Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Seniorenhilfe – Gute Tat mit dem Rad
Dresden Lokales Seniorenhilfe – Gute Tat mit dem Rad
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:01 15.04.2018
Brigitte Reinhold packt die Lebensmittel aus, die ihr der ehrenamtliche Einkaufsradler nach Hause gebracht hat. Quelle: Tomas Gärtner
Anzeige
Dresden

 Paprika, Gurken, Butter, Wurst, Käse und Brötchen hat Brigitte Reinhold an diesem Vormittag in einer großen Tasche bekommen. Die 72-Jährige räumt die Lebensmittel in Küchenschränke und Kühlschrank. Gebracht hat ihr all das ein ehrenamtlicher Einkäufer. Für die Zeitung will er anonym bleiben. Für Brigitte Reinhold ist er zu einer wichtigen Vertrauensperson geworden. Einmal in der Woche kommt er zu ihr. Sie gibt ihm Einkaufszettel und Geld.

Rente reicht oft nicht für den Lieferservice

Zum Supermarkt fährt er auf einem Elektrofahrrad (E-Bike). Das ist rot, so wie auch die Autos der Ökumenischen Seniorenhilfe in Dresden-Blasewitz und Striesen, eines Vereins, der von drei konfessionell unterschiedlichen Kirchgemeinden getragen wird: einer evangelisch-lutherischen, einer römisch-katholischen und einer methodistischen.

Vorn hat das Gefährt einen geräumigen Kasten, in dem ein Wocheneinkauf Platz hat. „Rad und Tat“ steht in weißer Schrift darauf. So heißt das jüngste Pilotprojekt des Seniorenhilfe-Vereins.

Entstanden ist es, weil dessen Mitarbeiterinnen immer mehr allein lebende alte Menschen betreuen, die so gebrechlich sind, dass sie das Einkaufen nicht mehr schaffen. Zwar bieten manche Lebensmittelmärkte an, sich den Einkauf nach Hause liefern zu lassen. Zwischen vier und fünf Euro verlangen sie für den Service. „Unter denen, die wir versorgen, gibt es aber immer mehr Menschen, die so wenig Rente bekommen, dass sie das nicht bezahlen können“, berichtet Anka Velde, Leiterin der Ökumenischen Seniorenhilfe.

In dieser Lage ist auch Brigitte Reinhold. Sie lebt allein und kann sich nur noch mühsam mit Rollator fortbewegen. Einen ganzen Einkauf bringt sie in dem nicht unter. „Das schaffe ich nicht mehr“, sagt sie. „Und die Anlieferung durch die Lebensmittelmärkte kann ich mir nicht leisten.“

Pünktlichkeit ist den Senioren wichtig

Ihr gefällt, dass sie mit ihrem ehrenamtlichen Einkäufer auch mal ein paar Worte wechseln kann. Neulich hat er ihr was gebracht, was sie auf dem Zettel vergessen hatte. „Das ist mir eine große Hilfe“, sagt sie.

Was sie ebenfalls schätzt: „Er ist ganz verlässlich. Wenn wir eine Zeit ausgemacht haben, steht er zu der auch vor der Tür. Mit zunehmendem Alter hängt man an solchen festen Punkten.“

Das, sagt Anka Velde, ist auch für die anderen acht Senioren, die an zwei Tagen in der Woche ihre Einkäufe gebracht kriegen, ganz wichtig.

Anka Velde, Leiterin der Ökumenischen Seniorenhilfe, mit dem speziellen Elektro-Lastenfahrrad. Quelle: Tomas Gärtner

Sie würden sich sonst sofort unsicher und ängstlich fühlen. Älteren, so lange es geht, das Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, ist ein Hauptziel der Seniorenhilfe. Auch dann noch, wenn sie schlecht zu Fuß sind oder den Weg zurück nach Hause manchmal nicht mehr finden.

Dass alte Menschen auch allein so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben, daran ist auch den Kirchgemeinden gelegen. Denn es sind häufig ihre Mitglieder, zu denen sie die Verbindung nicht verlieren möchten. Beim Umzug in ein Seniorenheim außerhalb des Stadtteils könnte das passieren.

Hans-Peter Hasse, Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Blasewitz, unterstützt das Pilotprojekt daher. Er hält es für eine „geniale Idee“, die zeige, „dass es möglich ist, auch mit einfachen Mitteln – mit Muskelkraft und einem guten Fahrrad – Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft zu helfen.“ Er jedenfalls hofft auf ansteckende Wirkung:

Teil des Hilfe-Netzwerks im Stadtteil

„Das wird sich herumsprechen und unsere Gemeindeglieder anregen, selbst einmal auf das Fahrrad zu steigen und für einen Nachbarn einzukaufen oder eine andere Hilfe zu leisten.“ Außerdem suchen sie Sponsoren, die das Projekt langfristig sichern.

Ökumenische Seniorenhilfe Dresden

Gebiet: vor allem Stadtteile Dresden-Striesen und Blasewitz

Träger: evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Dresden-Blasewitz, römisch-katholische Pfarrei Mariä Himmelfahrt, evangelisch-methodistische Zionsgemeinde

neues Projekt: „Rad und Tat“; vorerst zwei Einkäufer, ein Elektro-Lastenfahrrad (E-Bike, Spezialanfertigung); zwei Tage in der Woche für insgesamt neun Senioren; weitere Ehrenamtliche werden gesucht, die zuverlässig und pünktlich sind und bei jedem Wetter Fahrrad fahren

Zentrum: Begegnungs- und Beratungszentrum, Wittenberger Str. 83; finanziert überwiegend von der Stadt; Angebote wie z. B. Seniorentanz, Kurse in Keramik, Floristik, Sportangebote, Sprachkurse, Singkreise, Spielnachmittage; Beratung in Fragen von Hilfe, Versorgung, Pflegeversicherung, Unterstützung von Angehörigen

Sozialstation: Mitarbeiter unterwegs in Wohnungen u.a. zu häuslicher Pflege, medizinischer Behandlungspflege oder hauswirtschaftlicher Versorgung

Tagespflege: Räume Dornblüthstr. / Ecke Augsburger Str.; fachgerechte Betreuung, durch Gemeinschaft wird Einsamkeit verhindert, Entlastung der Angehörigen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Tagesgäste gefördert

Betreutes Wohnen: Haus Pohlandstr. 35 in Striesen mit 17 Wohnungen (Ein- und Zweiraumwohnungen); Haus Rennplatzstr. 28 in Seidnitz mit 50 Wohnungen (Ein-, Zwei-, Dreiraumwohnungen)

Pfarrer Hasse gehört zu jenen, die Nächstenliebe und diakonische Fürsorge nicht nur an eine professionelle Institution delegieren möchten: „Der schwierigere Weg ist notwendig: Dass wir auch als Kirchgemeinde den Menschen in unserem Stadtteil nahe sind, die Hilfe brauchen.“

Für Anka Velde ist die Initiative Teil eines Hilfe-Netzwerkes im Stadtteil, das Bewohner, Kirchgemeinden und professionelle Diakonie enger miteinander verbindet. „Wenn der Besuchsdienst der Gemeinde feststellt, da ist jemand einsam, reicht ein Anruf bei uns. Meine Kollegen melden sich dann dort.“

Die Ökumenische Seniorenhilfe ist ausschließlich ambulant tätig, ohne Altenheim also. Die 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen die alten Menschen vor allem in ihren Wohnungen. Einige von ihnen werden in die Tagespflege gebracht, darunter Einsame, an Demenz Erkrankte. Daneben gibt es ein Begegnungs- und Beratungszentrum sowie zwei Häuser für betreutes Wohnen.

Auch für „Rad & Tat“ brauche es die Seniorenhilfe als professionellen Organisator, sagt Anka Velde. „In rein ehrenamtlicher Regie würde es womöglich schnell wieder einschlafen.“

Von Tomas Gärtner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Tunnel Waldschlößchen sind von Montag bis Sonnabend Wartungsarbeiten geplant. Fachleute überprüfen unter anderem die Brandmeldeanlage, die Notrufeinrichtungen und die Verkehrssteuerung. Aus diesem Grund kommt es zu wechselseitigen Sperrungen beider Tunnelröhren.

15.04.2018

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange hat die Wissenschaft in Dresden bei der Auftaktkundgebung für den „March for Science“ aufgefordert, selbst energischer dem Missbrauch von Forschungsergebnisse und „Fake News“ entgegenzutreten.

14.04.2018

9,5 Tonnen Müll und Schwemmgut sammelten die 1300 Freiwilligen entlang des etwa 30 Kilometer fassenden Gebiets zwischen Zschieren und Cotta auf beiden Seiten der Elbe ein. Dabei fand sich auch eine aufgebohrte Tresortür.

14.04.2018
Anzeige