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Lokales So stellt sich die Gesellschaft Historischer Neumarkt sozialen Wohnungsbau vor
Dresden Lokales So stellt sich die Gesellschaft Historischer Neumarkt sozialen Wohnungsbau vor
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15:14 12.01.2019
Es muss nicht immer die Kiste sein: Der Bauträger Mika liefert in Kaditz ein Beispiel für Wohnungsbau mit Anspruch. Quelle: MiKa-Quartier GmbH & Co. KG
Dresden

Müssen Wohnquartiere hässlich sein? Kann „schönes Wohnen“ mit industriellem Wohnungsbau gelingen? Wie können neue Stadtviertel ohne soziale Ausgrenzung entstehen? Fragen, die die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) am Montag ab 18 Uhr im Festsaal des Stadtmuseums auf einer namhaft besetzten Diskussionsveranstaltung erörtern will. DNN fragten den GHND-Vorstandsvorsitzenden Torsten Kulke, wie er sich Wohnungsbau vorstellt.

Frage: Passen sozialer Wohnungsbau und Baukultur zusammen?

Torsten Kulke: Soziale Aspekte und Baukultur dürfen nicht voneinander getrennt werden. Warum sollen diejenigen, die soziales Wohnen beanspruchen, in hässlichen Gebäuden wohnen?

Ist vielleicht der Wohnungsbau ein Stiefkind der Architektur?

Nein. Dass die Neubauquartiere in Dresden so aussehen, liegt an einer veralteten Auffassung von Städtebau. Wenn ich große Grundstücke veräußere und keinen Wert auf die Parzelle lege, bekomme ich solche Kisten wie auf den Postplatz gestellt mit 100 Meter langen eintönigen Fassaden.

Torsten Kulke erhielt in Chicago den Hopeman Award. Quelle: PR

Warum sind die Gebäude grau oder weiß? Ist der Einsatz von Farbe verboten?

Das sind vielleicht die aktuellen Modefarben. Aber eine andere Farbgebung löst das Grundproblem nicht: Wir brauchen kleinteilige Architektur und die Orientierung auf die Parzelle. Es muss nicht die Kiste mit Flachdach sein, es geht auch anders wie beim aktuellen Mika-Projekt in Kaditz-Mickten oder an der Hafenstraße.

„Die WiD versucht, mit dem, was sie hat, das Maximale herauszuholen.“

Um Kosten zu sparen, planen Unternehmen wie Vonovia oder die CG Gruppe mit seriellem Wohnungsbau. Ist das für Sie ein Gräuel? Leben die Plattenbaugebiete wieder auf?

Der Vorstandsvorsitzende der CG Gruppe Christoph Gröner kommt zu unserer Veranstaltung. Ich bin gespannt, was er zu seinem Plattenwerk bei Hermsdorf erklärt. Es gibt einen riesigen Markt, Mietern mit kleinen und mittleren Einkommen Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Investoren wie die CG Gruppe werden diesen Markt bedienen. Ob sie es dann noch schaffen, Qualität abzuliefern, wird sich zeigen.

Wie kann die Stadtverwaltung Qualität einfordern?

Indem sie sich auf die Ideen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts besinnt. Damals gab es ein Stadterweiterungsamt. Dort wurden neue Quartiere geplant. Die Flächen wurden parzelliert und Straßen auf dem Reißbrett angelegt. Erst dann kamen Investoren zum Zug. So sind Striesen, Löbtau oder die Äußere Neustadt entstanden. Daraus haben sich Bestlagen entwickelt. Heute wird dagegen – überspitzt – gesagt: Hier ist eine grüne Wiese, bitte baut uns da mal etwas drauf.

Zur Person

Torsten Kulke engagiert sich seit vielen Jahren in der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) zunächst für eine qualitativ hochwertige Bebauung des Neumarkts und inzwischen für Baukultur in ganz Dresden. Ob Wiederaufbau des Narrenhäusls oder die Gestaltung des Neustädter Markts, die GHND bringt sich mit eigenen Veranstaltungen in die Debatten ein.

Mit der
Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden
hat es die Stadt selbst in der Hand, Stadtentwicklung zu betreiben. Wie gefallen Ihnen die Entwürfe für die städtischen Sozialwohnungen?

Die WiD versucht, mit dem, was sie hat, das Maximale herauszuholen. Da die Stadt ihre Filetstücke verkauft hat, muss die WiD vor allem Lücken bebauen. Das ist nicht das, was ich mir unter dem hohen C vorstelle. Ich glaube auch nicht, dass der soziale Wohnungsbau die Antwort auf das Wohnungsproblem ist.

„Jeder, der gewählt werden will, sollte dafür einstehen, dass Dresden nicht gespalten wird.“

Sondern?

Wir brauchen das „Haus für alle“. Ein Gebäude, in dem Menschen der verschiedensten Einkommensschichten zusammen wohnen. Sonst entstehen Stadtgebiete, die nicht mehr kontrollierbar sind, in denen sich niemand an die Regeln hält. Wir müssen auf das kooperative Baulandmodell setzen und Konzepte für sozial durchmischte Wohngebiete entwickeln.

Was erwarten Sie vom neuen Stadtrat?

Er muss die Voraussetzungen schaffen, dass es keine Spaltung der verschiedenen Einkommensklassen in den städtischen Wohngebieten gibt. Jeder, der gewählt werden will, sollte dafür einstehen, dass Dresden nicht gespalten wird. Sonst bekommen wir irgendwann Verhältnisse wie in den USA mit umzäunten und bewachten Quartieren für die reichen und Banlieues für die armen Einkommensklassen.

Zu der Veranstaltung kommen Prof. Wolfgang Sonne (stellvertretender Direktor des Instituts für Stadtbaukunst), Christoph Gröner, Dankwart Guratzsch (Redakteur), Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke), Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (ündnis 90/Die Grünen), Berndt Dietze (Baywobau Dresden), Rolf Klinkenbusch (Vorstand Bund Deutscher Architekten Sachsen) und die Baupolitiker der Stadtratsfraktionen

Von Thomas Baumann-Hartwig

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