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Lokales Sanierung Blaues Wunder – eine Autospur fällt ab 2019 für Jahre weg
Dresden Lokales Sanierung Blaues Wunder – eine Autospur fällt ab 2019 für Jahre weg
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07:31 29.03.2018
Bis 2030 gibt Dresden etwa 45 Millionen Euro für die Sanierung des Blauen Wunders auf. 2019 werden dafür Gerüste auf der Brücke aufgestellt, die für vier oder fünf Jahre stehen bleiben müssen. Dafür fällt eine Fahrspur weg. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Aus dem kurzen „unfreiwilligen Verkehrsversuch“ auf dem Blauen Wunder, den Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) eigentlich schon für dieses Jahr angekündigt hatte, wird ein langfristiger. Für vier oder fünf Jahre soll ab 2019 eine der drei Fahrspuren auf der denkmalgeschützten Stahlbrücke gesperrt werden. Bisher war von zunächst einem halben Jahr die Rede.

Grund dafür ist der Bauablauf für die bis 2030 geplante und 45 Millionen teure Sanierung, den die Stadtverwaltung derzeit neu strickt. Das war nach einer geplatzten Ausschreibung für Reparaturen an Stahlteilen und der daraus resultierenden Zwangspause für die Brückensanierung in diesem Jahr nötig. Untersucht wird, Stahlarbeiten, das Abstrahlen des alten Korrosionsschutzes und den Auftrag eines neuen Anstrichs zu kombinieren, wie Schmidt-Lamontain erläutert. Einmal gestellte Gerüste, die einen Teil der Fahrbahn in Beschlag nehmen, würden stehen bleiben und auch nicht abgebaut werden, wenn die Arbeiten aus Witterungsgründen ruhen müssen. Das sei für die Baufirmen finanziell nicht darstellbar. Denn bei den Gerüsten handelt es sich um komplexe Gebilde, die so mit Planen abgedeckt sind, dass weder Sand noch die abgestrahlten Farbpartikel in die Elbe fallen. Weil aus Umweltschutzgründen alles aufgefangen werden muss, müssen die Standorte der Gerüste sogar statisch berechnet werden.

Eine Fahrspur weicht Radwegen

Die baubedingte Fahrbahnsperrung auf der Brücke ist entscheidend für die geplante Umgestaltung des Schillerplatzes, mit der sich Frank Fiedler, der Leiter des Sachgebiets Grundlagen der Verkehrsplanung, beschäftigt. Dabei muss die Stadt vor allem auf dem Körnerplatz Probleme lösen, die sie auch hätte, wenn sie wie gewünscht einen Fahrstreifen auf dem Blauen Wunder dauerhaft Radwegen opfern würde. Gelingt das, stünde den Radwegsplänen nichts im Weg, was wiederum Folgen dafür hat, wie auf Schillerplatz und Körnerplatz der Verkehr geregelt wird.

Das zu lösende Problem gestaltet sich dabei wie folgt: Wie eine 2016 fertiggestellte Studie zeigt, wollen morgens in etwa zwischen 7.15 bis 7.45 Uhr zu viele Autos über das Blauen Wunder, so dass der Rückstau bei Wegnahme einer Fahrspur in Richtung Blasewitz den Körnerplatz lahmlegen würde. Fiedler spricht von 400 Autos, die entweder zu anderen Zeiten oder über andere Wege fahren müssten. Konkret werde etwa über vorgelagerte Pförtnerampeln nachgedacht, sagt Schmidt-Lamontain. Sie lassen den Verkehr nur in solchen Portionen auf den Körnerplatz, die auch bewältigt werden können.

Etwa ein halbes Jahr lang soll nach Beginn der Sperrung auf dem Blauen Wunder experimentiert werden, wobei „wir auch nachjustieren werden, wenn das erforderlich ist“, wie der Verkehrsbürgermeister sagt. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Planungen zum Schillerplatz ein.

Auch Schillerplatz verliert Fahrspur

Sollten sich Radlerspuren auf dem Blauen Wunder einrichten lassen, hätte das auch Auswirkungen auf dem Schillerplatz. Dort könnte dann eine der zwei Linksabbiegerspuren auf die Tolkewitzer Straße wegfallen, stattdessen könnten Radler eine Rechtsabbieger (Naumannstraße) und eine Spur für Geradeausfahrer (Hüblerstraße) erhalten. Quelle: Dietrich Flechtner

Dort will Schmidt-Lamontain am liebsten nach Ende der Sperrzeit auf dem Blauen Wunder mit der Umgestaltung beginnen. Die Eile liegt vor allem an den Straßenbahngleisen, die dringend saniert und dabei auch gleich noch auf den neuen Standardabstand von drei Metern gebracht werden müssen, damit die neuen Stadtbahnwagen fahren können. Aber auch sonst handelt es sich um ein schwieriges Pflaster. Beispiele: An Markttagen drängeln sich in acht Stunden über 3000 Fußgänger auf dem nur 1,50 Meter schmalen Fußweg der Tolkewitzer Straße. Morgens stauen sich Autos, die von der Tolkewitzer Straße in die Naumannstraße wollen, nachmittags vor allem die, die von der Tolkewitzer Straße aufs Blaue Wunder nach rechts abbiegen wollen. Nachmittags warten die Autofahrer gefühlte Ewigkeiten, die von der Kretschmerstraße auf die Tolkewitzer Straße abbiegen wollen. Dazu ist der Platz ein Verkehrsunfallschwerpunkt.

„Der Platz muss sicherer werden“, sagt Fiedler daher. Dazu sollen so viele Probleme wie möglich in Angriff genommen werden. „Den Stau auf dem Schillerplatz werden wir aber nie ganz wegbekommen“, dämpft er überzogene Erwartungen. Derzeit werden diverse Varianten geprüft. Wenn Radler übers Blaue Wunder fahren, wäre diese konsequent: Weil nur eine Spur Autos vom Blauen Wunder auf den Schillerplatz bringt, könnte auf eine der beiden Linksabbiegerspuren auf die Tolkewitzer Straße verzichtet werden. Das hätte den Vorzug, dass Radler nicht nur eine Rechtsabbiegerspur in die Naumannstraße, sondern auch eine Geradeausspur in die Hüblerstraße bekommen könnten. Außerdem könnte Fußgängern mehr Platz zugeschlagen werden.

Wer das für den Körnerplatz weiterdenkt, müsste auch dort über die Reduzierung von Fahrstreifen diskutieren. „Wir müssen dann schauen, wie die Grundstraße bemessen sein muss, weil Autos ja ohnehin auf dann nur noch eine Fahrspur über das Blaue Wunder zusammengeführt werden müssten“, sagt der Verkehrsbürgermeister dazu. „Wir wollen die Verkehrsprobleme nicht in die Grundstraße oder an die Bautzner Straße verlagern, deswegen wird das alles durchgerechnet“, fügt er an.

. Quelle: Dietrich Flechtner

Richtungswechsel auf Hüblerstraße

Weitere Überlegungen für den Schillerplatz gehen dahin, die Einbahnstraßenregelung auf der Hüblerstraße umzukehren, was den Lieferverkehr in die Schillergalerie erleichtern könnte. Das hätte dann aber Folgen für andere Straßen, die noch untersucht werden. Außerdem denkt Fiedler darüber nach, wie die stadtwärtigen 4500 der täglich rund 38 000 Autos auf dem Schillerplatz, die gar nicht das Blaue Wunder queren, auf andere Straßen gebracht werden. „Dieser Verkehr ist das Problem, weil er den von und zur Brücke blockiert“, begründet er. Denkbar wäre eine Verteilung über den Zug Striesener Straße-Borsbergstraße-Schandauer Straße.

Die Planungen sind schwierig und weil viele Interessen auf engem Raum aufeinandertreffen sehr konfliktträchtig. Dass sie lohnen, ist für Fiedler keine Frage. „Aus verkehrstechnischer Sicht ist der Standort des Blauen Wunders ideal.“ Deshalb habe sich der Verkehr auf dem Bauwerk nach Eröffnung der Waldschlößchenbrücke auch nur um etwa 4000 täglich auf etwa 28 000 Fahrzeuge täglich reduziert. Und deshalb auch die aufwendigen Bemühungen um den Erhalt des Wahrzeichens. Nach der Sanierung soll dessen Lebensdauer noch 40 Jahre betragen. . 

Von Uwe Hofmann

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