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Lokales Staatsanwalt wirft Kraftwerk-Kühn Bankrott und Insolvenzverschleppung vor
Dresden Lokales Staatsanwalt wirft Kraftwerk-Kühn Bankrott und Insolvenzverschleppung vor
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08:07 26.02.2018
Aufnahme aus besseren Tagen: Mit seinen „Kraftwerken für die Hosentasche“ war Sascha Kühn noch im Jahr 2015 überall präsent. Zur avisierten Großserienproduktion kam es jedoch nicht. Quelle: Foto: Archiv/Dietrich Flechtner
Dresden

„Das war ein reines Forschungsunternehmen, das ja nicht von Umsätzen geprägt ist“, erklärte Dr. Sascha Kühn im Gericht. „Wir wurden von den drei „F’s“ – Friends, Freaks and Family (Freunde, Verrückte und Familie) – finanziert.“ Anfangs lief es mit seiner Firma eZelleron, die sich mit der Entwicklung von Brennstoffzellen beschäftigte, auch richtig gut, es hagelte Auszeichnungen. Aber irgendwann wollen die Anleger auch materielle Erfolge sehen. Und dies funktionierte nicht so richtig. Daher muss sich der inzwischen 40-jährige Kühn jetzt vor dem Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Insolvenzverschleppung, Verletzung der Buchhaltungspflichten, Untreue und Bankrott vor.

Beim Hin und Her den finanziellen Überblick verloren

Laut Anklage soll Kühn die Pleite seiner Firma nicht fristgerecht angezeigt haben, obwohl er als Geschäftsführer wusste, dass das Unternehmen Verbindlichkeiten nicht mehr zahlen konnte. Zudem, so die Staatsanwaltschaft, habe er Bilanzen, die er als Geschäftsführer jährlich aufzustellen hat, zu spät erstellt. So wurden für das Geschäftsjahr 2012 die Bilanzen erst 2014 eingereicht. Außerdem soll er beim Amtsgericht Dresden eine Erhöhung des Stammkapitals beantragt, aber falsche Angaben gemacht und Schutzrechte von Patenten an seine Eltern übergeben haben, die diese an eine Gesellschaft in den USA übertrugen, deren Chef er war.

Kühn räumte die Insolvenzverschleppung ein. „Einige Wochen nach der Pleite hatten wir einen Vertrag geschlossen, da ging es um Investitionen von mehreren Millionen Euro, damit hätten wir die Gläubiger bedienen können. Das hielt ich für den besseren Weg. Aber dann verschoben sich die Termine.“ Überhaupt scheint er in seinen Firmen ein Loch aufgerissen zu haben, um ein anderes zu stopfen. Er habe sogar selbst privates Geld in die Firma gesteckt, rechnete er vor. Bei dem Hin und Her verliert man halt schnell den Überblick.

Die anderen Vorwürfe wies Kühn zurück. Die Bilanzen habe er aufgestellt, aber Probleme mit Mitgesellschaftern bekommen, die Korrekturen forderten. Deshalb seien sie zu spät erstellt worden. Die Patente seien noch nicht vergeben, sondern erst angemeldet gewesen. Er habe sie seinen Eltern nur als Sicherung für 175 000 übergeben, die in die Firma geflossen seien. „Es hat keine Übertragung gegeben, sie gehören noch heute der GmbH“, erklärte er.

eZelleron galt in Sachsen als Hoffnungsträger

Der 40-Jährige hat Dresden übrigens verlassen, er arbeitet jetzt in den USA. Im Januar habe es eine Einigung mit dem Insolvenzverwalter gegeben, sagte der Angeklagte und legte Papiere vor. Die wollen sich Gericht und Staatsanwaltschaft nun zunächst genauer ansehen.

Dazu muss man wissen: Der Prozess hat eine lange und wechselhafte Vorgeschichte. Sascha Kühn und seine Firma eZelleron galten zunächst als große Hoffnungsträger in Sachsen: Wirtschaftsförderer rechneten mit einer Massenproduktion von Kühns Miniatur-Brennstoffzellen unter der Marke „Kraftwerk“ in Dresden. Kühn gewann mit der Idee mehrere Preise. Er selbst präsentierte sich gern und oft als erfolgreicher Innovator in den Medien. Und er akquirierte auf der Internetschwarm-Finanzierungsplattform „Kickstarter“ über 11 000 Unterstützer, die zusammen 1,5 Millionen Dollar spendeten, damit Kühn die „Kraftwerk“-Produktion in Dresden aufbauen konnte.

Im Gegenzug versprach eZelleron den Spendern, sie bevorzugt mit den kleinen Energiequellen zu beliefern, die Smartphones mit nur einer Gaskartusche Dutzende Male wiederaufladen sollten. Im Mai 2015 hatte eZelleron bereits über 15 000 Vorbestellungen eingesammelt. Ende 2015 sollte die Serienproduktion ursprünglich starten. Doch immer wieder vertröstete Kühn seine Unterstützer, blieb die Auslieferung schuldig.

Schon vor dem großen Knall kam es zu Problemen, zu Namensstreitigkeiten mit der deutschen Band „Kraftwerk“. 2015 begann Kühn, eine Niederlassung in den USA aufzubauen. Parallel dazu meldeten sich Zulieferer, die sich über ausstehende Rechnungen beschwerten. Wenig später kam das Aus in Deutschland: Im April 2016 eröffnete das Amtsgericht offiziell das Insolvenzverfahren für die eZelleron GmbH Dresden. Kurz darauf kündigte Kühn an, seine Geschäftsideen künftig in den USA vorantreiben zu wollen.

Von Monika Löffler

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