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Lokales Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen zu mutmaßlichen Angriff gegen Migranten ein
Dresden Lokales Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen zu mutmaßlichen Angriff gegen Migranten ein
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11:52 22.12.2015
Quelle: ttr (Archiv)
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Dresden

Diese Nachricht machte im Januar bundesweit Schlagzeilen: Schläger, vermutlich Pegida-Anhänger, greifen in der Centrum-Galerie eine Gruppe junger Migranten an. Sie jagen ihre Opfer durch das Einkaufszentrum, rufen dabei „Wir sind das Volk!“, haben Messer, Schlagstöcke, Pfefferspray und Elektroschocker bei sich. Vor dem Einkaufszentrum geht die Jagd weiter, es gibt Verletzte, Passanten klatschen Beifall.

Inzwischen haben Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen zu dem Fall abgeschlossen. Die waren mühsam, denn es wurden Dolmetscher gebraucht, Zeugen gesucht und Videoaufnahmen ausgewertet. Das Ergebnis: Keiner der Vorwürfe, die die mutmaßlichen Opfer erhoben haben, konnte belegt werden. Alle Ermittlungen wurden eingestellt und die Akte geschlossen.

Ein Jahr nach den schweren Vorwürfen der jungen Migranten ist damit klar: Es gab die Angriffe nicht. Wenigstens nicht so, wie es die mutmaßlich Betroffenen beschrieben haben. Sie berichteten Ende des vergangenen Jahres zunächst der Tageszeitung „taz“ von dem Geschehen am 22. Dezember 2014. Nach Weihnachten wurde der Fall bundesweit bekannt. Dabei hieß es, die Täter hätten Schals und Kleidung mit dem „Dynamo“-Logo getragen und seien vermummt gewesen. Eine 15-Jährige sagte, sie sei bei dem Versuch, vor den Angreifern zu flüchten, auf Kopf und Oberkörper geschlagen worden. Zwei Jugendliche erzählten von Elektroschocker-Attacken, ein 24-jähriger Angreifer soll zudem mit einem Messer schwer verletzt worden sein.

Keinen dieser Vorwürfe konnten Polizei und Staatsanwaltschaft belegen. „Es haben sich keine Zeugen gefunden, die das beobachtet haben“, erklärte Lorenz Haase, Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, den Ermittlungsverlauf. „Es gab zwar Zeugen, die haben aber nichts gesehen“, so der Oberstaatsanwalt. Zwar sei auf Bildern von Überwachungskameras, die das Geschehen auf der Trompeterstraße ohne Tonspur filmen, zu sehen, dass zwei Migranten leere Flaschen in Richtung der vermeintlichen Angreifer werfen. Dann hat sich das Geschehen aber in die Centrum-Galerie verlagert, so Haase. „Dort gibt es keine Überwachungskameras.“ 14 mutmaßliche Pegidisten seien in das Einkaufszentrum gelaufen, elf seien Sekunden später wieder herausgekommen. „Drei müssen drin geblieben sein.“ Und die, die wieder aus der Centrum-Galerie kamen, „haben sich größtenteils etwas ins Gesicht gehalten und an den Augen gerieben“, beschreibt Haase die Bilder. „Ob da Reizgas versprüht wurde und von wem, das weiß man nicht.“ Weder die Migranten noch die mutmaßlichen Angreifer hätten sich dazu geäußert. Die Untersuchungen zu der Messerattacke seien schließlich eingestellt worden, „weil man den Täter nicht ermitteln konnte“.

Polizei und Staatsanwaltschaft fanden keine Beweise für die Anschuldigungen, „weil sich Zeugen nicht gemeldet haben oder mühsam ermittelt werden mussten“, sagte Haase. Manche hätten ihre Äußerungen später in polizeilichen Vernehmungen bestritten. Und: „Jeder hat ein Auskunftsverweigerungsrecht, denn er muss sich ja unter Umständen selbst belasten“, so Haase. Sein Fazit: „Es ist mit Sicherheit nicht so gewesen, dass große Horden von Rechten die Centrum-Galerie geflutet haben.“

Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen, der die Jugendlichen kennt und unterstützt hatte, sieht dennoch keinen Grund, an ihren Aussagen zu zweifen. „Das sind Kinder, die haben nach langem Zögern und viel Hin und Her berichtet“, erklärt er das Verhalten der Migranten nach dem 22. Dezember 2014.

Christoph Springer

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