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Dresden Lokales Seit 25 Jahren für Arche Nova im Einsatz
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02:29 23.01.2018
Andrea Bindel und Sven Jörren von Arche Nova vor dem W50, mit dem sie schon vor 25 Jahren unterwegs waren.  Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Vor 25 Jahren war Andrea Bindel Studentin der Wasserwirtschaft in Dresden, die Wende war noch nicht allzu lange her und es herrschte eine gewisse „Aufbruchsstimmung“, erklärte das langjährige Mitglied der Arche Nova Hilfsorganisation. „Wir dachten ’Alles ist möglich!’ und fühlten uns kraftvoll“. Entschlossen, „etwas zum Guten zu verändern, andere Kulturen kennen zu lernen“ und ihre „Fachexpertise anzuwenden“, brach Bindel im Sommer 1993 gemeinsam mit ihrem Kollegen Sven Jörren im DDR-LKW W50 zu ihrem ersten Hilfseinsatz in Irak auf – und scheiterte an der türkischen Grenze.

Die beiden Deutschen, die man fälschlicherweise für PKK-Sympathisanten hielt, wurden von Grenzbeamten an der Weiterfahrt gehindert und waren gezwungen, schon auf der Hälfte der Strecke und weitab vom Ziel den Heimweg anzutreten. Das sei besonders frustrierend gewesen, da die Fahrt sehr viel Energie gekostet habe. Bindel habe eigens hierfür den LKW-Führerschein einen Tag vor Reiseantritt gemacht und zahlreiche Fahrzeugpannen auf dem Weg durch Europa durchgestanden. Die Enttäuschung des gescheiterten Abenteuers und ihr damaliger Arbeitgeber, der die Hilfseinsätze zu verhindern suchte, konnten sie jedoch nicht davon abhalten, sich kurze Zeit später erneut auf den Weg zu machen – diesmal nach Bosnien. Dort angekommen wurde die Referentin für Auslandsprogramme schnell von ihrem anfänglichen Enthusiasmus zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. „Zu erleben, dass auch hoch entwickelte Gesellschaften sich so gegeneinander aufhetzen lassen, war ein Schock“, gestand Bindel. Während dieses Einsatzes wurden die Helfer gelegentlich sogar mit Waffen beschossen.

Auch andere Rückschläge prägten das Arche-Nova-Mitglied während ihres 25-jährigen Engagements in der Initiative. In Pakistan half sie etwa dabei, ein Wassersystem durch eine Berglandschaft zu verlegen und erfuhr nach ihrer Rückkehr in Deutschland kurze Zeit später, dass der dazugehörige Wassertank von Rebellen zerstört wurde – "Das war sehr frustrierend“, erklärte Bindel. Sie habe jedoch aus den Erfahrungen gelernt, „Stategien zu entwickeln, um Gefahren zu minimieren" und ist überzeugt davon, dass sie „an den Herausforderungen gewachsen“ ist. Die zahlreichen erfolgreichen Projekte der Hilfsorganisation motivierten sie darüber hinaus umso mehr, auch in anderen Ländern wie dem Irak, Indien, Sri Lanka, Pakistan oder der Ukraine zu helfen. Die „Gastfreundlichkeit und Lebensweisen der Menschen“ haben sie sehr beeindruckt - "Außerdem entschädigt die Dankbarkeit der Leute für alles, was man durchmachen musste“, meint Bindel. „Wenn man sieht, dass Frauen nun einen Brunnen im Dorf haben, die vorher für Wasser kilometerweit laufen mussten, befriedigt das unheimlich“. Sie setzt sich vor allem für die sogenannte „WASH“-Expertise ein, bei der Bedürftige sauberes Wasser und Sanitäre Anlagen erhalten, wodurch sich die Hygiene deutlich verbessere.

Das Konzept von Arche Nova fußt zudem darauf, den Einheimischen „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu ermöglichen. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern würde man Wasserkommitees gründen und so zu nachhaltigen Strukturen verhelfen. „Wenn man die Menschen dort nicht aktiv mit einbezieht, entwickeln sie keine Verantwortung für das Projekt oder wissen nicht, wie man dieses erfolgreich fortführt“, sagt die Projektleiterin. „Nur durch eine interkulturelle Kupplung entsteht Erfolg“, ergänzt dazu der Vorstand, Stefan Mertenskötter. Die Hilfsorganisation feierte am 21. November ihr 25-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass versammelten sich die Mitglieder im Hygienemuseum und zelebrierten ihre 123 erfolgreichen Projekte, die tausenden Menschen den Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht haben. Wer für weitere Hilfseinsätze spenden möchte, kann sich an Anna-Luise Sonnenberg unter der Nummer 48 198 411 oder unter anna-luise.sonnenberg@arche-nova.org wenden.

Von Katharina Jakob

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