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Lokales Sozialbürgermeisterin setzt sich gegen Kritik am Städtischen Klinikum zur Wehr
Dresden Lokales Sozialbürgermeisterin setzt sich gegen Kritik am Städtischen Klinikum zur Wehr
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08:08 27.12.2018
Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann Quelle: PR
Dresden

Das Städtische Klinikum hat in den vergangenen Wochen mit einer finanziellen Schieflage für Schlagzeilen gesorgt. Im DNN-Interview setzt sich Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann gegen die Kritik zur Wehr.

Mehr Einwohner und eine alternde Bevölkerung – trotzdem sinkt die Zahl der behandelten Patienten. Was läuft schief?

Kristin Kaufmann: Das Jahr 2018 war schwierig, keine Frage. Das hat mehrere Gründe. Zum einen waren wichtige Positionen über Monate nicht besetzt. Wenn Köpfe und Hände für Operationen fehlen, ist das schlecht für das Ergebnis. Zum anderen hatten wir Schwierigkeiten mit Orten der Leistungserbringung. Das Haus N in Friedrichstadt ist verspätet in Betrieb gegangen. Das Klinikum hatte einen früheren Eröffnungstermin angestrebt, doch das Gebäude konnte noch nicht genutzt werden. Anfang des Jahres gab es eine Grippewelle, die auch das Personal im Klinikum betroffen hat. Da konnten Leistungen nicht erbracht werden, weil Mitarbeiter krank waren. Das Auftreten von multiresistenten Keimen im Herbst im Krankenhaus Neustadt hat zu Einbußen geführt. Hinzu kommt die mediale Berichterstattung, die immer wieder die wirtschaftliche Situation zum Thema gemacht hat. Auch dadurch bleiben Patienten weg und es kommt zu Motivationsproblemen beim Personal.

„Ein öffentlicher Diskurs bringt keine Antworten auf interne Probleme.“

Einspruch! 2012 wurde den Bürgern beim Bürgerentscheid versprochen, dass ein Städtisches Klinikum nichts kostet. Haben die Bürger nicht auch einen Anspruch darauf, über die Erfüllung dieses Versprechens informiert zu werden?

Wir gehen offen und transparent mit der Situation um. Aber eine Reduzierung der Berichterstattung auf die Wirtschaftszahlen wird dem Klinikum nicht gerecht. Zumal es für komplizierte Probleme keine einfachen Lösungen gibt. Ein öffentlicher Diskurs bringt keine Antworten auf interne Probleme. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten eine hervorragende Arbeit. Die Qualität der Behandlungen in Friedrichstadt und Neustadt ist unbestritten. Regelmäßig schafft es das Städtische Klinikum Dresden auf vordere Plätze bei Ärzterankings.

Trotzdem sinkt in der Geburtenhochburg Dresden die Zahl der Geburten im Städtischen Klinikum. Warum?

Wir haben zwei sehr gute Geburtenstationen an den Standorten in Neustadt und Friedrichstadt. Wir müssen stärker in die Öffentlichkeitsarbeit gehen und unsere Leistungen präsentieren.

Vor zwei Jahren wurden die Krankenhäuser Neustadt und Friedrichstadt fusioniert. Ist der Fusionsprozess ins Stocken geraten?

Nein. Dieser Prozess dauert. Zwei vormals getrennte Unternehmen mit eigener Führungsstruktur und gewachsener Kultur zusammenzuführen, kostet Zeit. Das ist ein langer Marsch. Eine gute Wegstrecke haben wir schon erfolgreich geschafft.

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Aus der Kommunalpolitik hört man oft den Begriff Managementfehler als Ursache für die Misere. Haben Sie das Wort bewusst nicht in den Mund genommen?

Ich stehe im ständigen Austausch mit der Leitung des Klinikums und glaube, dass das Management eine gute Arbeit leistet. Niemand ist vor einer Art Binnensicht auf das eigene Haus gefeit. Deshalb bedienen wir uns auch der Expertise der Berater von Ernst & Young. Ich muss darauf hinweisen, dass ich das Klinikum inhaltlich begleite. Für die Wirtschaftspläne ist die Beteiligungsverwaltung zuständig.

Haben Sie einen Masterplan für ein Klinikum ohne rote Zahlen?

Wir arbeiten daran. 2019 werden wir vakante Schlüsselpositionen besetzen. Zwei Lücken konnten wir schon schließen. Jetzt werden wir Führungskräfte für die Geriatrie, die Allgemeine Chirurgie und für Unfallchirurgie, Thoraxchirurgie, Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie gewinnen. Damit können wir mit einem starken Team an den Start gehen. In diesem Jahr haben wir bereits über 50 Pflegekräfte eingestellt, das war eigentlich erst für 2019 geplant. Personell sind wir gut aufgestellt.

Wie sieht es mit der Gebäudesubstanz aus? Gibt es ein Zukunftskonzept?

Wir haben eine Vision „Klinikum 2030“ und arbeiten an einer operativen Strategie. Gegenwärtig diskutieren wir intern verschiedene Varianten, wie wir ein nachhaltig wirkendes Klinikum für die nächsten Jahrzehnte aufstellen. 2019 wollen wir die Strategie fix bekommen und dann die einzelnen Schritte gemeinsam mit unseren Partnern, unter anderem dem Freistaat, umsetzen.

„Krankenhäuser sind Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Da kann und darf man keine Gewinne erwarten“

Welche Baumaßnahmen sind geplant?

Die größte Investition mit einem Volumen von rund 46 Millionen Euro wird die Sanierung von Haus P in Friedrichstadt. Es entsteht ein hochmodernes Internistisches Zentrum. Der Freistaat hat dafür rund 36 Millionen Euro Fördermittel in Aussicht gestellt. Die Feinplanung für das Projekt beginnt 2019. Mit 15 Millionen Euro wird das Haus A an der Friedrichstraße abschnittweise saniert. Das Klinikum plant noch den Neubau eines Multifunktionsgebäudes an der Schäferstraße mit einem zentralen Labor. In Neustadt ist ab 2020 der Ersatzneubau eines sozialpädiatrischen Zentrums für 8 Millionen Euro eingeplant. Außerdem wird an allen Standorten für drei Millionen Euro WLAN für die Patientinnen und Patienten installiert. Die Liste der Bauvorhaben wird im Laufe des nächsten Jahres weiter präzisiert.

Wie ist die Unterstützung des Stadtrats?

Das Klinikum erhält eine breite Unterstützung. Wir erhalten 2019 8,4 Millionen Euro Investitionszuschuss, 2020 sind es 5,6 Millionen Euro.

Es gibt Stimmen aus Politik und Gesellschaft, die meinen, ein Krankenhaus dürfe nicht als Wirtschaftsunternehmen betrachtet werden. Wie sehen Sie das?

Das ist richtig. Krankenhäuser sind Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Da kann und darf man keine Gewinne erwarten, die man abschöpfen kann. Trotzdem behalten wir natürlich die Finanzen im Blick. Hier schaue ich besonders auf die Investitionen. Diese werden vom Freistaat leider nur zu 80 Prozent gefördert, obwohl uns per Gesetz 100 Prozent zustehen. In den Vergütungen, die wir für unsere Leistungen von den Krankenkassen erhalten, werden Tarifsteigerungen nicht berücksichtigt. Das soll sich ab 2020 ändern. Die Krankenkassen stellen immer mehr Abrechnungen in Frage, teilweise dauert es länger als ein Jahr, bis uns Geld erstattet wird. Gibt es einen Bereich in der freien Wirtschaft, der unter diesen Bedingungen arbeiten muss?

In der freien Wirtschaft ziehen Probleme mit der Bilanz oft Personalabbau nach sich. Im Städtischen Klinikum auch?

Nein, das ist für uns kein Thema. Wir brauchen jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unser Fachpersonal selbst ausbilden und die Auszubildenden übernehmen können. Wir bauen kein Personal ab, sondern bemühen uns ganz intensiv, vakante Stellen zügig zu besetzen. Der Personalbedarf wird sogar noch steigen. Stichwort Demografie. Außerdem verändert sich die Arbeitswelt, immer mehr Menschen wollen in Teilzeit arbeiten.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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