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Lokales Schulden: Oft ist es schon zu spät
Dresden Lokales Schulden: Oft ist es schon zu spät
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16:30 18.07.2018
Symbolfoto Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Noch eine schnelle Online-Bestellung hier, ein Ratenkauf da – unwirtschaftliche Haushaltsführung ist einer der großen Gründe für zunehmende Verschuldung. Doch auch notwendige Anschaffungen, wie ein Kühlschrank, eine Waschmaschine oder schlicht das Bezahlen der Miete können Gründe für rote Zahlen auf dem Konto sein. In Dresden liegt der Schuldneranteil derzeit bei rund 9,39 Prozent. 2016 waren es noch 9,43 Prozent. Damit ist die Zahl im Stadtgebiet nur minimal gesunken, nachdem sie in den Jahren zuvor einen stetigen Anstieg verzeichnete. Deutschlandweit sind etwa 10 Prozent, also rund 6,9 Millionen Menschen überschuldet. Die Zahlen stammen aus dem Schuldneratlas 2017 der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche zur Schuldnerberatung im Juni ist die Diakonie Sachsen zu dem Schluss gekommen, dass soziale Schuldnerberatung bedarfsgerecht ausgebaut werden muss. Das geht aus einer Pressemitteilung der Diakonie hervor. Darin heißt es auch, dass die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden müssen: „Unser Bericht aus den diakonischen Schuldnerberatungsstellen dokumentiert Jahr um Jahr, dass die Wartezeiten für eine Beratung viel zu lange sind, weil die Kapazitäten bei weitem nicht ausreichen“, sagt Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen.

Keine langen Wartezeiten

Das sehen die Dresdner Beratungsstellen anders. Hier sind der Caritasverband, die Gemeinnützige Gesellschaft Striesen-Pentacon e. V. und die AWO Sonnenstein gemeinnützige GmbH Schuldnerberatung Prohlis Anlaufstellen für Menschen in finanzieller Not. „Die Versorgung in Dresden ist gut, es bestehen keine längeren Wartezeiten“, sagt Gerlinde Köhmstedt, Leiterin des Caritas-Beratungszentrums. Auch Annett Gaumnitz vom Pentacon e.V. ist der Meinung, dass der aktuelle Bedarf an Schuldenberatungen derzeit „relativ gut“ gedeckt werden kann. Dort betragen die Wartezeiten derzeit zwischen zwei und vier Wochen. Für Notfälle stehen die Berater allerdings dienstags von 8 bis 18 Uhr zur Verfügung.

In anderen Punkten stimmen die Dresdner Schuldnerberatungen aber mit der Diakonie Sachsen überein: Die Regelsätze von Hartz IV reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Arbeitslosigkeit ist ein Grund, warum sich immer mehr Menschen verschulden. „Insbesondere Energiekosten und Kosten für Anschaffungen wie Waschmaschine oder Kühlschrank sind nicht ausreichend berücksichtigt“, sagt Köhmstedt. Das gelte auch für die Miete. Laut Köhmstedt werden diese vom Jobcenter nicht angemessen bewertet. „In einigen Fällen zahlen dann die Hilfeempfänger aus dem Regelsatz – der eigentlich den Lebensunterhalt sichern soll – Kosten für die Wohnung“, erzählt die Leiterin. Sparen sei kaum möglich. „Aus diesem Grund wäre es wichtig, wenn die Sozialleistungsempfänger die Möglichkeit hätten, Sonderbedarfe beim Jobcenter beantragen zu können“, sagt sie.

Oft sind Ersparnisse schon aufgebraucht

Doch wann überwinden sich Dresdner Verschuldete, eine Beratung aufzusuchen? Häufig, wenn es bereits zu spät ist, sagt Gaumnitz. Bedeutet konkret: wenn die Existenz bedroht ist der Zwangsvollstreckungen ein Thema sind. Oft seien die Ratssuchenden bemüht, ihre Probleme selbst in den Griff zu bekommen, weiß Köhmstedt. „Sie kommen häufig dann, wenn die Verschuldungssituation schon länger andauert und die Ersparnisse aufgebraucht sind“, sagt sie. Meistens reichen die anberaumten fünf Stunden, welche die Stadt für eine Kurzberatung gewährt, aus, um Perspektiven zu entwickeln. Manchmal sei aber auch eine jahrelange Betreuung notwendig. Der Striesener Pentacon e.V. beobachte eher eine Tendenz in Richtung längerfristige Betreuungen, weil die Probleme der Klienten komplexer werden.

Die Stadt Dresden investierte im vergangenen Jahr rund 608 000 Euro in die soziale Schuldnerberatung. Zum Vergleich: 2014 waren es rund 565 000 Euro. Die Ausgaben wurden erhöht, weil „soziale Schuldnerberatung unverzichtbar“ ist, sagt Dominic Heyn, persönlicher Referent der Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann. Kommt ein Schuldner zur Beratung, prüfen die Mitarbeiter zunächst die Schuldensituation. Anschließend wird der Schuldner dahingehend beraten, seine Finanzen selbst zu regeln. Unterstützung beim Anlegen von Konten sowie bei der Regulierung der Schulden gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet der Schuldnerberatung. Um auf das Thema aufmerksam zu machen und Betroffene zu motivieren, die Angebote zu nutzen, plant die Stadt im Dezember eine große Plakatkampagne.

Schuldnerberatungen in Dresden

Caritasverband für Dresden e.V. Schweriner Straße 27; Tel.: 498 47 15; E-Mail: schuldnerberatung@caritas-dresden.de; täglich nach Vereinbarung, Dienstag 9-12 und 15-18 Uhr, Donnerstag 10-12 Uhr

Gemeinnützige Gesellschaft Striesen-Pentacon e.V. Schandauer Straße 16; Tel.: 3­12 24, -14, -21, -22, -25; E-Mail; schuldnerberatung@striesen-pentacon.de; Termine täglich nach Vereinbarung, Öffnungszeiten Dienstag 8-18 Uhr

AWO Sonnenstein Leipziger Straße 97; Tel.: 858 81 18, E-Mail: sb.pieschen@awo-sonnenstein.de, Montag 9-12 und 13-15 Uhr; Mit Termin: Dienstag 9-12 und 13-18 Uhr, Donnerstag 9-12 und 13-17 Uhr, ohne Terminvereinbarung: Donnerstag 13-17 Uhr Kesselsdorfer Straße 106; Tel.: 500 83737; E-Mail: sb.gorbitz@awo-sonnenstein.de; Mit Termin: Montag 9-12 und 13-15 Uhr, Dienstag 9-12 und 13-17 Uhr, Donnerstag 9-12 und 13-17 Uhr, ohne Terminvereinbarung: Donnerstag 13-17 Uhr Herzberger Straße 24/26; Tel.: 272 90 84; E-Mail: sb.prohlis@awo-sonnenstein.de; Mit Termin: Montag 9-12 und 13-15 Uhr, Dienstag 9-12 und 13-18 Uhr, Donnerstag 9-12 und 13-17 Uhr, ohne Terminvereinbarung: Donnerstag 13-17 Uhr

www.dresden.de/schuldnerberatung

Von Lisa-Marie Leuteritz

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