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Lokales Schillergarten-Geschäftsführer zahlen einen hohen Preis für die Nähe zur Elbe
Dresden Lokales Schillergarten-Geschäftsführer zahlen einen hohen Preis für die Nähe zur Elbe
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13:33 30.11.2017
Der Schillergarten ist nicht ohne Grund ein beliebtes Ausflugsziel für Dresdner und Gäste der Stadt. Aber die Nähe zum Fluss birgt eben auch Risiken. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Verweilen mit Blick auf die Elbe: Der Schillergarten ist nicht ohne Grund ein beliebtes Ausflugsziel für Dresdner und Gäste der Stadt. Aber die Nähe zum Fluss birgt eben auch Risiken. Das mussten Thomas Jacob und seine Kollegen Frank Baumgärtel und Steffen Brasche mehr als einmal erleben. Um im Falle eines erneuten Hochwassers abgesichert zu sein, zahlen die Geschäftsführer eine horrende Versicherungsprämie. Eine Wahl haben sie nicht.

Aber der Reihe nach: 2003, also nach der Jahrtausendflut mit einem Elbpegel von 9,40 Meter, hat das Trio das Objekt Schillergarten gekauft – mitsamt der beim Hochwasser entstandenen Schäden. Es folgte eine aufwendige Sanierung und die Wiedereröffnung 2004. Probleme, das Gebäude gegen alle Naturgewalten zu versichern, gab es damals nicht. „Vier bis fünf Versicherer haben uns ihre Produkte angeboten. Die dachten auch, dass sich solch ein Jahrtausendereignis nicht so schnell wiederholen wird“, sagt Jacob. Sie sollten sich irren.

Denn bereits elf Jahre später trat das ein, was niemand für möglich gehalten hatte. Der Pegel kletterte auf 8,76 Meter, im Schillergarten herrschte erneut Land unter. Wieder glich das Erdgeschoss einem Rohbau. Wieder hatte die Elbe ihren Dreck und ihren Schlamm im Gebäude verteilt. Und wieder musste die Versicherung einspringen. Nicht ohne Folgen. Etwa doppelt so tief müssen die Geschäftsführer seit 2013 in die Tasche greifen, um das Objekt angemessen abzusichern. „Wir hatten zweimal massive Schäden. Die drastische Steigerung ist gerechtfertigt“, sagt Jacob. Rund 20 000 Euro sind es im Jahr. Dafür ist nicht nur das Gebäude und das Inventar, sondern auch eine Betriebsunterbrechung versichert – die Mitarbeiter müssen im Schadensfall also nicht um ihren Job bangen.

Für einen neuerlichen Hochwasserfall ist man im Schillergarten jetzt aber besser vorbereitet. Bereits während der Beseitigung der Schäden haben die Unternehmer auf nachhaltigeres Material gesetzt. Der Fußboden etwa ist aus Gussasphalt, der Tresen kann innerhalb kürzester Zeit zurückgebaut, hochwertige Geräte ausgebaut werden. „Sobald das Wasser reinläuft, wird es Schäden geben. Die wären aber nicht mehr so massiv. Man lernt bei jeder Flut dazu“, erklärt der Geschäftsführer.

Denn: Sollte der Tag kommen, dass der Biergarten erneut vollläuft, wird auch im Inneren ausgebaut. Ein befreundeter Spediteur lagert das Inventar ein, das Erdgeschoss wäre komplett leer. Andere Vorsichtsmaßnahmen bleiben Jacob und seinen Mitstreitern auch nicht. Eine Flutschutzwand rund um das Objekt würde gigantische Kosten produzieren. Laut Jacob nicht finanzierbar. Für ihn wäre eine Pflichtversicherung sinnvoll. „Wenn jeder in Deutschland eine Hochwasserversicherung abschließen müsste, wären die Beiträge auch für uns erträglicher“, sagt er. Von Seiten der Politik aber gibt es dazu bisher keine nennenswerten Vorstöße.

Immerhin: 46 Prozent aller Wohngebäude in Sachsen sind gegen Elementarschäden – und damit auch im Überschwemmungsfall – versichert. Das liegt über dem Bundesschnitt von 40 Prozent Darüber informierte Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Anfrage der DNN. Und die Tendenz ist steigend, 2002 lag die Zahl bundesweit noch bei 19 Prozent. Für die GDV-Sprecherin ist das nicht verwunderlich. Denn auch Wetterphänomene wie Starkregen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wir erinnern uns an entsprechende Bilder aus Berlin im zurückliegenden Sommer. „Die Bedrohungslage ist nicht nur in der Nähe von großen Flüssen gegeben. Eine Wohngebäudeversicherung für Elementarschäden ist deshalb immer sinnvoll – es sei denn, man wohnt in einer Mietwohnung im zehnten Stock eines Hochhauses“, so Jarosch.

Die Immobilie an der Elbe gekauft zu haben, haben die Schillergarten-Geschäftsführer jedenfalls nie bereut. „Die Frage nach dem Weitermachen haben wir uns nie gestellt. Das war für uns immer klar.“ Aber ein Weitermachen ohne Versicherung ist eben auch keine Lösung. „Das wäre Harakiri.“

Von Christin Grödel

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