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Dresden Lokales Zwei neue Urwälder für Dresden
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17:48 12.10.2018
Auf der linken Seite dieses gepflasterten Weges befindet sich die städtische Waldfläche, die künftig unter Prozessschutz steht. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Auf zwei Arealen des Dresdner Stadtwaldes – in Wilschdorf und in Helfenberg – will die Stadt künftig der Natur freien Lauf lassen. Das heißt, dass dort keinerlei menschliche Eingriffe mehr erfolgen. Einzige Ausnahme sind Verkehrssicherungsmaßnahmen entlang der Wanderwege. Ziel ist, angesichts des Artensterbens Pflanzen und Tieren Lebensraum zu verschaffen nach dem Motto: Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel. Zudem sollen sich so Orte des Naturerlebens entwickeln.

Die Karte zeigt die Lage des Waldes „An der Kucksche“. Quelle: Dietrich Flechtner (Repro von Infotafel Werbe- und Zeichenbüro Kreher)

Konkret handelt es sich um eine 2,5 Hektar große Fläche am Waldhof in Wilschdorf und einen 4,8 Hektar großen Eichen-Buchen-Wald „An der Kucksche“ in Helfenberg. Weil der Naturschutzbund „An der Kucksche“ neben dem Areal, das der Stadt Dresden gehört, auch ein Stück Wald besitzt und dies ebenfalls sich selbst überlassen will, ist die künftige „Urwald“fläche dort noch größer. Das sagt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen. Sie erklärte am Mittwoch in Helfenberg das Projekt. Es ist Teil des Planes für die Bewirtschaftung des Kommunalwaldes, den der Stadtrat im August beschlossen hatte.

Der Dresdner Stadtwald besteht aus vielen Splitterflächen und umfasst insgesamt 957,9 Hektar. „Schon heute werden 30 Prozent der städtischen Waldflächen nicht wirtschaftlich genutzt und sind so wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen“, so Jähnigen. „In dem wir Flächen unter Prozessschutz stellen, gehen wir noch einen Schritt weiter. Denn dort lassen wir der Natur freien Lauf und die natürlich-dynamischen Abläufe der Waldentwicklung zu.“

Sieht so in 100 Jahren der Wald „An der Kuksche“ aus? Quelle: Dietrich Flechtner (Repro von Infotafel Werbe- und Zeichenbüro Kreher)

„Wir werden aushalten, dass Bäume absterben. Wir werden aushalten, wenn der Sturm durchgeht und Bäume entwurzelt, wir werden aushalten, wenn sich Schädlinge einstellen“, ergänzt Petra Kirchhoff, Mitarbeiterin für Artenschutz des Umweltamtes. Sie ist sich darüber im Klaren, dass es mehrere Menschengenerationen dauert, bis der Wald wieder einen urwaldähnlichen Charakter hat. „Wie sich der Kucksche-Wald unter Prozess-Schutz und dem Wandel der klimatischen Bedingungen entwickelt, werden erst die nächsten Generationen erfahren.“

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen an der neuen Informationstafel, die das Umweltamt „An der Kucksche“ aufgestellt hat. Quelle: Dietrich Flechtner

Um die Wanderer und Spaziergänger auf den „Prozess-Schutz“ im Wald aufmerksam zu machen, hat die Stadt an der Kucksche jetzt auch eine große Informationstafel aufgestellt. Auf dieser wird zum Beispiel erklärt, wie wichtig alte Wälder für den Artenschutz sind. Denn viele Tiere brauchen Alt-, Tot- bzw. Faulholz, Baumhöhlen, Mulm, rissige Borke, um leben zu können. „Viele Greifvogelarten benötigen hochwüchsige Altbäume als Niststätte...Die für manche Arten (z.B. Hohltaube, Raufußkauz, Baumfledermäuse) wichtigen Großhöhlen entwickeln sich meist erst in der Späten Alterungs- und Zerfallsphase der Bäume. Im Wirtschaftswald erreichen Bäume ein solches Alter nicht, sondern werden vorher eingeschlagen“, heißt es auf der Tafel.

Stadtwaldförster Thomas Hensel: „Wie genau sich der Wald entwickeln wird, ist nicht abzusehen. Wir werden nicht eingreifen. Einzige Ausnahme ist, dass wir an den Wanderwegen Verkehrssicherungsmaßnahmen durchführen.“ Quelle: Dietrich Flechtner

Im Kucksche-Wald gibt es nach Angaben von Petra Kirchhoff u.a. 210 Arten Totholzinsekten. Ebenso leben dort seltene, streng geschützte Tiere wie Schwarzspecht, Waldkauz, Juchtenkäfer und zwölf Fledermausarten, darunter das Große Mausohr, die Mopsfledermaus und die Teichfledermaus.

Nicht von ungefähr gehört der 130 Jahre alte Eichen-Buchenwald in Helfenberg zum Naturschutzgebiet „Dresdner Elbtalhänge“, zum Landschaftsschutzgebiet „Elbhänge Dresden-Pirna und Schönfelder Hochland“ sowie zum Flora-Fauna-Habitat „Elbtalhänge zwischen Loschwitz und Bonnewitz“.

Von Catrin Steinbach

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