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Lokales Semperopernball-Chef wollte Fest für weltoffenes Dresden mit Grönemeyer am Montag verhindern
Dresden Lokales Semperopernball-Chef wollte Fest für weltoffenes Dresden mit Grönemeyer am Montag verhindern
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17:26 09.09.2015
Tausende Menschen feierten am Montagabend ein weltoffenes Dresden. Quelle: Stephan Lohse

Aber ein Mann ärgerte sich schwarz über das bunte Dresden, torpedierte das Fest im Vorfeld nach Kräften: Semperopernball-Macher Hans Joachim Frey, beanspruchte die Woche vor dem Ball ganz für sich allein.

„Wir müssen (…) inständig bitten, diese Open-Air-Veranstaltung auf keinen Fall 4 Tage vor dem Ball durchzuführen“ schrieb Frey am 14. Januar in einem Fax an Prof. Gerhard Ehninger, der „Offen und Bunt – Dresden für alle“, zu dieser Zeit mit vielen Helfern vorbereitete. Und weiter: „Diese Woche gehört von Montag bis Freitag dem Semperopernball“, reklamierte Frey alle Aufmerksamkeit für sich. „Der denkt, l‘etat c‘est moi“, schmunzelt Ehninger heute.

Wie ernst es Frey ist, bemerkt Ehninger kurz darauf bei einer Besprechung mit dem kommissarischen Opern-Intendanten Wolfgang Rothe, der ihm die Veranstaltung auf dem Theaterplatz, wo sie ursprünglich geplant war, ausreden wollte. „Da war kein Kompromiss möglich“, erinnert sich der Mediziner. Angeblich müsse ein LKW zur Vorbereitung des Opernballs dreimal über den Platz fahren, habe es zur Begründung geheißen. Ganz im Sinne Freys, der geschrieben hatte: „Wir wären unglaublich betrübt, wenn ein solches Kulturereignis direkt vor dem anderen Kulturereignis der Stadt stattfinden würde.“

Herbert Grönemeyer war Stargast am Montagabend Quelle: Dominik Brüggemann
Ehninger disponierte schließlich um und wich auf den Neumarkt aus. Ein guter Teil der Planung und Vorbereitung war damit über den Haufen geworfen. Doch Frey ließ nicht locker, machte Druck an höchster Stelle, bat beim Büroleiter des Ministerpräsidenten um Unterstützung, doch der erkannte die politische Brisanz und ließ ihn abblitzen. Regierungssprecher Christian Hoose bestätigte DNN: „Prof. Frey bat Dr. Rohde um Unterstützung dabei, Prof. Ehninger davon zu überzeugen, dass die Konzertveranstaltung am 26.01.2015 zeitlich weiter vor oder nach den Semperopernball zu verschieben sei, da Prof. Frey eine zeitliche und organisatorische Konkurrenzsituation zum Ball sah. Dies hat Dr. Rohde kategorisch abgelehnt und ihm mitgeteilt, dass es für ein derartiges Ansinnen keine Unterstützung der Staatsregierung geben wird, da es sich um eine durch die Bürgerschaft organisierte Veranstaltung handelt, für deren Genehmigung die Versammlungsbehörde der Stadt Dresden zuständig sei.“

Kurz darauf erfolgte eine Intervention bei Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Ein Vorstandsmitglied des Semperopernball e.V. forderte in einem Telefonat die Absage des Festes. Oder wie Stadtsprecher Kai Schulz es ausdrückt: „Ja, es hat einen Anruf gegeben. In dem Gespräch wurden versammlungsrechtliche Fragen erörtert.“ Auch dieser Versuch scheiterte.

Hans-Joachim Frey, Vorsitzender des Vereins Semper Opernball e.V. (Archivbild) Quelle: Stephan Lohse
Frey bestätigt den Vorgang, interpretiert die Situation allerdings ein wenig anders. Der Semperopernballverein habe gefragt und gebeten, dass man die Veranstaltung ein, zwei Tage vorverlegen könnte, um technische Probleme bei den Vorbereitungen zum Semperopernball zu vermeiden. „Nachdem man uns gesagt hatte, dass dies nicht möglich wäre, hat man uns gebeten den Montag 26.1. zu unterstützen! Das haben wir getan!“, so Frey, „wir haben nie gefordert, die Veranstaltung abzusagen, denn wir standen von Anfang an hinter der Veranstaltung! Diskutiert wurde nur vorweg der Zeitpunkt!“ Man habe „buntes Dresden“ von Anfang an unterstützt, „total auf allen Kanälen“. Zu DNN-Informationen, wonach Frey auch beim MDR, Fernsehpartner seines Opernballs, interveniert haben soll, äußerte sich Frey nicht. Eine zunächst angedachte Kooperation zwischen Ehninger und MDR scheiterte jedenfalls wenige Tage vor dem Event.

Ehninger nennt Freys Aussagen Augenwischerei. Es sei wohl eine Eigenschaft von Ball-Veranstaltern, die Welt schön zu reden. Er habe Frey so erlebt: „Behindern und blockieren, wo immer möglich“, sagte er gegenüber DNN. Man habe von Beginn an klar gemacht, dass eine Terminverlegung so kurzfristig nicht mehr möglich war. Eine Verlegung hätte die Absage des Festes bedeutet. „Das war auch Herrn Frey bewusst“, so Ehninger.

Dirk Birgel

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