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Lokales Schock zum Ausbildungsbeginn: Dresdner IT-Lehrlinge werden ins Vogtland geschickt
Dresden Lokales Schock zum Ausbildungsbeginn: Dresdner IT-Lehrlinge werden ins Vogtland geschickt
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14:59 11.08.2018
Elf angehende Lehrling sollen statt in Dresden im Vogtland in die Berufsschule gehen. Die wurde mit nur zwei Werktagen Vorlauf bekannt. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Dresden

Kurz vor der Angst: Am Donnerstag erließ das Kultusministerium eine neue Regelung, in der festgelegt wird, dass Dresdner Berufsschüler in den kaufmännischen IT-Berufen ihre Ausbildung nicht wie geplant am Beruflichen Schulzentrum für Elektrotechnik (BSZ) in Dresden, sondern im vogtländischen Rodewisch absolvieren müssen. Die betroffenen Schüler und Betriebe sind bis heute ahnungslos. Die angehenden Berufsschüler werden am Montag vor verschlossenen Türen stehen.

Ein Beispiel von vielen: Die ergoDATA GmbH

Nur mit viel Mühe und Hilfe durch das Arbeitsamt hatte die „ergoDATA GmbH“ laut Geschäftsführer Torsten Schlegel einen Lehrling im Bereich „IT Systemkaufmann/in“ gefunden und diesen bereits am 17. Mai in der Berufsschule in Dresden angemeldet. Eine Eingangsbestätigung des Antrages für den Lehrling Tim H. erhielt das Unternehmen nur einen Tag später, ebenso wie das Datum der Auftaktveranstaltung, den Unterrichtsturnus sowie die Klassenzugehörigkeit des Lehrlings.

Bis zu diesem Zeitpunkt schien dem Ausbildungsantritt von Tim H. nichts im Wege zu stehen. Der junge Mann hatte für seine Ausbildung seinen Wohnsitz von Lauchhammer, im Oberspreewald-Lausitz, nach Dresden verlagert. Ausbilder Schlegel hatte ihn zudem bereits eine ABO-Karte für Dresden besorgt.

Danach warteten Betrieb und Lehrling nur noch auf den, für die Sommerferien zugesicherten Unterrichtsplan. „Da wir leider keinen erhielten, erkundigten wir uns unsererseits mehrfach“, erzählt Schlegel gegenüber den DNN.

Auf wiederholte Nachfragen wurde Geschäftsführer Schlegel am 8. August vom Direktor des BSZ Dresden, Bernd Petschke, angerufen: „Er sagte mir, dass er immer noch keinen Bescheid vom Kultusministerium erhalten hat und verwies mich an den dortigen Abteilungsleiter für die Berufsausbildung.“

Nach einem weiteren Telefonmarathon wurde Schlegel an die zuständige Sachbearbeiterin verwiesen, die ihn am Donnerstag dieser Woche mitteilte, dass die berufstheoretische Ausbildung nicht wie vorgesehen in der BSZ für Elektrotechnik in Dresden stattfinden soll, sondern im BSZ Reichenbach, Außenstelle Rodewisch. „Ich war total perplex. So etwas habe ich noch nie erlebt“, berichtet Schlegel gegenüber den DNN.

„Eine solche Regelung kurz vor dem Ausbildungsbeginn ist einfach nur ausbildungsfeindlich“

Weitere Informationen, warum die Verlegung genau die Berufsschüler der kaufmännischen IT-Berufe betrifft und wann die betroffenen Lehrlinge aus Dresden und ihre Betriebe informiert werden, gab es keine. Für Montag haben die Schüler eine Einladung zur Auftaktveranstaltung um 12.30 Uhr im BSZ Dresden erhalten – sie werden alle vor der falschen Berufsschule stehen.

Geschäftsführer Schlegel möchte sich noch gar nicht ausmalen, was jetzt auf die Berufsschüler zukommt: „Diese Änderung kurz vor dem Ausbildungsbeginn ist kostenintensiv, unattraktiv und beeinflusst die Vertragsgestaltung zwischen den Betrieben und den Lehrlingen.“ Rund drei Stunden werden die Berufsschüler von Dresden nach Rodewisch mit der Bahn unterwegs sein. Für die Unterkunftskosten müssen sie selbst aufkommen. „Eine solche Regelung kurz vor dem Ausbildungsbeginn ist einfach nur ausbildungsfeindlich“, berichtet Schlegel. „Hätte ich bei dem fehlenden Stundenplan nicht so hartnäckig nachgehakt, hätten wir bis heute keine Informationen.“

Auch die Verantwortlichen der Industrie- und Handelskammer (IHK) hatten erst am Donnerstag vom Kultusministerium erfahren, dass die erforderliche Klassenstärke für den IT Systemkaufmann in Dresden nicht erreicht wurde. „Unabhängig vom konkreten Beruf werden in solchen Fällen sog. Fachklassen auf Sachsenebene gebildet, wobei die Berufsschulstandorte je nach Beruf variieren können. Für den IT Systemkaufmann ist es wie gesagt Rodewisch“, erklärt der Pressesprecher der IHK, Lars Fiehler, gegenüber den DNN. Insgesamt soll es sich um 11 junge Leute aus Dresden handeln die nun einem ungewissen Ausbildungsbeginn entgegensehen.

Die Mindestklassenstärke beträgt laut sächsischem Schulgesetz allerdings 16 Azubis für den Kammerbezirk Dresden. „Alles in allem keine schöne Situation für Betriebe und Azubis“, berichtet Fiehler, „Aufgrund der Entfernung und nicht eben zentralen Lage von Rodewisch ist davon auszugehen, dass nur ein Teil der besagten 11 Leute in den sauren Apfel beißen und den Weg ins Vogtland auf sich nehmen wird.“ Andere Lehrlinge werden, so vermutet Fiehler, in Abstimmung mit ihren Ausbildungsbetrieben versuchen, noch kurzfristig den Wechsel in einen anderen, artverwandten Beruf vorzunehmen, um doch in Dresden die Berufsschule besuchen zu können.

Kultusministerium: Schülerzahlen stark rückläufig

Auf Anfrage teilte das Kultusministerium gegenüber den DNN am Freitag mit, dass für die Erteilung des Berufsschulunterrichts in den kaufmännischen IT-Berufen bisher zwei Landesklassenstandorte in Sachsen vorgesehen waren, das BSZ Reichenbach mit dem Schulteil Rodewisch und das BSZ für Elektrotechnik Dresden. Bis zum vergangen Ausbildungsjahr 2017/2018 konnte eine gemeinsame Beschulung im ersten Ausbildungsjahr realisiert werden, durch die stark rückläufigen Schülerzahlen habe sich die Situation gegenwärtig jedoch geändert. In einer Fachklassenliste mit dem Bearbeitungsstand vom 18. Juni 2018 verweist das Ministerium bei der Standortvergabe zudem auf die Klausel „In Abhängigkeit von der Anzahl der Auszubildenden“. Schlegel berichtet indessen gegenüber den DNN, dass die Ausbilder und die Lehrlinge die Fachklassenliste zuvor nie zu Gesicht bekommen hatten.

Im Zuge der zu geringen Schüleranzahl wurde nunmehr erst am Donnerstag eine Umlenkung der Auszubildenden vom Standort Dresden zum Schulteil Rodewisch publik. Eine frühere Bekanntgabe sei laut des Ministeriums nicht möglich gewesen, da die Anmeldungen der Ausbildungsbetriebe abgewartet werden mussten.

Für Schlegel ist diese Vorgehensweise des Kultusministeriums, sowie die dazu stattgefundene Kommunikation als arrogant und gegenüber den ausbildenden Betrieben und den betroffenen Lehrlingen als ignorant und nicht zumutbar einzustufen. Da hilft es im Endeffekt auch nicht, dass das Kultusministerium Unterkunftsmöglichkeiten für die auswärtige Betreuung bietet und diese auf Antrag finanziell unterstützt. Denn das Lehrjahr der elf betroffenen Lehrlinge beginnt bereits am Montag.

Kommentar: Bequem, aber arrogant

Für elf junge Menschen beginnt am Montag ein neuer spannender Lebensabschnitt. Sie haben für ihre Ausbildung in einem kaufmännischen IT-Beruf ihren Lebensmittelpunkt nach Dresden verlegt und stehen nun am Montag vor verschlossenen Türen am lokalen Beruflichen Schulzentrum (BSZ).

Formal hat die Kultusverwaltung die eigenen Regeln umgesetzt. Fingerspitzengefühl hat sie nicht bewiesen. Elf jungen Menschen drei Tage (!) vor ihrem Ausbildungsbeginn mitzuteilen, dass sie wegen fünf unbesetzter Schülerstellen den theoretischen Teil ihrer Ausbildung im Vogtland (!) absolvieren müssen, ist schlicht eine Frechheit. Wenn es dabei bleibt müssen sie drei Stunden im Zug zum BSZ fahren und vor Ort noch die Übernachtung während des Blockunterrichtes finanziell stemmen.

Im Endeffekt offenbart der Vorfall eine erschreckende Arroganz des Kultusministeriums gegenüber den Einzelschicksalen. In diesem Fall liegt eindeutig ein Härtefall vor, bei dem man ruhig mal ein Auge zudrücken sollte.

Von Maraike Mirau

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