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Schon im Krieg experimentierten Dresdner Technologen mit Furnier-Leichtbau

Leicht wie Holz Schon im Krieg experimentierten Dresdner Technologen mit Furnier-Leichtbau

Die Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH) setzten während des Weltkrieges eine Vorstufe dieser Technologie ein, um die Nazi-Flugbombe V1 leichter zu machen, und nach dem Krieg, um besonders elegante Stühle zu bauen.

Dresden.   Die Studenten der Dresdner Unternehmung „Jungholz“ sind nicht die ersten, die freigeformte Leichtbau-Werkstücke aus zahlreichen Lagen von Furnierhölzern herstellen: Die Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH) setzten während des Weltkrieges eine Vorstufe dieser Technologie ein, um die Nazi-Flugbombe V1 leichter zu machen, und nach dem Krieg, um besonders elegante Stühle zu bauen. Darauf hat der Chemiker Michael Thieme hingewiesen, dessen Vater Hans Thieme an den damaligen Entwicklungen beteiligt war. Allerdings konnten die DWH-Holzexperten damals nur Furnierholz-Leichtbauteile in zwei Dimensionen frei formen und nicht wie heute in drei Dimensionen: Das Know-how und die Computeroptimierung, die in den jüngsten „Jungholz“-Formteilen stecken, fehlten damals noch.

„Mein Vater hatte ursprünglich Tischler gelernt“, erzählt Michael Thieme. Nach einer Kriegsverletzung verlor der Vater einen Arm, schulte zum Möbeltechniker um und heuerte in den DWH in Dresden an. „Die Idee war schon damals, Holz als Leichtbau-Werkstoff einzusetzen.“ Darauf hätten auch die nationalsozialistischen Rüstungspolitiker gedrängt. Sie wollten von den Hellerauern unter anderem leichte Bauteile für Flugzeuge und für den Lastraum der V1 haben. Die DWH und auch der einarmige Technologe Hans Thieme arbeiteten daran einige Zeit in einer Außenstelle in Olbernhau. Dabei experimentierten sie unter anderem damit, abgestuft eingekürzte Furnierhölzer so übereinanderzulegen und unter Druck und Hitze zu verleimen, dass dadurch geschwungene Bauteile und Rohre zustande kamen. Mit klassischem Vollholz-Zuschnitt wären Teile in dieser Form, Leichtigkeit und Stabilität nicht produzierbar gewesen.

Diese Vorläufer heutiger Verbundwerkstoff-Technologien verwendeten die DWH nach dem Krieg auch wieder, um zum Beispiel den „Menzel-Stuhl“ herzustellen: ein schwungvolles Sitzmöbel, dessen Lehne, Sitz und Vorderbeine aus einem Furnierholz-Stapel mit variierender Dicke gefertigt war. „Der Stuhl wurde allerdings nur in kleineren Serien produziert“, sagt Michael Thieme.

Aufgenommen haben dieses Konzept in jüngster Zeit Dresdner Leichtbau-Studenten. Sie haben die Technologie mit digitaler Unterstützung allerdings so weiterentwickelt, dass sie aus Furnieren nun frei modellierbare und hochbelastbare 3D-Bauteile erzeugen können.

Von Heiko Weckbrodt

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