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Spitzenforscher in den Mühlen der Dresdner Ausländerbehörde

Spitzenforscher in den Mühlen der Dresdner Ausländerbehörde

Ramu Chenna gehört zu Dresdens Spitzenforschern. Im Biotechnologiezentrum am Tatzberg nimmt der aus Indien stammende Wissenschaftler die menschliche DNA unter die Lupe, um den Ursachen von Erbkrankheiten auf die Spur zu kommen.

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Ramu Chenna und sein Sohn Nithin können nicht verstehen, warum die Behördengänge in Dresden so kompliziert sind.

Quelle: Stephan Hönigschmid

Dass ein hochqualifizierter Bioinformatiker wie er Probleme mit der Ausländerbehörde haben könnte, klingt wie ein schlechter Scherz. Ist aber keiner. Ramu Chenna lebt seit 16 Jahren in Deutschland, forschte in Heidelberg und Berlin und arbeitet seit zwei Jahren in Dresden. Nach der langen Zeit in Deutschland wollte er Ende 2011 endlich eine sogenannte Niederlassungserlaubnis beantragen, die ihm ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht gewährt. Doch dabei geriet er in die Mühlen der Dresdner Ausländerbehörde. "Nur mit Hilfe meines Anwalts, der sich mit allen Formulierungen und Spitzfindigkeiten auskennt, habe ich es vor kurzem geschafft, die Erlaubnis zu bekommen", erzählt Chenna. Zuvor hatte er freilich selbst probiert, alle Unterlagen fristgerecht und vollständig einzureichen. Er scheiterte.

Immer wieder forderten die Mitarbeiter der Behörde neue Unterlagen und behaupteten, dass noch etwas fehle. "Erschüttert war ich, als mir jemand sagte, dass das Zertifikat über meinen Status als Hochqualifizierter noch nicht eingereicht wurde. Das hatte ich aber schon längst abgegeben", erinnert sich der Forscher. Obendrein schickte ihn die Behörde zu einem Deutsch-Sprachkurs, obwohl dieser für Hochqualifizierte gar nicht vorgeschrieben ist. "Ich habe mir dann einen Kurs an der Volkshochschule gesucht und sechs Monate lang Deutsch gelernt", sagt der Wissenschaftler.

Dass er sich die Mühe hätte sparen können, erfuhr er erst vor wenigen Wochen, als er seine Niederlassungserlaubnis bekam. Ramu Chenna ist ernüchtert. "Manchmal gibt es in den Anträgen wirklich nur kleine Fehler. Die Mitarbeiter sagen aber nichts, sondern warten einfach, bis der Antrag abgelehnt wird." Für Ramu Chenna war dies sehr nervenaufreibend, weil ein neuer Arbeitsvertrag von der Bescheinigung abhing. Neidisch blickt er auf seine Kollegen in anderen Ländern. "In den USA hätte ich nach 16 Jahren schon längst die Staatsbürgerschaft bekommen", zieht er einen für Deutschland wenig schmeichelhaften Vergleich.

Dass die Ausländerbehörde sich rasch umstellt, daran zweifelt auch der Dresdner Rechtsanwalt Michael Ton: "Ich habe seit 15 Jahren beruflich mit der Behörde zu tun und glaube nicht, dass sich etwas ändert." Es gebe in den meisten Fällen ein regelrechtes Misstrauen im Umgang mit den Betroffenen. Die Leute würden behandelt, als ob sie jeden Tag mit Ausländerrecht zu tun hätten, so der Anwalt.

Wie im Fall von Ramu Chenna hat auch Michael Ton bei der Beratung von Ausländern oft erlebt, dass die Bearbeitung der Anträge sehr lange dauerte. "Auf Nachfrage wird dann gesagt, dass noch eine externe Auskunft notwendig sei, um den Vorgang abzuschließen. Nicht selten stellt sich aber bei Akteneinsicht heraus, dass schlicht und einfach jemand krank war. Mit Transparenz hat das nichts zu tun", schimpft Ton. Der Vorsitzende des Dresdner Ausländerrates, Sebastian Vogel, wird deutlicher: "Deutschland hat sich ein ziemlich perfides System der Verwaltung und Kontrolle von 'Nichtdeutschen' geschaffen. Und darin verfangen sich Flüchtlinge ebenso wie Spitzenforscher und ihre Familien." Stadtsprecherin Anke Hoffmann stellt hingegen auf DNN-Anfrage klar, dass es durchaus spezialisierte Mitarbeiter gebe, die sich um hochqualifizierte Ausländer kümmern, ebenso alltäglich seien Checklisten, die Ausländern bei der Antragstellung helfen sollen. Also alles in bester Ordnung? Ramu Chenna wunderte sich kaum noch, als sein Anwalt erzählte, was der Chef der Ausländerbehörde ihm auf seine Anfrage geantwortet hatte: "Es gibt keinen Fehler. Alles war in Ordnung, von Anfang an." So wird es wohl gewesen sein...

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2012

Stephan Hönigschmid

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