber in seiner braunen Arbeitskleidung auf eine Mitbewerberin in Gelb und gibt ihr den Tipp: „Oben rechts“.

Falschparker bremsen den Transporter

Die Wohngebiete wirken am Montagmorgen teilweise gespenstisch ruhig. Als Schreiber in der Oberon Straße um die Ecke biegt, muss er abrupt bremsen. Ein Transporter einer Heizungsbaufirma versperrt ihm den Weg und mit dem großen Lieferwagen kann er auf der engen Straße nicht wenden. Dem sonst fröhlich gestimmten Zusteller flucht kurz und leise und wählt dann die Telefonnummer der Heizungsbaufirma. Ein paar Minuten später eilt der Fahrer herbei und macht dem braunen UPS-Transporter Platz. Heute zählt jede Minute, denn Schreiber hat fünf Expresspakete dabei, die Maximalauslastung. Um 10.26, vier Minuten vor der Deadline übergibt er das letzte Expresspaket für heute an eine junge Mutter, die mit ihrem Baby im Arm die Tür öffnet.

Weiter geht’s durch Niedersedlitz. Wie ein guter Taxifahrer braucht Schreiber kein Navi. Mittlerweile hat er alle Straßen im Kopf und muss sich jeden Tag aufs Neue eine gute Taktik überlegen, wie er seine Pakete am zeiteffektivsten zustellt. Kaum eingestiegen, muss er wieder nach einer Parkmöglichkeit Ausschau halten und dabei immer für die anderen Verkehrsteilnehmer mit aufpassen „denn manche fahren in Dresden wirklich abenteuerlich“, spricht Schreiber aus täglicher Erfahrung. Ein großer Aufkleber im Auto warnt ihn, nicht rückwärts zu fahren, allerdings lässt sich das nicht immer vermeiden. Wer bei UPS anfängt bekommt ein Fahrtraining, um den 7,5 –Tonner sicher durch Dresden zu steuern. In Sachsen gilt laut Flächentarif für Einsteiger im Zustellbereich ein stündlicher Tariflohn von 10,82 Euro, der nach fünf Jahren auf bis zu 11,71 Euro steigen kann. „UPS zahlt den Zustellern in Dresden rund 13 bis 17 Prozent mehr Gehalt“, sagt Lars Pukarthofer, der die politische Kommunikation von UPS in Berlin leitet.

Enge Wohnviertel sind am schwierigsten

Während der Arbeit sind die engen Wohnviertel in der Neustadt und die dortigen Einbahnstraßen für die Zusteller am schwierigsten – dafür wird man dort allerdings auch um ein Uhr mittags manchmal noch mit einem „Guten Morgen“ begrüßt, lacht Schreiber.

Auch immer problematisch: Die vielen Baustellen auf der A4, sagen Schreiber und sein Chef, Mende. Dann müssen zusätzliche Fahrer ausrücken, um die Zusteller im Stau zu unterstützen. Seit zwei Jahren ist Mende der Niederlassungsleiter einer wachsenden Belegschaft in Klipphausen. Für die Flotte, die einst vollständig aus Dieselmotoren stand, überlegt sich UPS nun alternative Modelle. Bis 2025 soll ein Viertel der Fahrzeuge mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Zudem engagiert sich das Unternehmen in der Fahrsicherheit der Zusteller und ehrt alle Mitarbeiter, die seit mehr als 25 Jahren unfallfrei geblieben sind.

Seit der Wende betreibt der US-amerikanische Konzern UPS seine Zentrale in Klipphausen. Konkrete Zahlen zum Paketaufkommen kann UPS für seine Basis in Klipphausen nicht nennen, aber „es werden jedes Jahr mehr Pakete“, erklärt Mende. In München testet der Paketdienst momentan die Zustellung mit Lastenfahrrädern für die schwer zugänglichen Innenstadtbereiche. In der Schweiz und Nordamerika erprobt UPS aktuell die Zustellung mit Drohnen, die wiederum für ländliche und bergige Regionen eine große Erleichterung für die Fahrer darstellen würde. „Bis die Technik in Dresden Einzug erhalten könnte, wird es wohl aber noch einige Zeit dauern“, sagt Hannes Dienel, Pressesprecher von UPS.

Von Tomke Giedigkeit

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