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Sophienschatz: Geraubtes Medaillon wieder im Dresdner Stadtmuseum

Spektakulärster Kunstraub in der DDR-Geschichte Sophienschatz: Geraubtes Medaillon wieder im Dresdner Stadtmuseum

Dresden hat sein nächstes goldenes Medaillon zurück. Allmählich finden die 1977 während des spektakulärsten Kunstraubs in der DDR aus dem Dresdner Stadtmuseum gestohlenen Schmuckstücke ihren Weg Richtung Heimat. Am Freitag feierte Dresden die Rückkehr eines über 350 Jahre alten Anhängers.

Gisbert Porstmann, Direktor der Museen der Stadt Dresden, zeigt stolz das neue (alte) Medaillon der Königskette – für 10.000 Euro kam es zurück nach Dresden.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Dresden hat sein nächstes goldenes Medaillon zurück. Allmählich finden die 1977 während des spektakulärsten Kunstraubs in der DDR aus dem Dresdner Stadtmuseum gestohlenen Schmuckstücke wieder ihren Weg Richtung Heimat. Am Freitag feierten Gisbert Porstmann, Direktor der Museen der Stadt Dresden und Museumsdirektorin Erika Eschebach im Stadtmuseum Dresden die Rückkehr des über 350 Jahre alten Anhängers, den einst Johann Georg der Dritte, Vater von August dem Starken, anlässlich eines Vogelschießens gewann.

Das ist die goldene Königskette der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft

Das ist die goldene Königskette der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft. Von den einst 15 gestohlenen Anhängern fehlt jetzt nur noch Nummer 10.

Quelle: Stadtmuseum

Am 20. September 1977 hatten dreiste – oder sehr gut vorbereitete – Räuber am helllichten Tag während des regulären Besucherbetriebes eine große Vitrine im Treppenhaus in der vierten Etage des Stadtmuseums aufgebrochen und 57 Schmuckstücke aus dem sogenannten „Ratsschatz“ gestohlen. Neben 41 Objekten aus dem dazugehörigen „Sophienschatz“, der aus Ringen, Armbändern und anderen Schmuckstücken besteht, die aus Grabkammern unter der bis 1963 abgerissenen Sophienkirche geborgen wurden, konnten die Kriminellen auch die berühmte goldene Königskette der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft samt ihrer 15 kostbaren Anhänger entwenden.

Obwohl es schon damals eine Kameraüberwachung im Museum gab und Polizei in der DDR nicht gerade zu den uninformiertesten gehörte, fehlte von den Tätern schnell jede Spur – bis heute. Mittlerweile weiß man, dass der Schatz nur unzureichend gesichert war. Das Schloss der Vitrine lies sich mit einem einfachen Klappmesser öffnen, die Kamera wurde einfach weggedreht. Trotz einer Phantomzeichnung, Tausender Vernehmungen und monatelanger Ermittlung musste die Volkspolizei schließlich resignieren.

Vier Jahre später tauchte der erste Anhänger beim Auktionshaus Christie`s in London auf und kam über Umwege und Hilfe aus der BRD letztlich 1988 zurück nach Dresden. 1999 wurden dann 38 der damals geraubten Schmuckstücke – inklusive elf Anhänger der Königskette – auf einer Auktion in Oslo angeboten. Diese kehrten 2005 ebenfalls nach Dresden zurück, doch nicht umsonst. Über die bezahlte Summe wird bis heute geschwiegen. Ein Jahr später kehrte der nächste Anhänger aus Hannover zurück.

Dann blieb es lange Zeit ruhig, bis der nun vorletzte fehlende Anhänger auftauchte. Ein Münchner Auktionshaus bot dem grünen Gewölbe ein Objekt an, „das wohl Dresden zuzuordnen war und dort wohl auch hingehöre“, wie sich Konservatorin Ulrike Weinhold erinnert. „Als ich mir dann Detailbilder angeschaut habe und im Internet recherchierte, wurde mir schnell klar, dass es sich um einen Anhänger gestohlenen Königskette handelt musste.“ Eine Kölner Witwe war im Besitz des Medaillons und wollt es dem Stadtmuseum zunächst schenken, bis ihr Anwalt das vermutlich für keine so gute Idee hielt. Letztlich musste die Stadt 10 000 Euro überweisen, um den Anhänger zurückzubekommen. „Das ist er nach Schätzungen aber auch wert“, so Porstmann.

Einziger Hinweis

Einziger Hinweis: Das Phantombild nach dem Raub 1977.

Quelle: privat

Trotz der mittlerweile vielen zurückgekehrten Schmuckstücke, die eigentlich einen Hinweis auf deren Verbleib und Werdegang leifern sollten, stochern Staatsanwaltschaften und Kriminalogen auch heute noch im Dunkeln. So ranken sich jede Menge Verschwörungstheorien um den Kunstraub von vor knapp 40 Jahren. Warum wurde bis heute nicht ein Verdächtiger ausfindig gemacht? Warum tappte die scheinbar allmächtige und allwissende Stasi über 20 Jahre lang im Dunkeln? Wie gelangten große Teile des Diebesgutes nach Oslo? Im ZDF-Dokumentarfilm „Geheimakte Sophienschatz“ der Reihe „Terra X“ aus dem Jahr 2009 glaubt man die Antwort zu kennen: Die Stasi selbst, in Person von Erich Mielke, gab den Raub in Auftrag, um die Schmuckstücke im Ausland gewinnbringend zu verkaufen.

Doch das verweist Gisbert Porstmann aus seiner Perspektive in das Reich der Fabeln. „Wenn man die Kunst zwecks Devisenbeschaffung hätte verkaufen wollen, hätte man das einfach getan und nicht so eine Show inszeniert und anschließend aufwändig vertuscht“, so der Direktor der Dresdner Museen. Zudem sei es dann auch sehr sonderbar, warum die Stasi einen rund 1,5 Meter langen internen Aktenband zu dem Fall angelegt und auch bearbeitet hätte. „Nur zum Zwecke einer Tarnung würde das für mich überhaupt keinen Sinn ergeben“, ergänzt Porstmann.

Auch wenn sich diese Geschichte wohl nie mehr auflösen lässt, steht zweifelsfrei fest, dass neben 14 weiteren Objekten aus dem „Sophienschatz“ nun nur noch ein Anhänger der Königskette fehlt. „Man hofft natürlich bei jedem Fund, auch eine Spur zu einem weiteren Schmuckstück zu finden. Das ist leider noch nicht geschehen, aber wir bleiben zuversichtlich“, sagt Museumsdirektorin Erika Eschebach. Die Hoffnung, die aus 1,3 Kilogramm reinen Gold bestehende Königskette wieder zu finden, seien aber gleich Null. „Die Kette hat keinerlei Markierung oder Alleinstellungsmerkmale. Sie könnte quasi als beliebige Kette durchgehen, vermutlich ist sie schön längst in Barrenform.“

Die Anhänger der Königskette sowie der „Sophienschatz“ sind in der vierten Etage des Stadtmuseums im Landhaus an der Wilsdruffer Straße 2 zu sehen.

www.stadtmuseum-dresden.de

Von Sebastian Burkhardt

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