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Schutzraum für Zugewanderte am Kraftwerk Mitte: Villa Wettin wird saniert

Bis 2021 Schutzraum für Zugewanderte am Kraftwerk Mitte: Villa Wettin wird saniert

Lange sah es düster aus für die Villa Wettin am Kraftwerk Mitte. Doch jetzt gibt es ein Förderprogramm, das Gebäude soll bis 2021 für rund 3,9 Millionen Euro saniert werden. Der Verein „Kolibri“ will dort einen Schutzraum für Zugewanderte und Ort für interkulturelle Begegnungen etablieren.

Wird bis 2021 saniert: die Villa am Kraftwerk Mitte.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Weiterer Meilenstein beim Umbau des Kraftwerks Mitte zu einer Kulturmeile: Die Villa Wettin im Eingangsbereich des Areals soll bis 2021 saniert werden. Die Gesamtkosten liegen nach ersten Schätzungen bei 3,9 Millionen Euro. Die Stadt hatte zunächst versucht, Mittel aus dem Förderprogramm Stadtumbau Ost zu erhalten. Doch der Freistaat stellte nur einen Bruchteil der beantragten Gelder in Aussicht. Dafür erhält die Stadt jetzt eine Projektförderung aus dem neuen Programm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“.

Die Stadt geht von einem Förderanteil 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten aus, das wären 2,59 Millionen Euro. Der städtische Eigenanteil würde rund 260 000 Euro betragen, die Differenz zu den Gesamtkosten müsste der Gebäudeeigentümer Dresdner Stadtwerke (Drewag) tragen.

Die Villa Wettin ist das älteste Gebäude auf dem Areal des Kraftwerks Mitte. Architekt war vermutlich der Semper-Schüler Theodor Friedrich (1829 bis 1891). Das Gebäude weist den Stil einer sparsamen Neorenaissance auf. Es wurde als Wohn- und Geschäftshaus mit Diensträumen im Erdgeschoss und Wohnungen in den beiden oberen Etagen genutzt.

Bei der Sanierung soll der Charakter des Gebäudes beibehalten werden. Während sich Dachstuhl und Dach in relativ gutem Zustand befinden, müssen die Fassaden umfangreich repariert und die Fester ausgetauscht werden. Besonders intensiv wird der Innenausbau, von Fußböden über Türen bis hin zu den Treppen muss alles erneuert werden. Auch Heizungsanlage und Haustechnik müssen auf den neuesten Stand gebracht werden. Darüber hinaus ist der Einbau von Aufzügen vorgesehen.

Nach Sanierung und Umbau wird das Kinder- und Elternzentrum „Kolibri“ das Gebäude als „Villa Kulturwerk“ betreiben. Der Verein will ein Zentrum für den Austausch und die Begegnung von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft schaffen, in dem kulturelle Vielfalt gelebt und begreifbar gemacht wird, heißt es im Nutzungskonzept. „Wir erachten es als wichtig, einen Ort zu schaffen, der als Schutzraum für Zugewanderte fungiert und an dem die Förderung der Herkunftssprache eine Brücke zur Integration und interkulturellen Öffnung steht“, heißt es wörtlich.

Interkulturelle musikalische Angebote, Tanz- und Theaterkurse, Kunstangebote und offene Eltern-Kind-Gruppen, aber auch Freizeitangebote, Sport- und Bewegungskurse sowie interkulturelle Feste, Konzerte und Familienveranstaltungen seien Teil der geplanten Aktivitäten. Der Verein wolle mit Seminaren und Beratungsangeboten Eltern über die mehrsprachige Erziehung ihrer Kinder aufklären, einen Dialog mit verschiedenen Bildungsreinrichtungen zur Förderung von Mehrsprachigkeit initiieren und mit Bildungsangeboten für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zur Herausbildung einer „ausbalancierten Mehrsprachigkeit“ beitragen.

Das Kinder- und Elternzentrum „Kolibri“ wurde im Mai 2009 gegründet und hat sich zu einem Anlaufpunkt verschiedener Migranten in Dresden entwickelt. Im Moment befindet sich der Verein in den Räumen eines Bürogebäudes auf der Ritzenbergstraße am Bahnhof Mitte. 2016 zählte der Verein rund 500 Teilnehmer in an seinen einzelnen Angeboten und 4000 Besucher bei öffentlichen Veranstaltungen.

Ursprünglich sollte in der Villa eine Kindertagesstätte einziehen. Doch diese Pläne scheiterten an den zu kleinen Außenanlagen.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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