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Schlaganfallpatienten profitieren von Dresdner Klinik-Fusion

Mediziner Hand in Hand Schlaganfallpatienten profitieren von Dresdner Klinik-Fusion

Mittagszeit in der Klinik für Neurologie des Städtischen Klinikums Dresden am Standort Neustadt/Trachau: Durch die Gänge zieht der Geruch von Kartoffeln und Mohrrüben. Zeit, für eine gemütliche Mahlzeit am Krankenbett. Nebenan ein anderes Bild: Aufgereiht sitzen die Schwestern an ihren Schreibtischen, es herrscht rege Betriebsamkeit.

Überwachung: Über Monitore können Dr. Jochen Machetanz und sein Team kontrollieren, dass es keine Komplikationen gibt.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Mittagszeit in der Klinik für Neurologie des Städtischen Klinikums Dresden am Standort Neustadt/Trachau: Durch die Gänge zieht der Geruch von Kartoffeln und Mohrrüben. Zeit, für eine gemütliche Mahlzeit am Krankenbett. Nebenan ein anderes Bild: Aufgereiht sitzen die Schwestern an ihren Schreibtischen, es herrscht rege Betriebsamkeit. Ordner werden gewälzt, Monitore betrachtet, Telefonate geführt. Mittendrin Dr. Jochen Machetanz. Der Chefarzt behält den Überblick im so genannten Überwachungszimmer. Überwacht werden hier auch die Schlaganfallpatienten. Verkabelt liegen sie in einem der sechs speziell ausgestatteten Betten, akustische Signale zeigen Komplikationen an. Wenn das passiert, muss es schnell gehen. Wie immer, wenn ein Verdacht auf Schlaganfall besteht.

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Wenn ein Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, ist vor allem eines wichtig: Es muss schnell gehen. Vom Anruf beim Notarzt über die Ankunft in der Klinik bis zur richtigen Behandlung und Therapie.

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Dr. Jochen Machetanz ist seit 2008 Chefarzt im Neustädter Krankenhaus. Seit Beginn dieses Jahres hat sich sein Aufgabenfeld erweitert. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Zwar fiel der offizielle Startschuss zur Fusion der Städtischen Kliniken am 1. Januar, die Vorbereitungen dafür liefen aber bereits seit zwei Jahren. Zunächst mit Gesprächen mit allen Kollegen am Friedrichstädter Standort, dann mit einer häuserübergreifenden Zusammenarbeit. Schnell wurde klar: Hier herrscht keine Konkurrenz, hier können wir voneinander profitieren.

Erster Anlaufpunkt für einen Schlaganfallpatienten ist der Computertomograph (CT). Der befindet sich direkt in der Notaufnahme, ein „optimaler Ablauf“ also, wie Dr. Machetanz findet. Während der Patient in der „Röhre“ liegt, checkt der Medizinisch-technische Assistent Sven Hiebeler auf dem Monitor die soeben entstandenen Aufnahmen des Kopfes. So soll ausgeschlossen werden, dass eine Hirnblutung vorliegt. „Erst nach dem CT ist klinisch klar, ob es sich um einen Schlaganfall handelt oder nicht. Und erst dann wissen wir, wie wir behandeln können“, erklärt der Chefarzt.

Handelt der Betroffene sofort und ruft bei den ersten verdächtigen Symptomen – plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen, Sehstörungen, Ungeschicklichkeit, Gangunsicherheiten oder Sprachstörungen – den Notarzt, kommt eine Infusion, die so genannte Lyse, zum Einsatz, um das Blutgerinnsel aufzulösen und die Durchblutung der Gefäße wieder herzustellen. Nur viereinhalb Stunden dürfen dafür aber zwischen Beginn des Schlaganfalls und der Lyse liegen. „Das ist die absolute Obergrenze. Wird zu lange gewartet, ist die Chance vertan. Dann müssen wir das Blutgefäß mit einem Katheter öffnen“, so Dr. Machetanz. Es muss eben schnell gehen.

Eine Etage drüber führt Fachärztin Michaela Stogowski einen Ultraschall bei einer gerade eingelieferten Patientin durch und überprüft dabei vor allem die Halsgefäße. Denn: „Eine wesentliche Ursache für einen Schlaganfall ist die Verengung der Halsgefäße“, sagt Chefarzt Machetanz. Von diesen Ablagerungen können sich Gerinnsel lösen und ins Gehirn wandern. „Das müssen wir so schnell wie möglich erfahren und operieren.“ Deshalb der Ultraschall.

Vorbehalte hätte es vor der Fusion nicht gegeben, wie Oberarzt Dr. Holger Palisch von der II. Medizinischen Klinik in Friedrichstadt sagt. Auch deshalb nicht, weil sich die Situation gerade für Schlaganfallpatienten hier enorm verbessert hat. Noch vor zwei Jahren waren in Friedrichstadt nur zwei Neurologen im Einsatz. Bei Krankheit oder Ausfall konnte es also fix eng werden. „Wir mussten Patienten vor allem am Wochenende auch mal abweisen, weil kein Neurologe vor Ort war“, so der Oberarzt. Jetzt ist schnell Ersatz aus dem anderen Haus zur Stelle. Eine Einbahnstraße ist das Ganze aber nicht. „Der Standort in Neustadt profitiert enorm von der internistischen Expertise der Friedrichstädter, weil wir im kardiologischen Bereich nicht so komplett aufgestellt sind“, erklärt Dr. Machetanz.

Ergotherapeutin Kathrin Kuban kümmert sich derweil um Joga Singh, und trickst dabei das Gehirn ihres Patienten aus. Mittels Spiegeltherapie. Während Singh im Spiegel die Bewegungen seines rechten Armes sieht, wird seinem Gehirn suggeriert, dass auch sein linker, gelähmter Arm wieder gesund ist. „Das aktiviert die Bahnen im Gehirn. Die Bewegungsabläufe sind gespeichert, so bekommt man die Funktion wieder“, sagt Kuban. Nur eine Therapieübung, die bei Schlaganfallpatienten Verwendung findet, alles, was Alltagstätigkeiten sind, wird trainiert.

Dank Telemedizin sind die Mediziner in der Lage, innerhalb kürzester Zeit eine Diagnose zu stellen, auch dann, wenn kein Spezialist im jeweiligen Haus zugegen ist. Möglich macht das eine spezielle haus- und fachübergreifende Technik. Die Neurologen und Internisten sehen sich mittlerweile in einer Vorreiterrolle, was den Zusammenschluss zweier Häuser anbelangt. „Ich bin selber erstaunt, wie gut das läuft“, so Palisch. „Wir sind nicht mehr Einzelkämpfer, sondern können uns gegenseitig befruchten und verstärken“, findet auch Dr. Machetanz.

Ob Angelika Hocke tatsächlich einen Schlaganfall hatte, wissen die Mediziner noch nicht. Spezielle Übungen mit Logopädin Annekathrin Singer sollen für Klarheit sorgen. Dafür muss Angelika Hocke zum Beispiel verschiedenfarbige Steine ihren Äquivalenten auf Papier zuordnen – das zeigt, ob ihr Sprachverständnis angeschlagen ist. Zeigt sich, dass es zu Störungen gekommen ist, muss, ganz richtig, schnell gehen.

Von Christin Grödel

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