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Lokales Sozialwohnungen statt Garagenhöfe
Dresden Lokales Sozialwohnungen statt Garagenhöfe
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11:33 03.05.2018
Der Garagenhof in der Spenerstraße soll Sozialwohnungen Platz machen. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

 Der Stadtrat soll am 17. Mai der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden GmbH & Co. KG“ (WiD) acht für den Wohnungsbau geeignete Grundstücke mit einem Gesamtverkehrswert von 8,433 Millionen Euro überschreiben. Über zwölf ehemals städtische Grundstücke verfügt die WiD bereits und plant darauf den Bau von Wohngebäuden. Der Wert der insgesamt 20 Baugrundstücke beträgt rund 20 Millionen Euro.

Konkurrenz um städtische Bauflächen

Eigentlich sollte die Verwaltung der WiD nach dem Willen der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit Grundstücke im Gesamtwert von 50 Millionen Euro für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Doch es ist ein mühsames Geschäft, geeignete Flächen im Bestand der Stadt oder ihrer Gesellschaften zu finden. Außerdem ist der Konkurrenzkampf um Grundstücke im Rathaus groß – auch das Schulverwaltungsamt, der Eigenbetrieb Kindertagesstätten oder das Brand- und Katastrophenschutzamt haben Platzbedarf. So konnten sich die Katastrophenschützer eine eigentlich für die WiD vorgesehene Fläche am Neudobritzer Weg sichern. Dort soll eine Rettungswache errichtet werden.

Fünf der acht Grundstücke des sogenannten „Grundstückspakets II“ sind ganz oder teilweise mit Garagen bebaut, was für böses Blut bei den betroffenen Garagenbesitzern sorgt. Auf der Bamberger Straße (Südvorstadt), der Van-Gogh-Straße/Pillnitzer Landstraße (Hosterwitz), Spenerstraße (Striesen), Ockerwitzer Straße (Leutewitz) und Nöthnitzer Straße (Plauen) sollen Garagen Wohngebäuden mit Sozialwohnungen Platz machen.

„Wir hatten vor kurzem eine Versammlung von betroffenen Garagengemeinschaften“, erklärte Dietmar Leuthold, Sprecher der Initiative „Rettet Dresdner Garagenhöfe“. Die Garagenbesitzer der im „Grundstückspaket II“ aufgeführten Flächen hätten von der Verwaltung keine offizielle Information erhalten. Nur Besitzer von Garagen in der Braunsdorfer Straße im Dresdner Westen seien darüber informiert worden, dass zum 30. Juni ein Eigentümerwechsel anstehe und die Zukunft der Garagen fraglich sei. Die Braunsdorfer Straße steht schon seit Jahren zur Disposition.

Kommentar

Garagenhöfe sind ein Relikt der Vergangenheit. Damals, als das Auto noch ein Wert an sich war, als es noch keine Tiefgaragen gab. Es ist heute legitim, Garagenhöfe als städtebauliches Entwicklungspotenzial zu betrachten. Wohnungen für Menschen sind wichtiger als Wohnungen für Autos.

Aber: Wer Garagenhöfe in Bauland verwandeln will, muss mit den Betroffenen reden. Und zwar bevor die Flächen in Grundstückspaketen auftauchen. Die Garagenbesitzer müssen wissen, was mit den Grundstücken geschieht und bis wann sie ihre Garagen nutzen können. Die Verwaltung steht in der Verantwortung, Alternativen für wegfallende Parkflächen zu suchen.

Wer viel von frühzeitiger Bürgerbeteiligung spricht, muss die Garagenbesitzer frühzeitig beteiligen. Gespräche auf Augenhöhe können den Verlust der Garage nicht ersetzen. Aber die Betroffenen haben ein Recht darauf, dass sie ernst genommen werden.

Im Moment sieht es eher danach aus, dass die Verwaltung die Grundstücke schnell an die städtische Wohnungsbaugesellschaft abtritt und dieser die „Drecksarbeit“, sprich Information der Garagenbesitzer und Kündigung der Garagenverträge, überlässt. Ein unwürdiger Umgang mit vorwiegend älteren Menschen.

Weniger Parkplätze, mehr Autos

„Viele Möglichkeiten haben wir nicht“, weiß Leuthold. Die Initiative habe sich längst an den Petitionsausschuss des Stadtrats gewandt und jetzt nachgefragt, was aus der vom Ausschuss ausgesprochenen Empfehlung geworden ist. Frühzeitige Information, Nutzungsrechte bis zum Baubeginn und die Suche nach alternativen Parkmöglichkeiten hatte der Ausschuss vorgeschlagen. „Aber von einer Umsetzung merken wir nichts“, so der Sprecher der Initiative. „Mit den Betroffenen sucht niemand das Gespräch.“

Leuthold und seine Mitstreiter wenden sich regelmäßig an Politiker wie jüngst an den SPD-Landtagsabgeordneten Albrecht Pallas, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Wir fühlen uns von Stadtrat und Verwaltung im Stich gelassen. Wir werden gedemütigt und entmündigt“, konstatiert der Sprecher.

Allein im Dresdner Westen seien auf privaten und städtischen Grundstücken in kürzester Zeit mindestens 150 Garagen weggefallen. „Aber die Autos werden nicht weniger, sondern eher mehr. Abends ist kaum noch ein Parkplatz in Löbtau zu finden“, so Leuthold.

Die für den kommunalen Wohnungsbau verantwortliche Arbeitsgruppe der Verwaltung bastelt schon am Grundstückspaket III – es dürfte die nächsten Garagenhöfe treffen. „Da sind dann wieder fünf bis zehn fällig“, vermutet Leuthold. 101 Flächen der Landeshauptstadt sind mit Garagenhöfen bebaut. Die Stadtverwaltung sieht darin städtebauliches Entwicklungspotenzial.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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