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Skandal um Dresdner Juristenprozess von 1947 - Schüler des Hans-Erlwein-Gymnasiums gewinnen bundesweiten Geschichtswettbewerb

Skandal um Dresdner Juristenprozess von 1947 - Schüler des Hans-Erlwein-Gymnasiums gewinnen bundesweiten Geschichtswettbewerb

Klassen des Hans-Erlwein-Gymnasiums dürfen heute im Schloss Bellevue in Berlin Bundespräsident Christian Wulff (CDU) die Hand schütteln.

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Pia Steuerlein und Clemens Kersten gehören zu den 16 Schülern aus dem Hans-Erlwein-Gymnasium, die heute in Berlin von Bundespräsident Christian Wulff mit dem 1. Preis im Geschichtswettbewerb zum Thema "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte" ausgezeichnet werden.

Quelle: Martin Förster

Schüler der 11.

Mit ihrer Forschungsarbeit über den Dresdner Juristenprozess von 1947 haben sie einen mit 2000 Euro dotierten 1. Preis gewonnen. DNN sprachen mit Pia Steuerlein und Clemens Kersten - stellvertretend für die 16 Dresdner Gymnasiasten und deren Tutorin Merit Kegel.

Frage: Zunächst herzlichen Glückwunsch! Was hatte es denn mit dem Skandal um den Dresdner Juristenprozess von 1947 auf sich?

Clemens: Danke! Gerald Hacke von der Gedenkstätte Münchner Platz hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass es eigentlich um zwei Prozesse ging. 1947 sind fünf Richter und Staatsanwalt Dr. Erich Anger in der Folge der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse zu vergleichsweise geringen Haftstrafen verurteilt worden. Anger zum Beispiel bekam drei Jahre. In einem zweiten Prozess 1948 sind die Urteile dann deutlich höher ausgefallen. Der Staatsanwalt erhielt nun zwölf Jahre Haft. Zu Unrecht, denn die Angeklagten haben "nur" im Landgericht und nicht am berüchtigten Volksgerichtshof gearbeitet.

Pia: Wir haben herausgefunden, dass die SED damals eine regelrechte Hetzjagd auf Anger und auch auf den Verteidiger im Prozess, den jüdischen Rechtsanwalt Dr. Fritz Glaser, veranstaltet hat. Glaser hatte im ersten Prozess 1947 als Verteidiger gerecht abgewogen, inwieweit seine Mandanten schuldig gewesen sind, und am Ende zu dem relativ milden Urteil beigetragen. Ihm ist daraufhin das Mandat entzogen worden, er verlor sogar den Status als Opfer des Faschismus und verarmte schließlich total. Das ist der eigentliche Skandal.

Clemens: Auch die unabhängige Tagespresse, in dem Falle das Sächsische Tageblatt, wurde gleichgeschaltet. Der damalige Chefredakteur Dr. Lechner erhielt erst eine hohe Geldstrafe und wurde dann abgesetzt, weil er versucht hatte, ausgewogen zu berichten.

Wo überall haben Sie recherchiert?

Pia : An vielen Orten: in der Gedenkstätte Münchner Platz, dem Ort des Geschehens, im Hauptstaatsarchiv, wo die Prozessakten lagern, in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek und in den Staatlichen Kunstsammlungen. Dort ist ein Gemälde der Familie Glaser ausgestellt, das Otto Dix gemalt hat. Wir haben mit Günter Gasch gesprochen, der uns etwas über die Haftbedingungen in der sowjetischen Besatzungszone erzählt hat, mit der Tochter von Anger und auch der Schwiegertochter von Glaser.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Pia : Glaser war ja Kunstmäzen im Dresden der 1920er Jahre. Schon zu NS-Zeiten hatte er einen Großteil seines Vermögens als sogenannte Judenbuße abgeben müssen. Nach 1945 musste Glaser selbst das von Dix gemalte Familienporträt verkaufen, um seine Familie zu ernähren. Seine umfangreiche Kunstsammlung hat er komplett verloren - erst unter den Nazis, den Rest später in der DDR. Seine Witwe hat bis in die 1960er Jahre hinein versucht, ihn zu rehabilitieren. Vergeblich.

Was haben Sie letzten Endes für den Bundeswettbewerb eingereicht?

Clemens : Einen Film von fast einer Stunde Länge, außerdem ein Projekttagebuch. In dem Film haben wir Szenen nachgespielt und an historischen Orten gedreht. Für den Film haben wir uns entschieden, weil wir alle 16 in der ehemaligen Theatergruppe unserer Schule waren.

Wieviel Zeit haben Sie in das Projekt investiert?

Clemens : Oh, eine ganze Menge. Wir waren zum Beispiel in den Winterferien von 8 bis 20 Uhr in der Schule, damit wir rechtzeitig fertig werden. Kurz vor Weihnachten hatten wir unseren Tiefpunkt. Wir mussten uns durch so viele Akten kämpfen, es wurde alles immer unübersichtlicher. Da waren wir total überfordert. Aber dann haben wir es doch wieder hinbekommen.

Was machen Sie mit den 2000 Euro?

Pia : Gute Frage. Entweder wir unternehmen noch mal etwas gemeinsam oder wir teilen uns das Geld. Das wissen wir noch nicht so genau :o)

Schüler des Hans-Erlwein-Gymnasiums und des Romain-Rolland-Gymnasiums werden heute im Berliner Schloss Bellevue von Bundespräsident Christian Wulff ausgezeichnet. Die 16 Jugendlichen aus dem Erlwein-Gymnasium haben mit ihrer Forschungsarbeit über den Dresdner Juristenprozess von 1947 einen 1. Preis gewonnen. Ricarda Glöckler aus dem "RoRo" hat mit ihrer Arbeit über die Sprengung der Leipziger Universitätskirche einen 3. Preis errungen. Bundesweit nahmen 3600 Kinder und Jugendliche mit 1152 Beiträgen am Geschichtswettbewerb zum Thema "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte" teil.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.11.2011

Gespräch: Katrin Richter

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