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Sozialer Wohnungsbau: Stadt wird von Investoren kritisiert

8. Dresdner Immobiliengespräch Sozialer Wohnungsbau: Stadt wird von Investoren kritisiert

Wir alle wollen bauen, Dresden braucht Wohnungen“, sagte Frank Müller, Vorstandsvorsitzender des BFW, vor gut 100 geladenen Branchengästen aus ganz Deutschland. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) stellte sich bei dem Gespräch als Vertreter der Stadt den Fragen und Sorgen der Unternehmer.

Sozialer Wohnungsbau ist ein Schlüsselthema in Dresden (Symbolbild).

Quelle: Archiv

Dresden. Die letzten freien Flächen im Stadtzentrum verschwinden gerade. Das Wiener Loch ist Geschichte, gegenüber vom Zwinger entstehen Hunderte hochklassige Wohnungen, ebenso am Postplatz. Und auch rings um das Zentrum sprießen Miet- und Eigentumsneubauten aus dem Boden. Mit der geplanten Lingnerstadt entstehen bis 2025 etwa 3000 Wohnungen direkt am Zentrum, etwa ebensoviele sollen durch die neu gegründete Woba entstehen – natürlich mit Blick auf soziales Wohnen.

Doch ob das ausreiche, ob die Art und Weise wie gebaut werde dem aktuellen Markt entspreche und ob Dresden überhaupt sozialen Wohnungsbau kann oder vielleicht auch gar nicht braucht, war am Dienstagabend Thema beim 8. Dresdner Immobiliengespräch auf Schloss Eckberg, zu dem der Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Sachsen (BFW) geladen hatte.

„Wir alle wollen bauen, Dresden braucht Wohnungen“, sagte Frank Müller, Vorstandsvorsitzender des BFW, vor über 100 geladenen Branchengästen aus ganz Deutschland. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) stellte sich dabei als Vertreter der Stadt den Fragen und Sorgen der Unternehmer. Und er musste erkennen, dass sich die Immobilienbranche schwer tut mit der aktuellen Entwicklung in der Stadt. Zwar sei man sich einig, dass Dresden ein hochattraktiver Standort sei und dass es genügend freie Fläche gebe – immerhin hat Dresden eine größere Gesamtfläche als die 1,5-Millionen-Stadt München – doch die aktuellen Politik der Stadt erschwere den Investoren die Umsetzung ihrer Pläne. Die Stadt “bunkere“ Freiflächen, anstatt sie schnell in bebauungsfähiges Terrain umzuwandeln, kritisierten viele Teilnehmer. Hilbert hingegen verteidigte die „Vorratspolitik“ der Verwaltung, immerhin benötige man heute und zukünftig auch Grundstücke für Kita- und Schulbau, ganz zu schweigen von den Plänen der Woba.

Kritik auf ganzer Linie musste sich der Oberbürgermeister vor allem von Olaf Brandenburg, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Glückauf“ Süd Dresden anhören. Brandenburg stellte die Frage, ob die Verwaltung überhaupt „richtig aufgestellt“ sei und brachte das Thema zweiter Rettungsweg auf den Tisch. Künftig soll der zweite Rettungsweg über die Privatfläche und nicht mehr über den öffentlichen Raum abgesichert werden (DNN berichteten). Damit verschrecke man Investoren, zudem sei diese Regelung noch nicht abschließend geklärt, Stadt und Land würden sich die Verantwortung gegenseitig hin und her schieben, so Brandenburg. In der anschließenden Diskussion wurde dabei deutlich, dass dieses Thema allen Investoren schwer im Magen liegt und eine schnelle Lösung her müsse.

Auch die Woba und die Förderrichtlinien der Stadt bekamen ihr Fett weg. Dem WGS-Vorstand ist vor allem ein Dorn im Auge, dass die geplanten Woba-Sozialwohnungen höhere Kriterien und Standards erfüllen als viele Genossenschaftswohnungen. Hilbert verteidigte die Pläne mit dem Argument des nachhaltigen Investments. „Wenn ich das Geld unserer Bürger für Wohnungsbau ausgebe, will ich auch in zehn bis 20 Jahren noch etwas davon haben“, so der OB.

Brandenburg bezweifelte auch, ob es überhaupt sozialem Wohnungsbau bedarf. „Im Bereich vier bis fünf Euro pro Quadratmeter haben wir in Häusern ohne Aufzug in den Obergeschossen genug Wohnungen frei. Die Nachfrage im Zehn-Euro-Bereich hingegen können wir nicht bedienen“, so Brandenburg.

Gemeinsam mit dem WGS-Vorstand monierten andere Investoren zudem die aktuelle Förderrichtline der Stadt. Man baue damit ausschließlich für Wohngeldempfänger und nicht für Akademiker, Forscher und Facharbeiter. Hilbert merkte an, dass niemand gezwungen sei, nur Sozialwohnungen zu bauen. Man brauche sich nur einmal in der Stadt umzuschauen und erkenne, das dem auch überhaupt nicht so sei. Doch einen gewissen bezahlbaren Wohnraum brauche es einfach, auch in Anbetracht der steigenden Zahl der Flüchtlinge.

Trotz der offensichtlichen Reibungspunkte sieht Hilbert keinen Handlungsbedarf, den Wohnungsbau zur Chefsache zu machen. Zwar sehe er, dass die Verwaltung nach außen einen schweren Stand hätte, Dresden sei diesbezüglich generell aber gut aufgestellt. Er vertraue seinen Fachämtern und werde dafür sorgen, dass diese künftig noch ziel- und lösungsorientierter arbeiten würden. Er appellierte auch an die Investoren, den Dialog mit der Stadt zu suchen. „Wir schaffen das nur gemeinsam.“

Von Sebastian Burkhardt

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