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Lokales Sensorics Dresden entwickelt Handscanner für Speisen, Klamotten und Bier
Dresden Lokales Sensorics Dresden entwickelt Handscanner für Speisen, Klamotten und Bier
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15:45 12.04.2019
Senorics-Verkaufschef Robert Langer zeigt den Prototypen eines mobilen Universalscanners. Quelle: Heiko Weckbrodt
Dresden

Da dampft sie nun vor uns auf dem Tisch in einer Hinterhof-Garküche in Saigon – eine undefinierbare Suppe, die im Hinterkopf vor allem den Gedanken wachsen lässt: Was hat uns die Köchin da gerade mit routiniertem Schwung in die Essschale geschüttet? Was ist da wohl alles drin? Die Frage wird sich wohl schon mancher Vielreisende gestellt haben, um sich dann doch auf die „Surprise“ einzulassen. Für all jene jedoch, die Überraschungen nicht mögen, ist nun technologische Hilfe unterwegs: Die Dresdner Uni-Ausgründung „Senorics“ arbeitet an Hand-Scannern, die durch bloßes „Draufhalten“ erkennen, „was da drin ist.“

Das klingt nach Science Fiction, nach den wundersamen „Tricordern“ auf dem TV-Raumschiff „Enterprise“. Doch tatsächlich ist es bis zu diesen Alleserkennern gar nicht mehr so weit. „Unsere Geräte können zum Beispiel schon klar erkennen, ob ein T-Shirt, das ihnen ein Straßenhändler feilbietet, wirklich aus Baumwolle besteht, aus Nylon, Polyester oder anderen Textilien“, erklärt Senorics-Verkaufschef Robert Langer.

Scan auch von Bieren – oder Medikamenten

Später sollen weitere Fähigkeiten dazukommen: In Zukunft werden die mobilen Scanner zum Beispiel Diabetikern verraten, ob die ihnen aufgetafelten Köstlichkeiten vielleicht doch Zucker enthalten, Fitness-Fans erhalten dann die Nährstoffe in einer Speise aufgelistet. Hobby-Brauern könnte das Gerät helfen, ihre Biere zu analysieren. Auch hat die Technologie das Potenzial, beispielsweise beim Apotheken-Besuch in Urlaubsländern durch einen schnellen Scan zu überprüfen, welche Wirkstoffe da tatsächlich in den bunten Pillen auf dem Tresen stecken.

Dafür setzen die Senorics-Ingenieure eine an für sich altbekannte Analyse-Technik ein, die bisher aber für mobile Konsumelektronik viel zu teuer und zu schwer war: In Forschungsinstituten, an Riesenteleskopen und in großen Industrielaboren können große Spektroskopie-Anlagen beispielsweise herausbekommen, welche Elemente in fernen Sternen brodeln oder ob eine neue Produktionsmarge Fremdstoffe enthält.

Licht ist der Schlüssel zur Technologie

Wenn die Untersuchungsobjekte – wie eben Sonnen – nicht selbst leuchten, regen die Geräte sie zunächst dazu an und analysieren dann die Spektralfarben im zurückgestrahlten Licht. Und diese Technik haben die Dresdner nun so miniaturisiert, dass sie auch in mobile Geräte passt, womöglich später gar in Smartphones integriert werden kann.

Möglich macht das organische Elektronik, die Wissenschaftler um Professor Karl Leo am Institut für Angewandte Physik (IAP) der Technischen Universität Dresden (TUD) entwickelt haben. Entsprechend elektrisch angesteuert, strahlen die winzigen Leuchten zunächst Infrarotlicht auf T-Shirts, Speisen oder andere Objekte. Dadurch energetisch angeregt, beginnen die organischen Moleküle in den Objekten leicht zu schwingen. Sie senden daraufhin selbst Licht aus – das je nach konkreter Atomverbindung eine ganz eigene, besondere farbliche Zusammensetzung hat. Diese spezielle Lichtsignatur empfängt dann ein organischer Sensor. Der Scanner kann daraus die Inhaltsstoffe im Untersuchungsobjekt ableiten.

Vom Projekt zur Firma mit zwölf Mitarbeitern

Mitte 2017 war die Technologie soweit entwickelt, dass die Marschrichtung nun hieß: „Raus aus dem Labor, rein in die Anwendung im Alltag“, erzählt Robert Langer. Projektleiter Dr. Ronny Timmreck und seine Mitstreiter heuerten am IAP ab und gründeten ihre Firma „Senorics“.

Die hat inzwischen zwölf Mitarbeiter. Das Team ist nun dabei, aus Prototypen marktreife Scanner zu machen und dafür Kunden und Industriepartner zu suchen. „Wir haben hier eine Plattformtechnologie entwickelt, die für ganz viele Branchen interessant ist“, betont Verkaufschef Langer.

Von Heiko Weckbrodt

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