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Lokales Schlafapnoe – unbehandelt der Tod in kleinen Raten
Dresden Lokales Schlafapnoe – unbehandelt der Tod in kleinen Raten
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14:35 23.10.2018
Christa Stosch ist laut eigenen Angaben durch die Atemmaske ein neuer, lebensfroher Mensch geworden. Etwa dreiviertel der Patienten würden sich ihr zufolge durch die Therapie bereits nach kurzer Zeit besser fühlen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Nächtliches Schnarchen kann ein Symptom für eine nicht ungefährliche Krankheit sein: der sogenannten Schlafapnoe. Während des Schlafes kommt es bei Betroffenen zu einer Erschlaffung der Schlundmuskulatur – die Luftröhre wird blockiert und die Sauerstoffversorgung unterbrochen. Folglich sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut. Der beschriebene Vorgang wiederholt sich in Extremfällen bis zu 500 Mal pro Nacht.

Ohne es zu ahnen, haben rund vier Millionen Schnarcher in Deutschland nachts eine Vielzahl von mehr als zehn Sekunden langen Atemaussetzern – sogenannten Apnoen. In den Augen von Ärzten alles andere als ein Bagatellthema: Laut Experten erkranken rund zwei Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer zwischen 30 und 40 Jahren an der Krankheit. Aber auch Kinder können bereits betroffen sein.

30 Jahre lang falsch behandelt

Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Bluthochdruck sind noch die harmlosesten Folgen. Durch die nächtlichen Atemaussetzer fällt der Sauerstoffgehalt ab – teilweise bis zu 50 Prozent. Das Risiko für Herzstillstand, Schlaganfall oder Organschäden steigt damit erheblich. Dabei kann die Erkrankung durch nächtliches Tragen einer Atemmaske heutzutage gut beherrscht werden. Über eine Nasenmaske wird hierbei Luft in die oberen Atemwege gedrückt und ein leichter Überdruck erzeugt. Atemstillstand und Schnarchen können so beseitigt werden.

„Man darf einfach nicht vergessen, dass der Körper bei jedem Sauerstoffmangel geschädigt wird“, erklärt Christa Stosch. Sie leidet selbst an Schlafapnoe. 30 Jahre lang sei sie falsch behandelt worden. Eisenmangel, Überarbeitung – viele Diagnosen, nur nicht die Richtige. Erst 1995 stellte ein Arzt Stosch die richtigen Fragen und schickte sie danach ins Schlaflabor. Dort diagnostizierte man schließlich eine Schlafapnoe.

Als die Erkrankte eine Atemmaske bekam, sah sie sich mit allerhand Problemen konfrontiert. Die Produktanleitung war auf Englisch, die Maske passte nicht – „Die Aufklärung bezüglich der Therapie fehlt wirklich oft“, weiß Stosch heute. Noch 1995, im gleichen Jahr ihrer Diagnose, gründete sie mit ihrem behandelnden Arzt und anderen Betroffenen eine Selbsthilfegruppe. Drei Jahre später entstand daraus der Verein zur Selbsthilfe Schlafapnoe/Schlafstörungen.

Mittlerweile gibt es elf Selbsthilfegruppe in ganz Sachsen, zwei davon in Dresden. Vier bis sechs Mal im Jahr bietet der Verein therapiebegleitende Treffen zu unterschiedlichen Themen an: Von optimaler Schlafzimmertemperatur bis zur richtigen Matratze war schon alles dabei. Im Mittelpunkt steht stets der Erfahrungsaustausch von Betroffenen.

„Eigentlich bin ich nicht so für Auszeichnungen“

Zur Zeit hat der Verein etwa 300 Mitglieder. Hinzu kommen noch rund 150 Interessierte, welche die Gruppenabende zur Aufklärung nutzen. An jungen Leuten fehle es aber momentan: „Sie schauen lieber ins Internet – aber dort finden sie keine Hilfe“, sagt Stosch. Ein persönliches Gespräch könne laut der 81-Jährigen so viel mehr helfen als Dr. Google. Beraten kann ihrer Meinung auch nur, wer wirklich eigene Erfahrung hat und mit einer Maske schläft. Nicht umsonst höre sie oft von Betroffen, dass noch nie jemand so gut zu gehört hätte wie sie. Dreiviertel der therapierten Patienten würden sich Stosch zufolge durch die Behandlung nach kurzer Zeit besser fühlen. Aber nach über 22 Jahren Vereinsarbeit weiß die Apnoikerin: „Man muss die Therapie auch annehmen.“

Ob man zu den Erkrankten gehört, lässt sich laut der 81-Jährigen leicht heraus finden. „Mittlerweile gibt es unkomplizierte Screening-Geräte, die Atemwegsstörungen bereits zu Hause im eigenen Schlafzimmer feststellen können“. Symptome sind dabei unter anderem lautes unregelmäßiges Schnarchen, morgendliche Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche und Gereiztheit.

Für ihre langjährige Vereinsarbeit wird Christa Stosch nun ausgezeichnet: Staatsministerin Barbra Klepsch verleiht ihr und 19 anderen engagierten Bürgen die Annen-Medaille. Die Auszeichnung wurde 1995 von der Sächsischen Staatsregierung zum Andenken an die wohltätige Kurfürstin „Anna von Sachsen“ gestiftet. Jährlich wird sie an Bürger verliehen, die mindestens fünf Jahre ehrenamtlich in der Sozial- oder Familienarbeit tätig waren. Wie sich Stosch als Preisträgerin fühlt? „Eigentlich bin ich nicht so für Auszeichnungen“, erzählt die 81-Jährige. „Aber es ist schön, wenn Arbeit anerkannt wird.“

Der Verein sucht dringend Patienten, die sich engagieren möchten. Infos unter schlafapnoe-sachsen.de.

Von Annafried Schmidt

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