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Steinmetze plagen Nachwuchssorgen

Harte Brocken Steinmetze plagen Nachwuchssorgen

Wer heute Steinmetz werden will, kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen – überall werden händeringend Lehrlinge gesucht. Dabei ist das ein Beruf mit dem Bonus, Spuren zu hinterlassen – man denke an Dome, Kirchen, Schlösser. Doch wie überall ist auch hier der Nachwuchs knapp.

Wenn der Knüpfel aufs Scharriereisen trifft, entstehen die so typischen Rillen im Sandstein. Steve Hentschel aus Meißen hat drei Jahre lang bei Fuchs+Girke in Ottendorf-Okrilla gelernt und wird im August sofort eingestellt.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Scharriereisen, Zahneisen und Knüpfel gehören zu den Werkzeugen, die Steve Hentschel täglich benutzt. Damit bearbeitet er Steine zu kunstvollen Stücken.

Andere richten ihre postschulischen Pläne zum Geldverdienen an gut geheizten Büros aus oder am Umgang mit PS-starken Motoren. Steve Hentschel wollte nie etwas anderes machen als Steinmetz. „Der Vater meiner früheren Freundin hat mich damals drauf gebracht“, erzählt der 19-Jährige. Der Meißner hat sich einen Job ausgesucht, der bei jedem Wetter draußen stattfindet – bei Bruthitze ebenso wie bei klirrendem Frost. „Ich hab mich an die Kälte gewöhnt“, sagt der junge Mann, „wir haben auch schon bei minus 15 Grad hier draußen gearbeitet“.

Spuren hinterlassen

Klar, er ist damals in der 9. und 10. Klasse auch zur Berufsberatung gegangen, aber seine Praktika hatten nur ein Ziel: eine Steinmetz-Lehre. Bei Fuchs+Girke hat es ihm am besten gefallen, seit 2014 lernt er dort – durchaus mit dem Blick für die lange Tradition, die sein Handwerk adelt. Ohne Steinmetze gäbe es keine Pyramiden in Ägypten, keine steinernen Büsten von römischen Kaisern, keine Ornamente und Skulpturen in uralten Kirchen. Spuren hinterlassen, das reizt auch Steve Hentschel. „Man sieht, was man gemacht hat, das fasziniert mich“, schwärmt er. Am Potsdamer Marmorpalais ist einer der Baluster im erneuerten Treppengeländer von ihm. „Wenn ich mal dort bin, versuche ich auf jeden Fall, ihn wiederzufinden“, sagt er lachend.

Unvergänglich ist die Arbeit von Steinmetzen leider nicht, erklärt André Vogelreuter, der Abteilungsleiter der hauseigenen Steintechniker bei Fuchs+Girke. Sandstein setze nach 30 bis 40 Jahren schwarze Patina an, spätestens dann müsse über Ausbesserung und/oder Ersatz nachgedacht werden. Was dem Ottendorfer Unternehmen, das zuletzt mit seinem Millionenauftrag am Dresdner Kulturpalast in aller Munde war und mit seinen 150 Mitarbeitern auch in Dresden diverse Denkmale und Kulturbauten denkmalpflegerisch betreut, viel Arbeit beschert.

Lehrlinge sind Mangelware

Womit sich der Kreis schließt zur Nachwuchssuche, denn damit holpert es seit Jahren. „Mit Facharbeitern sieht es ganz dünn aus“, erklärt Vogelreuter und schaut echt bekümmert. Um so wichtiger ist die Lehrlingsausbildung. Drei Lehrjahre gibt es, Ziel sind zwei Steinmetz-Azubis pro Jahr. Macht nach Adam Riese sechs. „Die haben wir zur Zeit“, so Vogelreuter, doch für den Ausbildungsstart 2017 liege noch keine einzige Bewerbung vor.

Fuchs+Girke hat sich deshalb entschlossen, zu Werbespots, Tagen der offenen Tür und einschlägigen Messen auch die neue DNN-Plattform „azubify“ zu nutzen“, das ab Mai sowohl online wie auch als Print-Magazin auf den Markt kommt und als Scharnier zwischen Azubis und Firmen funktionieren soll.

Wer anpacken und zeichnen kann, räumliches Vorstellungsvermögen hat, gern kreativ ist und bei Mathe nicht an Flucht denkt, der wird sich vielleicht – wie Steve – für die Steinmetzlehre entscheiden. „Man muss kein Hüne sein“, sagt André Vogelreuter auf Nachfrage. Jeder, der geschickt ist und Geduld hat, könne den Beruf erlernen. Die besonders kreativen unter den Azubis entscheiden sich später für eine Bildhauer-Laufbahn mit Kunststudium. Die Ottendorfer Denkmalpflege-Profis schaffen dafür beste Voraussetzungen. Sie lassen ihre Lehrlinge neben der theoretischen Ausbildung an der Sächsischen Steinmetzschule Demitz-Thumitz auch teilnehmen an Kursen im Steinzentrum Wunsiedel. „In Bayern lernen sie dann auch, wie man Grabsteine behaut und mit Granit oder Marmor umgeht. Das nämlich machen wir hier in Ottendorf eher selten“, erklärt Vogelreuter. Und drückt Steve Hentschel ein Werkzeug in die Hand: „Bitte einmal metzen!“ ruft er. Sein Lehrling legt los.

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Wer Steinmetz werden will, sollte zupacken, zeichnen und rechnen können, kreativ sein und weder Kälte noch Hitze scheuen. Wie Steve Hentschel aus Meißen, der den Beruf bei Fuchs+Girke gelernt hat und kurz davor steht, sein Gesellenstück – ein Postament – aus dem Stein zu hauen.

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Postament zum Abschluss

Steve schließt im August seine Ausbildung ab, schon jetzt ist klar: Er bleibt bei Fuchs+Girke. Bis zum Sommer muss er seine theoretischen Prüfungen schaffen und sein Abschluss-Stück fertigstellen. „Das wird ein Sandstein-Postament, 80 mal 40 mal 40 Zentimeter, aus einem Stück gehauen.“ Rund 50 Stunden hat er dafür Zeit. Was passiert, wenn das Teil kaputt geht? „Dann ist er durchgefallen“, sagt André Vogelreuter trocken, doch aus seinem Gesicht leuchtet die Gewissheit, dass die Wahrscheinlichkeit bei Null liegt.Davon gibt sich auch der junge Mann aus Meißen überzeugt. Und schließt nicht aus, sich auch noch zum Meister zu qualifizieren. „Nicht gleich“, sagt er, „aber vorstellen kann ich mir das schon“.

https://www.azubify.de/ausbildungsstelle/steinmetzin-und-steinbildhauerin-bei-fuchsgirke-bau-und-denkmalpflege-gmbh/

Was ist „azubify“?

„azubify“ ist ein neues Projekt der Dresdner Neuesten Nachrichten. Es soll Schulabgängern und ausbildenden Betrieben in der Region einen völlig neuen Zugang zueinander verschaffen – sowohl über ein gedrucktes Magazin wie auch über die gleichnamige Internetplattform azubify.de. Online ist es für die Jugendlichen per Smartphone und Computer mit all seinen Informationen abrufbar: jederzeit und an jedem Ort.

Die erste Ausgabe des neuen azubify-Magazins wird Ende Mai an rund 200 Schulen in und um Dresden verteilt. Das umfangreiche Heft bietet jede menge Tipps rund um die Themen Berufsfindung, Berufswahl und Bewerbung. Von A wie Altenpfleger bis Z wie Zahntechniker offerieren darüber hinaus viele regionale Ausbildungsbetriebe ihre aktuellen Angebote: Praktisch: Zum kurzen Firmenprofil gibt es gleich den passenden Ansprechpartner, der weitere Fragen beantwortet.

https://www.azubify.de/

Nähere Informationen zum Projekt erhalten Interessierte beim Team von azubify telefonisch unter
0351/8075-142 und per Mail: azubify@dnn.de

Von DNN

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