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Seit 25 Jahren ambulant in die Abstinenz

Dresdner Caritas-Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Seit 25 Jahren ambulant in die Abstinenz

Die Sucht kam schleichend. Immer häufiger griff Manfred G.* zur Flasche. Bis er sich 2013 schließlich Hilfe bei der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle des Caritasverbandes für Dresden e.V. holte. Vor 25 Jahren begann die Einrichtung mit einer ambulanten Rehabilitation bei Suchtproblematiken.

Peter Müller-Merkel, Leiter der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle (r.) , im Gespräch mit Manfred G.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Die Sucht kam schleichend. Immer häufiger griff Manfred G.* zur Flasche. Abends, wenn er am Computer saß, die Frau unterwegs, tätig im Außendienst. Der Bierkasten fand seinen festen Platz unterm Schreibtisch, die Kontrolle hatte Manfred G.* längst verloren. Bis er sich 2013 schließlich Hilfe holte. Bei der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle des Caritasverbandes für Dresden e.V. wurde er fündig. Vor 25 Jahren begann die Einrichtung mit einer ambulanten Rehabilitation bei Suchtproblematiken – als erste Behandlungsstelle in Dresden und ganz Sachsen.

Bis zur Therapie lagen schwierige Jahre hinter Manfred G. Bereits seit 1992 war der Alkohol sein ständiger Begleiter. Wahrhaben wollte er das aber nicht. „Man redet sich ein, dass alles nicht so schlimm ist. Aber in Wahrheit habe ich den Konsum nicht mehr beherrscht.“ Das bleibt auch seiner Frau nicht verborgen. Sie stellt ein Ultimatum. Und bringt damit endlich ein Umdenken in Gang. Wenn auch ein langwieriges. „Ich habe versucht, weniger zu trinken. An den Wochenenden habe ich ganz auf Alkohol verzichtet. Aber dann ging alles wieder von vorn los“, erzählt der Dresdner.

Sätze, die Peter Müller-Merkel oft gehört hat. Er leitet die Sucht- und Behandlungsstelle und begleitet die Abhängigen auf ihrem Weg in die Abstinenz. „Auf Alkohol zu verzichten, ist für die Betroffenen gravierend. Er ist ein guter Freund geworden, den man nicht verlieren möchte.“ Während der Entwöhnungsbehandlung, die in der Regel neun bis zwölf Monate dauert, werden mit den Teilnehmern der Therapiegruppen deshalb eigene Ressourcen und Fähigkeiten spürbar gemacht, Konfliktbearbeitungsstrategien und realisierbare Lebensperspektiven erarbeitet sowie eine aktive Lebensorientierung und rückfallvermeidende Strategien aufgebaut.

Das geschieht in erster Linie in wöchentlichen Gruppen- sowie in Einzelgesprächen. Jede Therapiegruppe wird von zwei Therapeuten geleitet, die eine spezielle suchttherapeutische Ausbildung absolviert haben. Bausteine der Behandlung sind zudem Theorie- und Intensivseminare, ein Körperwahrnehmungskurs und die Möglichkeit zu Paargesprächen. Medizinisch wird die Rehabilitation von zwei Ärzten begleitet. „Ziel ist es zu lernen, mit sich selbst zufrieden zu sein und sich angemessen um seine Bedürfnisse zu kümmern“, sagt Müller-Merkel.

Ein Konzept, das das Leben von Manfred G. verändert hat. Auch wenn es Mut erfordert hat, sich der Behandlung zu stellen. „Der Wille muss da sein, und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.“ Voraussetzungen, die er mitgebracht hat. Seit Therapiebeginn ist Manfred G. trocken. Offensiv sei er mit seiner Sucht umgegangen, auch im Freundeskreis. Dass es für ihn heute Brause satt Bier heißt, habe das Umfeld akzeptiert.

Spielt Alkohol in seinen Gedanken noch eine Rolle? „Ja, an jedem dritten Dienstag im Monat. Aber auch nur, weil sich dann die von mir gegründete Selbsthilfegruppe trifft.“ Im Supermarkt durch die Spirituosenabteilung zu gehen, sei kein Problem. Dafür bleibe er jetzt häufiger bei der Schokolade hängen. Und: „Es ist ein gutes Gefühl, ständig fahrbereit zu sein und sich nicht mit einem schlechten Gewissen hinters Lenkrad zu sitzen.“

Alkohol ist übrigens nicht das einzige Problem in der Beratungsstelle – wenngleich das mit Abstand häufigste. 648 Personen suchten im vergangenen Jahr die Unterstützung der Einrichtung, 389 von ihnen wegen einer Alkoholsucht. Zu den Klienten zählen aber auch Menschen mit einer Spielsucht (2016: 70) oder mit einem problematischen Mediengebrauch (15). Illegale Drogen sind nicht Teil des Behandlungsspektrums.

Suchtberatungs- und Behandlungsstelle des Caritasverbandes für Dresden e.V., Görlitzer Straße 18, Tel.: 804 38 04, Mail: kontakt@caritas-suchtberatung-dresden.de, Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie von 13.30 bis 16, Freitag zwischen 8 und 12 Uhr

*Name von der Redaktion geändert

Von Christin Grödel

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