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Lokales Sorge um Rechtsextremismus an Schulen
Dresden Lokales Sorge um Rechtsextremismus an Schulen
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14:06 22.06.2018
Flaggen der Identitären Bewegung sind regelmäßig bei Pegida-Kundgebungen in Dresden zu sehen. Die rechtsextreme Gruppe haben laut Experten inzwischen immer mehr Einfluss auf junge Menschen an Sachsens Schulen. Quelle: dnn
Dresden

Das Kulturbüro Sachsen und das Netzwerk für Demokratie und Courage warnt vor wachsenden Problemen mit Rassismus und Rechtsextremismus an Schulen. Bei Veranstaltungen an Bildungseinrichtungen in Sachsen haben die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten ein zunehmend selbstbewussteres und unverblümteres Vortragen rechtsextremer Einstellungen bemerkt. Die Lehrer an den Schulen müssten sich intensiver damit auseinandersetzen, sagt Johannes Richter vom Netzwerk für Demokratie und Courage. Um die Pädagogen dabei zu unterstützen, haben das Netzwerk und das Kulturbüro jetzt eine neue Broschüre herausgegeben.

Die Hemmschwelle, rassistische Hetze und Beleidigungen zu äußern, sei bei den Schülern deutlich gesunken. Michael Nattke von dem Kulturbüro Sachsen verweist zudem auf eine „stabil hohe Anzahl“ rechtsextremer Straftaten an den Schulen. In Sachsen hat es nach Angaben des Kultusministeriums im vergangenen Jahr 66 angezeigte Vorfälle gegeben – sieben davon in Dresden. Im Jahr zuvor waren es 63. Zumeist handelt es sich dabei um so genannte Propaganda-Delikte, wozu auch das Tragen rechtsextremer Kleidung zählt. Die Experten vermuten dahinter aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer dürfe deutlich darüber liegen, weil viele Straftaten nicht angezeigt oder entsprechend erfasst werden.

„Die Schule ist nicht verantwortlich für rechte Straftaten, aber dafür, wie damit umgegangen wird“, sagt Michael Nattke. Oft, so erklärt Nina Gbur vom Netzwerk für Demokratie und Courage, fehle Lehrern aber dafür die Zeit und teilweise auch die Expertise. Mit der Broschüre mit dem Titel „Auch das noch?!“ wollen beide Einrichtungen den Lehrern einerseits Handlungsmöglichkeiten, aber auch Wissen über Rechtsextremismus vermitteln. Das Heft mit einer Auflage von 2000 Stück soll zum Start des neuen Schuljahres verschickt werden.

Nach Ansicht von Michael Nattke ist es derzeit vor allem die vom Verfassungsschutz beobachtete Identitäre Bewegung, die mit zeitgemäßen und jugendgerechten Inhalten über sozialen Medien Einfluss auf junge Menschen nehmen, die an Schulen besonders aktiv ist. Die NPD, die seit 2014 in Sachsen ohnehin stark an Bedeutung verloren habe, spiele kaum eine Rolle mehr. Aktionen wie das Verteilen der sogenannten Schulhof-CDs mit rechtsextremen Liedern seien inzwischen überholt. „Die Verbreitung der rechtsextremen Inhalte geschieht heute über Facebook, Twitter und Co.“, sagt der Mitarbeiter vom Kulturbüro.

Das Kulturbüro, vor allem aber das Netzwerk für Demokratie und Courage ist regelmäßig an Dresdens Schulen unterwegs, um dort in verschiedenen Veranstaltungsformen und -angeboten Aufklärung zu betreiben und Schüler für Rassismus und Rechtsextremismus zu sensibilisieren. Probleme mit Rassismus und Extremismus gebe es an allen Schultypen, so Nina Gbur. Die Veranstaltungen würden inzwischen auch schon von Lehrern, Eltern und teilweise auch Schülern aus fünften und sechsten Klassen nachgefragt.

Von Sebastian Kositz

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