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Lokales Stadt hält an Suchtprävention auf Wiener Platz fest
Dresden Lokales Stadt hält an Suchtprävention auf Wiener Platz fest
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07:30 30.08.2018
Ein Bild, das der Vergangenheit angehört. Die Drogendealer meiden derzeit den Wiener Platz. Quelle: Tino Plunert/Archiv
Dresden

Im März dieses Jahres hat der Stadtrat ein Präventionskonzept für den Wiener Platz beschlossen. „Maßnahmenplan für Suchtprävention am Wiener Platz und weiteren Brennpunkten bis 2020“ hat die Verwaltung das Werk betitelt. Inzwischen sind einige Monate ins Land gegangen und den Drogenmarkt auf dem Wiener Platz, den man mit dem Konzept eigentlich in den Griff bekommen wollte, gibt es nicht mehr. „Es gibt dort kaum noch offenen Drogenhandel“, sagte Polizeioberrat André Marschke, der Leiter des Reviers Dresden-Mitte, Anfang Juli den DNN. Was wird nun aus dem Präventionskonzept?

„Der Maßnahmeplan Suchtprävention ist nicht allein auf den Bereich Wiener Platz zugeschnitten“, lässt die Stadtverwaltung dazu wissen. So liefen derzeit zu konkreten Maßnahmen bereits Abstimmungen mit den Ortsämtern Altstadt, Leuben und Cotta, wobei die Gespräche sich bei letztgenanntem Ortsamt vor allem um den „Brennpunkt“ Gorbitz drehten. Das bezieht sich vor allem auf das Modul A des Suchtkonzepts, das „Allgemeine stadtweite Maßnahmen zur Suchtprävention“ versammelt.

Auf Wiener Platz zugeschnitten

In Angriff genommen haben die Verantwortlichen unter diesem Titel zunächst die Suchtprävention unter Migranten, wie aus der Antwort der Stadtverwaltung hervorgeht. So ist die Installation „eines Integrationsprojekts für Menschen in besonderen migrationsspezifischen Lebenslagen zur Verbesserung ihres Umgangs mit Suchtmitteln“ geplant. Ein Antrag auf Projektförderung werde derzeit geprüft. Außerdem werden Flüchtlingssozialarbeiter und -begleiter geschult, die Zuwanderern und Asylbewerbern mit Suchtproblemen den Weg in die hiesigen Hilfssysteme weisen sollen, im September erwartet das gleiche die Gemeindedolmetscher. Zudem werden mehrsprachige Flyer zu Alkohol und Drogen erarbeitet.

Viele Konzeptbestandteile sind jedoch konkret auf den Wiener Platz zugeschnitten. Sie laufen weiter. Begründung: „Der Wiener Platz ist weiterhin ein Schwerpunktgebiet, da er insbesondere vor dem Rewe-Markt ein ,Treffpunkt’ für Jugendliche und alkoholisierte Personen darstellt. So kommt es insbesondere in den Abendstunden zu Belästigungen und auch zu massiven Verschmutzungen. Aus Gründen der Gefahrenabwehr wird der Gemeindliche Vollzugsdienst hier verstärkt darauf achten, dass keine gefährlichen Gegenstände, wie Spritzen herumliegen.“ Auch die Polizei bestätigt diese Probleme, zudem hat es im Frühjahr auf der nahen Trompeterstraße massive Probleme mit Jugendgruppen gegeben, die das Revier Mitte mit großem Einwand eingedämmt hat. Dazu haben dort auch Umbauten stattgefunden.

Sozialarbeiter werden gesucht

Weil „Sucht“ nicht nur Drogensucht meint, wird also auch weiter ein freier Träger gesucht, „der die Suchtprävention am Wiener Platz mit Sozialarbeitern verstärkt in den Fokus nimmt“, wie es heißt. Laut Konzept sollen drei Sozialarbeiter beschäftigt werden. Derzeit laufen dazu Gespräche. Ziel ist es laut Stadtverwaltung, „am Wiener Platz noch in diesem Jahr ein Angebot der Suchtberatung und -frühintervention zu schaffen“, teilt die Stadtverwaltung mit. Das hänge aber davon ab, ob der Träger kurzfristig Fachkräfte und Räume am Wiener Platz findet. Vor allem ersteres dürfte beim derzeit leergefegten Arbeitskräftemarkt schwierig sein. Das letztgenannte hat Dresden ein Stück weit auch selbst in der Hand.

Der Wiener Platz soll so umgestaltet werden, das es dort wenig Anreize für den Aufenthalt von Drogenhändlern und ihren Kunden gibt. Quelle: Tino Plunert/Archiv

So holt man im Straßen- und Tiefbauamt Angebot ein, um ein Landschaftsarchitekturbüro damit zu beauftragen, einen genauen Blick auf den Wiener Platz und die zu ihm bestehenden Umbaupläne zu werfen. „Dieses wird die vorliegende Vorplanung sowie die Bestandssituation mit dem Fokus ,Suchtprävention’ analysieren und bewerten“, heißt es. Gesundheitsamt, Umweltamt und Jugendamt haben zudem das Gemeinschaftsprojekt begonnen, verwahrloste Grundstücke in dem Bereich zu katalogisieren, an denen Drogen konsumiert werden und die von Streetworkern aufgesucht werden sollen.

Neustadt als Vorbild

Bleibt die Frage, ob die Bemühungen nicht besser auf die Neustadt gelenkt werden sollten. Dort sieht die Polizei derzeit im Gegensatz zum Wiener Platz vor allem Probleme mit Drogenhandel und -konsum. Für ein Umsteuern sei das kein Grund, findet man im Rathaus. Zum einen, weil in der Neustadt vor allem durch die Ende 2015 auf Initiative des dortigen Ortsamts gegründete Arbeitsgruppe Sicherheit schon viel in Sachen Suchtbekämpfung und -prävention unternommen wird. In gewisser Weise ist das, was die Neustädter in ihrem Kiez bisher unternommen haben, die Blaupause für das Wiener-Platz-Konzept, wie aus den Ausführungen der Stadtverwaltung hervorgeht. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass man sich in der Neustadt mehr als nur die bisher bewilligte halbe Stelle für aufsuchende Sozialarbeit und die halbe Stelle für den Scheunevorplatzverantwortlichen Olaf Hornuf wünscht, der den von Dealern in Beschlag genommenen Ort mit kulturellen Mitteln zurückgewinnen soll.

Andererseits misstrauen die Verantwortlichen offenbar dem Frieden auf dem Wiener Platz. „Wir versprechen uns davon, dass die gegenwärtige Entspannung auch nachhaltig spürbar bleibt“, begründen sie ihr Festhalten am beschlossenen Konzept. Das soll – in allen Teilen – bis ins Jahr 2020 umgesetzt sein. „Allerdings werden wir stets auf aktuelle Entwicklungen Rücksicht nehmen“, heißt es.

Von Uwe Hofmann

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