Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Schüler nehmen Campus in Tolkewitz in Besitz
Dresden Lokales Schüler nehmen Campus in Tolkewitz in Besitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:30 27.02.2018
Die Schüler nehmen seit Montag das Schulgebäude in Besitz, dass mit seiner lichtdurchfluteten Anlage einen freundlichen Eindruck macht.  Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

 Schüler und Lehrer haben am Montag den Schulkomplex an der Wehlener Straße in Tolkewitz in Besitz genommen. Aus Sicht von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) ist mit dem Bau in extrem kurzer Zeit eine geradezu „heldenhafte“ Leistung vollbracht worden.

Kinder haben viel Spaß

Einen fröhlichen Eindruck machen an diesem Tag auch Lena und Lea. Die beiden Elfjährigen sitzen in den 5.3 in der ersten Reihe. „Alles ist so modern, es gibt viele Farben und viele Räume“, freuen sich die beiden. Irgendwann werde es sogar lebende Tiere an der Schule geben, Schlangen und Echsen. Lena will Tierärztin werden und Lea hat auch einen ganz klaren Berufs-Plan: „Pilotin oder Fluggerätemechanikerin.“ Beide werde die neue Schule auf jeden Fall „viel Spaß“ machen, sind sie sicher.

„Ich bin einfach glücklich“, erzählt Ulrike Böhm, die Leiterin des Gymnasiums. Sie baut ohnehin eine neugegründete Schule auf und konnte nun auch bei der Gestaltung des Gebäudes ihre Vorstellungen von der Unterrichtsgestaltung mit einfließen lassen. Sie hat den Schülern die „Schirmherrschaft“ über die Schule übergeben. „Behandelt sie pfleglich, ihr werdet immer die Ältesten sein, ihr seid die Vorbilder“, gab sie den Fünftklässlern am Morgen an der neuen Schule mit auf den Weg.

Leichter Kostenanstieg

Um diesen Empfang zu ermöglichen, war hinter den Kulissen zuvor gewaltiges geleistet worden. Die Stadttochter Stesad als Bauherr begann im September 2016 mit dem Bau. Innerhalb von kaum 18 Monaten wurde das Gelände des früheren Tolkewitzer Straßenbahnhofs in einen „unterrichtsfähigen Gebäudekomplex“ verwandelt. Noch ist einiges zu tun. An der Fassade stehen Gerüste, Gipskartonplatten verkleiden hier und da die Treppengeländer, der Übergang zu den Sporthallen über die Kipsdorfer Straße ist noch eine Baustelle.

Die auf Hochtouren laufende Baukonjunktur und Probleme mit dem Fassadenbauer führen zu einem leichten Anstieg der Gesamtkosten. 65 Millionen (mit Ausstattung 66,7 Millionen Euro) waren kalkuliert. Der Bildungsbürgermeister geht davon aus, dass bis zu drei Millionen Euro noch dazukommen könnten. Weil ein solches Projekt in vielen Bereichen ein Unikat ist, kann das durchaus als Punktlandung betrachtet werden.

Extremer Zeitdruck

Besonders hoch war vor allem der Zeitdruck. Neben dem Gymnasium Tolkewitz zieht die 32. Oberschule in das Gebäude und macht damit den Ausweichstandort Berthelsdorfer Weg für die nächste Schule frei, die saniert werden soll. Auch das Gymnasium Dreikönigschule wird am Dienstag in Tolkewitz mit knapp 700 Schülern einziehen, damit dessen Gebäude in der Neustadt weiter saniert werden kann. Auf dem Campus lernen damit zunächst etwa 1250 Mädchen und Jungen.

Das Gymnasium Tolkewitz ist zunächst nur mit fünf fünften Klassen vertreten, wird also jährlich deutlich wachsen. Bei großer Nachfrage könnten einmal sechs Klassen pro Jahrgang nötig sein. Der Campus wird letztlich bis zu 1800 Schüler beheimaten. Das ist derzeit der größte Schulkomplex in Dresden, in einigen Jahren könnte der Campus Pieschen die Tolkewitzer übertreffen.

Millionen-Aufwand für Verkehrsanbindung

So muss auch bei den Verkehrsbetrieben ein Rad ins andere greifen. Mit Millionenaufwand wurde die Wehlener Straße bereits ausgebaut, an der Schlömilchstraße ist noch eine Gleisschleife in Planung. Anfang Juni sollen dafür die Bauarbeiten beginnen, erklärte DVB-Sprecher Falk Lösch gegenüber DNN. Weil bei der Sanierung der Wehlener Straße schon zwei Weichen verlegt wurden, sind für die Arbeiten an der 483 Meter langen Gleisschleife „keine großen Sperrungen“ mehr nötig. Wahrscheinlich ist davon nur ein Wochenende betroffen, wenn die Fahrleitungen eingerichtet werden. Für die Gymnasiasten der Dreikönigschule setzen die DVB zusätzliche Bahnen von der Neustadt zum Campus ein (bis Sachsenplatz als 13, dann weiter als 6). Je nach Nachfrage ist dies später auch für die Linien 4 und 6 denkbar.

Kinder bedanken sich mit Ständchen

DVB-Vorstand Lars Seiffert freut sich, dass die Schüler dem früheren Bahnhofsgelände wieder Leben einhauchen. Eine gut ausgebaute Straßenbahn sei natürlich hilfreich, um ruckelfrei am Morgen noch die letzten Hausaufgaben zu erledigen. „Oder einen Spickzettel zu schreiben“, meint er. Die Kinder, die gerade mit einem alten Tatra-Zug an der neuen Schule angekommen sind, bedanken sich mit einem Ständchen. „Wir fahren Straßenbahn, weil ein Flugzeug hier nicht landen kann“, heißt es darin. Die kleine Lea findet das sicher ganz besonders schade.

Von Ingolf Pleil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wo darf ich ab nächstem Schuljahr weiterlernen? Diese Frage entscheidet sich für die jetzigen Viertklässler in den nächsten Tagen mit der Bildungsempfehlung.

26.02.2018

Die Telecom und die Stadt Dresden arbeiten zusammen, um Dresden zur 5G-Modellregion im Energiesektor zu machen. Damit soll eine nachhaltige Energienutzung vorangetrieben werden.

26.02.2018

Der Begriff der Traumatisierung ist in der Gesellschaft angekommen. Dies nimmt sich das Ehepaar Münkler zum Anlass, um Kriege als Traumatisierungsereignisse zu deuten und zu zeigen, wie sich die Opferrolle der Deutschen verändert hat.

26.02.2018