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Schweres Gerät gegen kleine Stinker in Dresden-Pieschen

Ginko-Früchte Schweres Gerät gegen kleine Stinker in Dresden-Pieschen

Einen regelrechten Stinkbombenhagel hat die Hans-Sachs-Straße in Pieschen am Donnerstag erlebt. Mitarbeiter des Regiebetriebs Zentrale Technische Dienstleistungen sind dort den Ginkgobäumen zu Leibe gerückt. Genauer gesagt: ihren Früchten. Die sogenannten Silberaprikosen verbreiten einen stechenden Geruch.

Mitarbeiter der Stadt entfernen auf der Hans-Sachs-Straße in Pieschen die stinkenden Früchte der Ginkobäume.

Quelle: Uwe Hofmann

Dresden. Einen regelrechten Stinkbombenhagel hat die Hans-Sachs-Straße in Pieschen am Donnerstag erlebt. Mitarbeiter des Regiebetriebs Zentrale Technische Dienstleistungen sind dort den Ginkgobäumen zu Leibe gerückt. Genauer gesagt: ihren Früchten. Die sogenannten Silberaprikosen verbreiten einen stechenden Geruch, der an Buttersäure erinnert.

Seit dem frühen Morgen rückt den kleinen Stinkern ein mit einem eisernen Rechen bewaffneter Erntehelfer per Hebebühne auf die Pelle. Ein kurzes Rütteln mit dem Rechen und schon fallen die Ginkgofrüchte zu Boden. Dort platzen sie auf und verströmen ihren Duft – der Grund für die Aktion. Anwohner der Hans-Sachs-Straße, einer der wenigen Ginkgoalleen Sachsens, klagen allherbstlich darüber, weil sie die stinkende und klebrige Fruchtmasse morgens von ihren Autos klauben müssen und mit ihren Schuhen in ihre Wohnungen tragen. 2009 erregte die Aufregung über die unerwünschte Frucht in der sonst so ruhigen Nebenstraße durch Medienberichte bundesweit Aufsehen. Seither lässt die Stadt ernten.

Dabei lassen die Regiebetrieb-Mitarbeiter den Früchten kaum Zeit, ihre penetrante Wirkung zu entfalten. Kaum aufs Straßenpflaster gefallen, werden sie per Laubgebläse und Schaufel eingesammelt, wenig später abtransportiert und in der Omsewitzer Kompostierungsanlage fachgerecht entsorgt. So viel wie in vergangenen Jahren hat der spezielle Erntetrupp dabei nicht. Die Sturmtiefs Xavier und Herwart und auch das zurückliegende stürmische Wochenende haben viele der Früchte, die meist mit dem ersten Frost zu fallen beginnen, schon von den Ästen geholt. Beginn der Aktion war bereits am Montag, sie musste wegen des regnerischen Wetters jedoch pausieren.

In Fernost hätte es übrigens weder Beschwerden noch eine Sondererntekommando wegen der Früchte gegeben. Dort gelten ihre vom stinkenden Fruchtfleisch befreiten Kerne als Delikatesse, die man geröstet genießt. Ihnen wird zudem heilende Wirkung zum Beispiel bei Atembeschwerden zugeschrieben. Auch die Blätter werden für die medizinische Nutzung verarbeitet.

Auch in Deutschland genießt der Ginkgo einen ausgezeichneten Ruf. 2000 wurde er vom „Kuratorium Baum des Jahres“ zum Mahnmal für Frieden und zum Baum des Jahrtausends gekürt. Außerdem gilt das lebende Fossil wegen seiner Robustheit und Anspruchslosigkeit als gut geeignete für einen Standort an der Straße. Deswegen hat er wohl auch seinen Weg an die Hans-Sachs-Straße gefunden, wo die Alleebepflanzung auf die 1920er Jahre zurückgeht. Dabei hat man allerdings einen entscheidenden Fehler begangen: Weibliche Bäume, die bei Erreichen der Geschlechtsreife nach 20 bis 35 Jahren Früchte tragen, werden im Straßenraum eigentlich nicht gepflanzt.

Von Uwe Hofmann

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