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Lokales Schleppende Bürokratie vermiest Vorfreude auf die BRN 2018
Dresden Lokales Schleppende Bürokratie vermiest Vorfreude auf die BRN 2018
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09:29 14.06.2018
Im vergangenen Jahr spielten die Trommler von Arrarai Carnibal auf dem Martin-Luther-Platz. Zu der dort seit Jahren funktionierenden BRN-Insel gesellen sich in diesem Jahr erstmals neun weitere. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Das wohl bunteste und demokratischste Stadtteilfest Dresdens steht wieder vor der Tür. Am kommenden Wochenende (15. bis 17. Juni) öffnet die Bunte Republik Neustadt (BRN) zum 28. Mal ihre Grenzen. Das Besondere: Die BRN ist ein Fest ohne Veranstalter, besteht also aus Einzelaktivitäten, die Hunderte Privatleute, Vereine und Unternehmen organisieren – und die alle einzeln genehmigt werden müssen, weil sie im öffentlichen Straßenraum stattfinden.

Das zuständige Straßen- und Tiefbauamt klagte im vergangenen Jahr über die mehr als 300 Anträge für Stände und Bühnen. Die Schaffung von „Inseln“ sollte das Problem mildern: Anwohner eines bestimmten Gebietes, etwa einer Straße, tun sich dabei zusammen, organisieren gemeinsam, was dort während der BRN los sein soll, und beantragen die Veranstaltungen als Komplettpaket bei der Stadt. Das Konzept „mehr Inseln – weniger Einzelanträge“ ging auf: Genehmigt wurden zehn Inseln und 143 Einzelstände. Dennoch erhielten die Anmelder ihre Bescheide erst rund eine Woche vor BRN-Beginn. Sie fühlen sich in ihren Vorbereitungen behindert. Wie 2017 ist die Rede vom Anmelde-Chaos.

Grundidee des lockeren Festes durch Bearbeitungsdauer torpediert

„Es ist noch viel zu machen“, berichtet Olaf Hornuf, Inselchef vor dem Veranstaltungshaus Scheune den DNN. Durch die verspätete Bearbeitung des BRN-Antrages müssen in letzter Minute noch Absprachen mit Gastronomen getroffen und Veranstaltungen koordiniert werden. Bereits im März hatte Hornuf die entsprechenden Anträge eingereicht und erst in der letzten Woche eine verbindliche Zusage erhalten. Da steht die lockere Stimmung hinten an. „Wir versuchen, das Beste draus zu machen“, sagt Hornuf gegenüber den DNN. Die Inselbeauftragten seien sich jedoch einig, dass von Seiten der Stadt noch deutlicher Verbesserungsbedarf besteht.

Inselbeauftragter Olaf Hornuf auf dem Vorplatz der Scheune. Quelle: Dietrich Flechtner

Ins gleiche Horn stößt Sebastian Eckardt, einer der Organisatoren der Insel „Böhmisches Dorf“. „Bei den Behörden ist so viel Sand im Getriebe, die müssten viel effizienter arbeiten. Die BRN bringt so viele Leute von außerhalb nach Dresden, liefert positive Neuigkeiten aus der Stadt, die häufig mit Negativ-Schlagzeilen in der deutschlandweiten Presse war – das sollte man nicht aufs Spiel setzen.“ Als Veranstalter gehe man mit zahlreichen Dingen in Vorleistung, und dann sitze man wie auf Kohlen: „Wird das überhaupt genehmigt?“

Auch Stefan Grunwald, Mitorganisator der „Alausebim“-Insel, zeigte sich vom späten Bescheid der Stadt enttäuscht. Die Zusammenarbeit der Inselhäuptlingen sei jedoch im Gegenzug sehr gut gewesen, und auch Koordinatorin Ulla Wacker vom BRN-Büro hätte sich gebündelt der Probleme der Inselverantwortlichen angenommen.

Doch trotz der bürokratischen Hürden haben die Inselhäuptlinge ein buntes Programm auf die Beine gestellt, welches auch Vorwürfen, „nur noch eine Fress- und Saufmeile zu sein“, widerlegt.

Mehr Kultur – weg vom Kommerz

So auch auf der oberen Alaunstraße bis zur Görlitzer Straße. Veranstalter Stefan Grunwald freut sich dort besonders, dass auf seiner Insel kein großer Bierwagen aufgestellt wird. „Bei uns steht in diesem Jahr die Kultur und die Kunst im Vordergrund und nicht der Kommerz“, sagt er. Eine lose Gruppe von Kunstbegeisterten war dem Aufruf des Neustädter Künstlers Thomas Schreiter gefolgt und wird zur BRN sowohl Skulpturen aus Holz und Draht als auch Licht- und Farbinstallationen präsentieren. Im Inselgebiet „Alausebim“ erwarten die Besucher zudem vier verschiedene Musikspots: Rockige und swingige Klänge, als auch ein Disco-Hot-Spot vor der „Boys Bar“, Sommerfeeling mit Reggae-Musik vor dem „Café 100“ und eine Liedermacherbühne auf der Sebnitzer Straße.

Für das Wochenende stehe der Wunsch nach gutem Wetter an erster Stelle. Doch auch der Spaß bei den erwarteten 150 000 Besuchern und den 150 involvierten Künstlern soll nicht zu kurz kommen. Olaf Hornuf freut sich dabei erneut besonders auf den Auftritt von Konrad Küchenmeister auf dem Scheunevorplatz.

Böhmische und potemkinsche Dörfer

Zur Insel „Böhmisches Dorf“ haben sich die allesamt BRN-erfahrenen Anwohner der Böhmischen Straße zwischen Rothenburger Straße und Martin-Luther-Platz zusammengetan. Der Amselhof und die Baugemeinschaft B33 sind ebenso dabei wie das „Raskolnikoff“ und das „Side Door“. „Wir kennen uns als Nachbarn ganz gut, da gab’s wenig Probleme bei der Organisation“, sagt Sebastian Eckardt. Wegen dieser Vertrautheit und des Straßennamens lag der Inselname quasi auf der Hand. Und ein bisschen Kritik an der Neubauten-Gestaltung in der Landeshauptstadt schwingt auch mit: „Das Böhmische Dorf grüßt den neuen Dresdner Stadtarchitekten Grigori Potemkin“, verkündet Eckardt grinsend.

BRN 2018: Spielplan der Böhmischen Straße 33 Quelle: privat

Nicht nur besagter Kulissenbauer, sondern alle Inselbesucher bekommen am Wochenende ordentlich was auf die Ohren. Vor dem Amselhof spielt beispielsweise das Straßenmusik-Duo „Shift it baby“. „Die sind richtig gut!“, schwärmt Veranstalter Eckardt. „Die waren vergangenes Jahr schon da und haben uns alle sehr erfreut.“ In der Garage der B33 treten weitere Bands auf – das Line-up haben die Organisatoren praktischerweise direkt aufs Tor geschrieben. Außerdem gibt es Flohmarkt und Kinderschminken, verschiedene Vereine, die den Anwohnern besonders am Herzen liegen, präsentieren sich, und Sebastian Eckardt ist mit Likören aus seiner Manufaktur dabei. Deshalb steckt er noch mittendrin in den Vorbereitungen: „Ich hab noch ne ellenlange Liste, die ich abarbeiten muss.“

Die Programmhöhepunkte können auf der Website http://brn-programm.de/ eingesehen werden oder in einem der 11.000 Programmhefte, die ab Freitag in Dresden verteilt werden.

Inseln bei der BRN 2018

Insel 1: Die Weide der schwarzen Schafe, Scheune-Vorplatz

Insel 2: Alausebim, Obere Alaunstraße ab Jordan-/Ecke Sebnitzer Straße bis Görlitzer Straße

Insel 3: Vom Orient zum Okzident, Sebnitzer Straße zwischen Görlitzer und Kamenzer Straße

Insel 4: Vogelschutzgebiet, rund um Tal-, Louisen-, Kamenzer und Schönfelder Straße

Insel 5: Rummel, Louisenstraße zwischen „Mutzelhaus“ und „Room 64“

Insel 6: Martin-Luther-Platz

Insel 7: Kultur-Aktiv-Insel, Martin-Luther-Straße zwischen Bautzner Straße und Lutherplatz

Insel 8: Sinnsel (Sinnesinsel), Julie-Salinger-Weg

Insel 9: Böhmisches Dorf, Böhmische Straße zwischen Rothenburger Straße und Lutherplatz

BRN-Tanzstube, Alaun-/Ecke Sebnitzer Straße, Parkplatz

Von Tanja Tröger und Maraike Mirau

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