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Steckerfest in der VW-Manufaktur Dresden

Intelligente Wohnungen Steckerfest in der VW-Manufaktur Dresden

Ingenieure haben sich am Donnerstag zu einem „Plugfest“ („Steckerfest“) in der gläsernen VW-Manufaktur in Dresden getroffen. Sie wollen Elektroautos, Solaranlagen und Heizungen verschiedener Hersteller zum gemeinsamen Plausch animieren.

 
 

Dresden. Dutzende Ingenieure haben sich am Donnerstag zu einem „Plugfest“ („Steckerfest“) in der gläsernen VW-Manufaktur in Dresden getroffen. Dabei haben sie versucht, Elektroautos, Solaranlagen und Heizungen verschiedener Hersteller zum gemeinsamen Plausch zu animieren - zum Beispiel über die aktuellen Strompreise oder über den richtigen Zeitpunkt, ein Haus zu heizen, die Wäsche anzusetzen oder das Auto aufzuladen. Dabei setzen sie auf die deutsche Maschinensprache „EEBus SPINE“, die sich laut Peter Kellendonk von der „EEBus-Initiative“ in Europa und in den USA immer mehr als Standard für die Energiekommunikation im „Internet der Dinge“ durchsetzt.

Ein Ziel dieser Initiative ist ein intelligentes Heim, in dem das Elektroauto nicht nur als Transportvehikel, sondern auch Energiespeicher für das Hausnetz dienst. Ein solaranlagen-gerüstetes Heim, das Strom und Heizungsenergie möglichst billig erzeugt oder eingekauft und teuer verkauft. Gleichzeitig soll die lautlose EEBus-Debatte der Maschinen im Hintergrund verhindern, dass alle Sicherungen rauspringen, wenn Wärmepumpe, Geschirrspüler und Elektroauto-Ladesäule gleichzeitig zu starten versuchen. Mit dieser Technik „können Haushalte und Unternehmen erheblich Strom sparen“, verspricht Manager Frank Blessing vom Wechselrichter-Hersteller SMA, der ebenfalls auf VW-Einladung nach Dresden gekommen war.

Hinter der EEBus-Initiative stehen auch wirtschaftspolitische Interessen. Beispiel Energiewende: Die rief die Kanzlerin aus, bevor dafür genug Energiespeicher und Netzkapazitäten verfügbar waren. Hätten die Deutschen tatsächlich soviele Elektroautos wie in der Kanzlervision vorgesehen und würden sie alle gleichzeitig nach dem Berufsverkehr an die Dose stecken, wären Stromausfälle in Deutschland an der Tagesordnung. Lokale Energiemanagement-Systeme könnten da als Brückentechnologie dienen: Indem sie verfügbare Energie und Verbrauch auf Haus- und Wohnblock-Ebene so austarieren, dass ein Blackout ausbleibt.

Zudem hat die deutsche Industrie ein vitales Eigeninteresse, beizeiten (deutsche) Standards für die vernetzte Welt von morgen zu definieren. Denn wer Standards für eine Zukunftstechnologie setzt, der gewinnt damit oft auch Wettbewerbsvorteile. Abgesehen davon hat die starke deutsche Automobilbranche wenig Interesse, zu viele verschiedene Maschinensprachen in ihre Fahrzeuge einzubauen, damit jedes Elektroauto mit jeder Ladesäule klar kommt. „Japan hat schon einen eigene Standard namens Econet“, sagt VW-Entwicklungskoordinator Gunnar Bärwaldt. „Auch China wird wohl auch hier wieder eine Sonderrolle spielen und einen eigenen Standard entwickeln.“ Doch in Europa und den USA werden die meisten Autohersteller wahrscheinlich auf die EEBus-Maschinensprache setzen.

Dafür spricht auch der starke Rückhalt unter Herstellern von Haushaltsgeräten („Weiße Ware“) und Heizungen. Inzwischen hat der EEBus-Verein rund 60 Mitglieder. Dazu gehören große Unternehmen wie ABB, Miele, Liebherr, Bosch, Intel oder IBM, aber auch kleinere Firmen wie das Dresdner Kiwigrid. Auch der Plugfest-Ort war nicht zufällig gewählt: VW versucht die Dresdner Manufaktur als Zentrum neuer elektromobiler Konzepte zu profilieren. Die ersten Elektro-Autos mit voller EEBus-Unterstützung, so schätzt Volkswagen-Manager Bärwaldt, werden aber wohl erst in etwa zwei Jahren auf den Markt kommen.

Von Heiko Weckbrodt

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