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Startschuss für Männerschutzhaus in Dresden

Soziales Startschuss für Männerschutzhaus in Dresden

Das Klischee denkt nicht zu erst an Männer: In Dresden gibt es jetzt ein Haus, zum Schutz vor häuslicher Gewalt, dass sich an das vermeintlich starke Geschlecht richtet. Das Männernetzwerk sieht dafür durchaus Bedarf in der Stadt.

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Kampagne gegen häusliche Gewalt gegen Männer.

Quelle: Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen

Dresden. In Dresden gibt es jetzt ein Männerschutzhaus, dass Hilfe bei Fällen häuslicher Gewalt bieten will. „Wir wollen hier eine geordnete Rückkehr ins Leben anstreben“, erläutert Sascha Möckel, Vorstand beim Männernetzwerk Dresden, das Ziel des Angebots. Zu erreichen ist das Haus über die Telefonnummer 0351-32345422 (9 bis 20 Uhr) des Männernetzwerk Dresden e.V.

Die Wohnung hat drei Plätze, Männer und gegebenenfalls ihre Kinder könnten dort eine Übergangszeit von drei Monaten verbringen. Der Ort der Wohnung soll nicht bekannt gegeben werden, Anonymität und Schutz der Bewohner stünden im Mittelpunkt. Träger des Projektes ist das Männernetzwerk, Förderung gibt es vom Kommunalen Sozialverband Sachsen. Viel Unterstützung habe es von Integrationsministerin Petra Köpping und Mitarbeitern des Sozialministeriums gegeben. Die SPD-Politikerin ist auch Schirmherrin der Kampagne „Gib dich nicht geschlagen“ der Landesfachstelle Männerarbeit, die das Schutzhausprojekt begleitet.

Möckel lässt keinen Zweifel daran, dass der Bedarf für ein Männerschutzhaus vorhanden sei. „Es gibt zwar recht wenig Statistiken dazu“, räumt er ein. Bei der Dresdner Interventions- und Koordinierungsstelle (D.I.K.) habe es 2015 insgesamt 69 Beratungen in dem Problembereich gegeben. Auch dem Männernetzwerk seien Fälle bekannt. Die Vier-Raum-Wohnung mit Wohnzimmer, Küche, Bad und drei Einzelzimmern befinde sich im Stadtgebiet, näher will sich Möckel nicht dazu äußern. Erfahrungen im Frauenschutzhaus in Dresden zeigten, „dass dort regelmäßig die Partner vor der Tür stehen“.

Nach Möckels Erkenntnissen geht es bei Männern um physische und psychische Gewalt. „Kontrolle ist ein ganz wichtiger Punkt und auch ökonomische Gewalt über das Geld gehört dazu“, erklärte der Männernetzwerker. Männer würden sich in solchen Fällen vor allem kommunikativ „ganz schlecht aufgestellt“ erweisen. „Männer stehen dem häufig sprachlos gegenüber.“ Möckel kennt einen Fall, in dem sich ein körperlich klar überlegener Mann von seiner zehn Jahre jüngeren Frau „terrorisieren lässt“. Dahinter stünden Probleme mit dem Selbstbewusstsein, der Arbeit, Drogen oder eine Kombination aus mehreren Dingen.

„Jeden Tag Abwertung zu erfahren, kann eine Gewalterfahrung sein“, macht Möckel klar, wohin es führen kann, wenn es Männer ihren Frauen nicht mehr recht machen können, ob nun bei der Wohnungseinrichtung oder Handgriffen wie dem Wäscheaufhängen. Auch der Zugang zu Kindern werde als Gewaltinstrument eingesetzt. Ähnlich könnte sich der Umgang der Frauen mit dem sozialen Umfeld der Männer erweisen. Möckel berichtet von einem Fall, in dem eine Frau praktisch den Freundeskreis des Mannes übernommen hat und der Mann aus seinem früheren Umfeld irgendwann ausgeschlossen war.

Wenn ein Mann um Hilfe bitte, beginne ein mehrstufiges Verfahren. Zunächst wird die Lebenssituation besprochen, dann werde geordnet, in welcher Reihefolge Probleme in Angriff genommen werden müssen. Seien Kinder im Spiel, werde sofort das Jugendamt eingeschaltet. Schließlich beginne der Beratungsprozess zu psychosozialen Fragen, bei dem in schweren Fällen auch eine Traumaambulanz oder Psychologen zum Einsatz kämen. „Es geht nicht grundsätzlich darum, die Männer aus ihren Familien herauszuholen und die Trennung anzustreben“, macht Möckel klar. Vielmehr werde versucht zu klären, wie eine Rückkehr möglich sei – unter Umständen mit einer Mediation. „Wir wollen den Blick nach vorn ermöglichen“, fasst Möckel das Anliegen zusammen.

Für ihn hat das Männerschutzhaus auch eine emanzipatorische Komponente. „Es zeigt, Männer können auch Opfer sein, sonst müssen sie immer stark sein.“ Dabei dürften sie eben auch Hilfe in Anspruch nehmen. Viel zu oft herrsche aber bei den männlichen Zeitgenossen ein klassischer Autonomiegedanke vor: „Ich schaffe das alleine.“

Die Männerschutzwohnung Dresden ist ein Projekt des Männernetzwerk Dresden e.V., Telefon: 0351 / 323 45 422;
Mail: msw@mnw-dd.de

Von Ingolf Pleil

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