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Lokales Spender gesucht: Nikos Mama kämpft gegen die Leukämie
Dresden Lokales Spender gesucht: Nikos Mama kämpft gegen die Leukämie
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16:38 12.04.2019
Das Wasser im Infusionsbeutel von Vicky Stötzner spült ihren Körper nach der Chemotherapie durch. Quelle: Foto: Anja Schneider
Dresden

Der Alltag für Vicky Stötzner beginnt momentan sehr früh. Für eine junge Mutter ist das nicht ungewöhnlich. Doch die 30-Jährige wird morgens nicht von ihrem zehn Wochen alten Sohn geweckt, sondern von einer Krankenschwester im Dresdner Uniklinikum. Dort kämpft sie seit dem 23. Januar gegen Akute Lymphatische Leukämie – Blutkrebs.

Chemo kurz nach der Geburt

Der Alptraum begann mit einer harmlosen Hebammen-Untersuchung inklusive Blutentnahme, zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. „Ich habe keinerlei Anzeichen bemerkt. Die Müdigkeit habe ich auf die Schwangerschaft geschoben“, erinnert sich die junge Mutter. Doch dann ertastete sie einen geschwollenen Lymphknoten . „Ich habe mir nichts dabei gedacht, meiner Hebamme aber doch lieber Bescheid gesagt“, erzählt Vicky Stötzner. Sie fuhr erneut zur Blutentnahme. Diesmal stellten die Ärzte erschreckende Werte fest: „Die Anzahl meiner weißen Blutkörperchen war so hoch, das hatte in der Praxis noch keiner gesehen“, sagt Stötzner.

Und dann ging alles ganz schnell: Einlieferung in das Uniklinikum, Einleitung der Geburt und am 25. Januar wurden Vicky Stötzner und ihr Mann Marius stolze Eltern des kleinen Niko. Die Einleitung war nötig, damit die Ärzte sofort mit der Chemotherapie beginnen konnten und der Kleine im Mutterleib keine Schäden davon trägt. Kurz nach der Geburt begann die 30-Jährige mit der Einnahme der Chemotabletten. Diese bewirkt, dass alle Zellen geschädigt werden, die sich schnell teilen, erklärt Hämatologe Christoph Röllig. Das betrifft auch die entarteten Zellen, welche die Leukämie auslösen. „Man geht davon aus, dass die bösartigen Zellen sich nicht davon erholen“, erklärt der Hämatologe das Prozedere. Auch Haarzellen teilen sich schnell, weshalb eine Chemotherapie in der Regel auch mit dem Verlust der Haare einhergeht. Vicky Stötzner kaschiert das mit einer Mütze. „Da habe ich mir extra die Schönste fürs Foto aufgesetzt“, sagt sie mit einem Lachen, als wir sie am Freitagmorgen auf der Station besuchen.

Plötzlich Vollzeitpapa

Der erste Chemoblock dauerte acht Wochen. In dieser Zeit durften Mann und Sohn mit auf Station bleiben. „Eigentlich gab es keine Familienzimmer, aber das Uniklinikum hat uns da so sehr unterstützt. Niko brachte viel Freude auf die Station“, erinnert sich die junge Mutter. Inzwischen ist der Papa mit dem Nachwuchs zu Hause, hat die Elternzeit übernommen. „Eigentlich sollte er zum Schichtleiter befördert werden. Darauf hat er die letzten fünf Jahre hingearbeitet. Das muss nun warten“, sagt sie. Denn die Chemo selbst reicht nicht. Nur eine Stammzellentransplantation kann Vicky Stötzner retten. Und auch nach einer erfolgreichen Transplantation ist nicht sofort alles gut. Der Körper wird dabei komplett auf Null gesetzt, auch ein bestehender Impfschutz verschwindet.

Die 30-Jährige lässt sich davon ihre überaus positive und entschlossene Ausstrahlung nicht nehmen. „Eigentlich kann ich hier das machen, was man sich im Arbeitsalltag manchmal wünscht: Im Bett frühstücken und dabei Fernsehen schauen“, sagt sie und gewinnt selbst dem Krankenhausaufenthalt noch etwas Positives ab. Dennoch ist es ein straffer Zeitplan: 6.45 Uhr wird sie geweckt, dann folgen erste Untersuchungen sowie die Visite von Ärzten und Studenten. Zwischendurch bleibt immer Zeit für einen Schwatz mit den Pflegern. Nachmittags bekommt sie täglich Besuch. Und wenn es nicht Mann und Sohn sind, dann sind es Freunde.

Die Zeit wird knapp

Diese haben auch die große Typisierungsaktion am kommenden Sonntag im Hygienemuseum auf die Beine gestellt. 90 Helfer mussten dafür organisiert werden, die DKMS rechnet mit bis zu 2000 Teilnehmern. Und die Zeit rennt: In spätestens acht Wochen muss die junge Mutter eine Stammzellentransplantation erhalten. Je weniger die Gewebemerkmale übereinstimmen, desto höher ist die Gefahr einer Abstoßung. Deshalb hoffen sie, doch noch den genetischen Zwilling zu finden. Die Daten, die am Sonntag gesammelt werden, müssen alle auch noch ausgewertet und gespeichert werden. Doch Hämatologe Christoph Röllig sieht eine Chance: „Wenn der genetische Zwilling tatsächlich dabei ist, wird es zwar zeitlich knapp, aber es ist möglich“.

So laufen Typisierung und Stammzellenspende ab

Typisierung Mittlerweile ist dafür keine Blutabnahme mehr nötig. Mit einem Wattestäbchen wird ein Abstrich von der Wangenschleimhaut von gesunden 17-55-Jährigen genommen. Dieser wird samt Einverständniserklärung eingeschickt und im Labor registriert. Die Daten werden gespeichert und bei einer möglichen Übereinstimmung folgen Gesundheitscheck und Bestätigungstypisierung.

Stammzellenspende Bei rund 80 Prozent können die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen werden (periphere Stammzellspende). Dafür bekommt der Spender fünf Tage lang einen Wachstumsfaktor verabreicht, welcher die Stammzellen vermehrt. Anschließend werden diese in vier bis acht Stunden aus dem Blut gefiltert. Bei etwa 20 Prozent ist die Entnahme am Beckenknochen nötig (Knochenmarkspende).

Die Typisierungsaktion findet am 14. April zwischen 11 und 16 Uhr im Marta-Fraenkel-Saal des Deutschen Hygienemuseums statt. Eine Registrierung kostet die DKMS 35 Euro, deshalb wird auch um Geldspenden gebeten. DKMS Spendenkonto IBAN: DE88 7004 0060 8987 0000 56 Stichwort: VSD001

Von Lisa-Marie Leuteritz

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