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Lokales Schluss mit Autos: Startschuss für Umbau an der „Kesselsdorfer“
Dresden Lokales Schluss mit Autos: Startschuss für Umbau an der „Kesselsdorfer“
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10:28 21.06.2018
Vororttermin auf der Kesselsdorfer Straße: Amtsleiter Reinhard Koettnitz (l.) zeigt die Situation jetzt, Bürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain die neue Gestaltung. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Pleiten, Pech und Pannen – so richtig rund lief es beim Stadtbahn-2020-Projekt von Löbtau nach Strehlen bislang nicht. Irgendwo klemmte in den vergangenen Monaten immer die Säge. Irgendwann, so sagt es jetzt Andreas Hemmersbach, Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), müsse man aber auch mal anfangen. „Das machen wir jetzt hier“, er­klärte der DVB-Chef Mittwochvormittag beim offiziellen Startschuss für den Um­bau der Zentralhaltestelle an der Kesselsdorfer Straße. Sogar von einem „Meilenstein in unserem Projekt Stadtbahn 2020“ spricht der Dresdner Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).

Seit Jahren basteln Stadt und Verkehrsbetriebe an den Planungen für die neue Straßenbahnverbindung von Löbtau nach Strehlen. In vier großen Einzelabschnitten wollen Rat­haus und DVB das ambitionierte Vorhaben in die Tat umsetzen. Die neue Zentralhaltestelle „Tharandter Straße“ an der Spitze der Kesselsdorfer Straße in Löbtau ist einer davon. In den vergangenen Monaten waren 13 verschiedene Planungsvarianten diskutiert worden. Bis Ende 2019 wollen Stadt und Verkehrsbetriebe nun den Bereich der Kesselsdorfer Straße zwischen der Tharandter Straße und der Gröbelstraße komplett als Boulevard neu gestalten lassen – und die Autos von dort verbannen.

Seit Montag laufen die Bauarbeiten. Zunächst werden die Bauleute aber nicht direkt auf der Kesselsdorfer Straße anpacken, sondern erst einmal die in dem Verkehrsknotenpunkt nahe der Weißeritz mit einmündenden Straßen – die Tharandter und die Freiberger – umbauen und diese an die neue Verkehrsführung von Autos, Bus und Bahn anpassen, erklärt der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, Reinhard Koett­nitz. Bei der Gelegenheit werden auch Leitungen für Strom, Gas, Wasser und andere Kabel und Rohre neu verlegt. Zeitgleich ist die Gröbelstraße an der Reihe. Der Kreuzungsbereich mit der Kesselsdorfer Straße wird umgebaut, der Ab­schnitt Richtung Wernerstraße erneuert.

Größere Einschränkungen für Autofahrer wird es dabei nicht geben. Der Verkehr rollt zunächst weiter über die Kesselsdorfer Straße. Ab Januar ist dann al­lerdings Schluss damit – wenn die Umgestaltung direkt im Haltestellenbereich auf der Kesselsdorfer Straße beginnt. Links und rechts der Gleise entstehen breite Fußgängerzonen und Radwege, die Haltestellenbereiche werden ähnlich wie am Postplatz überdacht. „Die Gewerbetreibenden werden davon profitieren“, ist Andreas Hemmersbach überzeugt. Auf insgesamt mehr Aufenthaltsqualität, die zum Verweilen einlädt, hofft Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain.

Autofahrer müssen indes umdenken. Aktuell holpern täglich etwa 10 000 Autos über den Abschnitt. Einen Teil möchte die Stadt künftig in Gorbitz an der Julius-Vahlteich-Straße ab­fangen und von dort hinüber zur Coventrystraße lenken, wie Reinhard Koettnitz erklärt. Autos, die dennoch weiter geradeaus in Richtung Stadt fahren, sollen größtenteils über die Wernerstraße zur Löbtauer und Freiberger Straße rollen. Die Wernerstraße war dazu in den vergangenen Monaten fitgemacht worden. An einigen Kreuzungen ließ die Stadt etwa neue Ampeln aufstellen. Die Anwohner an der Wernerstraße müssen sich künftig auf deutlich mehr Verkehr vor ihrer Haustür einstellen: 3000 Autos täglich werden dazukommen, sagt Reinhard Koettnitz, der auf Modellrechnungen verweist. Und auch auf der Reisewitzer Straße in Richtung Plauen könne es „eine geringe Zunahme“ geben.

Der Umbau der Haltestelle auf der Kesselsdorfer Straße kostet insgesamt 6,3 Millionen Euro. Ein Teil des Geldes steuert der Freistaat bei. Eine vergleichsweise überschaubare Summe, die von anderen Abschnitten des Bahnprojekts zwi­schen Löbtau und Strehlen deutlich übertroffen werden. Insgesamt 100 Millionen Euro sind veranschlagt, etwa 20 Millionen Euro davon allein nur für das Teilvorhaben Oskarstraße in Strehlen. Dort sollen die Gleise künftig vom Wasaplatz über den S-Bahn-Haltepunkt Strehlen zum Großen Garten führen, die alte marode Trasse auf der Wasastraße stattdessen verschwinden.

Die neue Stadtbahnverbindung soll von der Kesselsdorfer Straße über die Nossener Brücke und den Zelleschen Weg zum Wasaplatz und von dort weiter über den Bahnhof Strehlen zum Großen Garten führen. Doch das Vorhaben steckt voller Tücken. Nach einer Klage waren die bereits laufenden Arbeiten in Strehlen gestoppt worden und auch mit der Nossener Brücke gibt es Probleme. Quelle: DNN Eylert

Die Bauarbeiten für die Umverlegung der Straßenbahngleise hatten in Strehlen längst be­gonnen – waren vergangenes Jahr aber durch eine Klage von Anwohnern gestoppt worden. Seitdem ist dort nichts mehr passiert. Zwar könnte inzwischen weiter gebaut werden – doch aktuell laufen noch Abstimmungen mit den beteiligten Bauunternehmen. „Wir sind in der Endphase. Ich hoffe, dass wir in wenigen Tagen sagen können, wie es weitergeht“, so Raoul Schmidt-Lamontain.

Dabei drängt die Zeit. Auf der Tiergartenstraße muss zunächst noch eine neue Fernwärmeleitung verlegt werden, bevor dort im Anschluss direkt darüber die Gleise montiert werden können. Die Fernwärmeleitung müsste in jedem Fall bis zum Beginn der Heizperiode liegen – und inzwischen ist bereits fast Juli. Andernfalls droht ein weiteres Jahr Verzug.

Neue Probleme ploppten jüngst auch bei der Nossener Brücke auf. Diese ist eben­falls Teil der neuen Stadtbahntrasse. Doch we­gen einer Planungspanne ist der zu­vor nötige Abriss und Neubau der Querung in weite Ferne gerückt. Nicht vor 2023 könnten die Arbeiten starten. Bis endlich Trams zwischen der Kesselsdorfer Straße und dem Großen Garten fahren, wird also noch einige Zeit vergehen.

Von Sebastian Kositz

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