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Ski-Weltcup in Dresden will dem miesen Wetter trotzen

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren Ski-Weltcup in Dresden will dem miesen Wetter trotzen

Die Vorbereitungen für den ersten Ski-Weltcup für Langlauf-Sprinter in Dresden laufen auf Hochtouren. Standhaft lassen sich die Organisatoren auch vom schlechten Wetter nicht die Stimmung verderben. Der Aufwand ist beträchtlich.

Am Dresdner Flughafen türmt sich der Schnee.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Dunkle Wolken überschatten ganz buchstäblich den ersten Ski-Weltcup in Dresden: Seit Tagen lässt sich der Winter in der sächsischen Landeshauptstadt nicht blicken. „Es ist ein Jammer, aber es ist, wie es ist“, bewahrt sich Mit-Organisator Torsten Püschel seine Zuversicht. Gemeinsam mit René Kindermann arbeitet er seit Jahren an der Idee, die Weltelite im Ski-Langlauf für den 13. und 14. Januar nach Dresden zu holen. „Wir haben erlebt, welche Bilder Dresden in der letzten Zeit abgegeben hat“, erläuterte Püschel gestern das Engagement. „Das war nicht schön, deshalb wollen wir das machen.“ Außerdem könnten Gastronomen und Hotels in der Saure-Gurken-Zeit ein solches Event gut gebrauchen.

Seit Anfang Dezember laufen dafür die Schnee-Maschinen im Flughafen-Hangar. Rund 5000 Kubikmeter weißes Pulver werden für die 1,4 Kilometer lange Piste am Elbufer benötigt. Nach den Angaben von „Snow-Master“ Manfred Kunath, dem Technischen Leiter des Dresdner Flughafens, ist davon bislang etwa die Hälfte produziert. Da haben die Maschinen noch einiges zu tun. Schneeflocken entstehen dabei freilich nicht. Die Snow-Factorys arbeiten bei bis zu plus 15 Grad und produzieren praktisch viele kleine Eiskügelchen. Das vermittelt zwar kein echtes Schnee-Gefühl, taut aber auch nicht ganz so schnell weg.

Die Maschinen verbrauchen pro Stunde 3000 Liter Wasser. Das kommt praktisch aus der Regenrinne des Flughafens. Mit großen Zisternen bunkert der Airport Niederschlagswasser ständig für Feuerwehreinsätze oder die Enteisung von Flugzeugen. Nun wird Schnee daraus. Allerdings saugen die Eismaschinen dafür eine Menge Strom aus dem Netz. Bei den Leistungsparametern der beiden Geräte liegt der Verbrauch in 60 Minuten bei 340 Kilowattstunden. An einem halben Tag ist damit der durchschnittliche Jahresverbrauch eines Vier-Personen-Haushalts in Eis verwandelt.

Mit zehn mehrmals pendelnden Lastern soll am Mittwoch der Schnee an die Elbwiesen kommen, wo sich dann eine alpine Pistenraupe darüber hermacht. Seit 2. Januar laufen dort die Vorbereitungen, sind die Radfahrer vom Elbradweg über die Große Meißner Straße umgeleitet. Die Stadt bittet alle Betroffenen um Verständnis und verweist auf „ein herausragendes Sportereignis“, das weit über die Landeshauptstadt hinaus Aufmerksamkeit und Interesse finden wird.

Am Gesamtetat von 1,2 Millionen Euro ist die Stadt daher auch mit 300 000 Euro beteiligt, weitere 300 000 Euro des Steuerzahlers kommen vom Freistaat, der dafür extra einen Weg fand, um seine Sportförderung anzuzapfen. 150 000 Euro seines Anteils kommen aus der Standortwerbung des Landes „So geht sächsisch“. Dafür wird „Simply Saxony“ auf den Trikots der Athleten stehen.

Auf Drängen der Polizei müssen die Veranstalter den Zuschauer-Zustrom zum Wettbewerb einschränken. Das Areal zwischen Carolabrücke und Augustusbrücke, wo auf dem sonstigen Filmnächte-Gelände das Stadion für 3000 Menschen eingerichtet wird, ist ohnehin nur mit Eintrittskarten zugänglich. Für die Wettkämpfe am Sonntag gebe es noch etwa 100 Karten, für den Sonnabend waren gestern noch etwa 500 zu bekommen. Zusätzlich muss jetzt das Areal zwischen Japanischem Palais und Augustusbrücke umzäunt werden. Dort dürfen sich höchstens 13 000 Menschen tummeln, die ohne Eintrittskarten das Geschehen auf einem Teil der Rennstrecke und einem großen Bildschirm verfolgen können. Sie sollten möglichst mit Bus oder Bahn anreisen und auf große Rücksäcke und Taschen verzichten, um die Einlasskontrollen nicht zu verzögern. Am Sonnabend öffnen die Tore ab 8.30 Uhr, am Sonntag ab 8.15 Uhr, eine Stunde später gehen die Wettkämpfe los. Dafür rechnet Püschel unter anderem mit Spitzensportlern wie dem Norweger Johannes Hoesflot Klaebo, dem Russen Sergey Ustyugow oder der Deutschen Sandra Ringwald.

Püschel und Kindermann sind vor allem aus den Sportsendungen des Mitteldeutschen Rundfunks bekannt. Daher sehen sie sich derzeit auch einer Diskussion um ihren Wechsel auf die Seite der Veranstalter ausgesetzt, über die sie sonst berichten sollen. Der gebührenfinanzierte Sender hat kürzlich gegenüber der „taz“ erklärt, dies sei „juristisch einwandfrei“. Ihre Glaubwürdigkeit als Journalisten sieht Püschel nicht in Frage gestellt. Ohnehin seien sie freie Mitarbeiter. Mit der Veranstaltung verbinde sich auch für sie privat eine erhebliche Investition. Als Gesellschafter müssen sie die Einlage für die Veranstaltungs-GmbH aufbringen und haften als Veranstalter auch für finanzielle Risiken.

Trotzdem soll der Weltcup keine Eintagsfliege bleiben. Bis 2021 sei der Termin Mitte Januar schon im Wettkampfkalender des internationalen Ski-Verbandes FIS vorgemerkt. Viel Gelegenheit zum Vertreiben der dunklen Wolken.

www.skiweltcup-dresden.de

Von Ingolf Pleil

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