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Sandra Maria Huimann: Erholung von der großen Bühne

Zu Hause bei... Sandra Maria Huimann: Erholung von der großen Bühne

Künstler, Wissenschaftler, Sportler, Vertreter der Kirche, Aktive des World Wide Web und weitere Persönlichkeiten öffnen den DNN wieder die Türen ihres Zuhauses. Traditionell stellen wir am Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahres interessante Menschen auch privat vor. Heute sind wir zu Gast bei Schauspielerin Sandra Maria Huimann.

Zu Hause bei Schauspielerin Sandra Maria Huimann
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Ihr Berufsleben findet auf der großen Bühne statt: Sandra Maria Huimann ist Schauspielerin und Sängerin, seit der Spielzeit 2008/09 gehört sie zum Ensemble der Landesbühnen Sachsen und lebt seitdem in Dresden. Für das Privatleben genügen der geborenen Österreicherin zwei kleine Räume im Hecht. Dieses Viertel gefällt ihr, in der Wohnung erinnern zahlreiche Accessoires an die einstige Heimat, vor allem an die Großeltern von Sandra Maria Huimann.

Schon beim ersten Blick – der natürlich der zweite ist, denn der wirklich erste gebührt der schönen Gastgeberin – fällt der Stilmix aus südlicher Bauernmalerei, prächtigen Lüstern und Funktionalität auf. Die Kristallleuchter würden eher in großzügige Salons passen – und stammen da wohl auch her.

Sandra Maria Huimann verweist auf zahlreiche Details ihrer Wohnungseinrichtung, die in erster Linie von ihren Großmüttern stammen. Die eine hat als Schneiderin im österreichischen Waldviertel gelebt und quasi „alles betrieben, was ihr Freude gemacht hat“, also neben dem Schneidern auch Schafzucht, Weinanbau sowie Hege und Pflege eines kleinen Waldes. Von dieser Frau, die mit Anfang 60 noch Englisch gelernt hat, wie ihre Enkeltochter bewundernd erwähnt, stammt ein selbstbemalter Schrank, der alpine Traditionen deutlich verrät.

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Heute sind wir zu Gast bei Schauspielerin Sandra Maria Huimann. Sie ist Schauspielerin und Sängerin, seit der Spielzeit 2008/09 gehört sie zum Ensemble der Landesbühnen Sachsen und lebt seitdem in Dresden

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Ebenfalls ererbt ist ein wunderbarer Schreibtisch, auf den Sandra Maria Huimann – so viel Moderne muss sein – ihren Laptop gestellt hat. Dass dieses Möbelstück auch ausziehbar ist, kommt angesichts der räumlichen Proportionen gar nicht erst in Betracht. Auch der Lesesessel, in dem die Actrice ihre Rollen einstudiert, wirkt für die 1,74 Meter große Frau eher possierlich.

Nicht wesentlich größer, aber von ganz anderer Bauart ist ein fast schon antikes Gestühl in der Küche. Das hat Sandra Marias Großvater geschaffen, ein ehemaliger Tapezierer, der – wie offenbar alle in ihrer Familie – recht vielseitig tätig gewesen ist.

Denn auch die 1983 in Wien geborene Künstlerin selbst lässt sich kaum ganz ausschließlich auf das Fach einer Schauspielerin festlegen. Zwar ist sie an den Landesbühnen – also einschließlich der Felsenbühne Rathen – vielseitigst präsent, vom wunderschön reitenden Aschenbrödel bis hin zur hinreißenden Buhlschaft in Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“, von Lady Milford in Schillers „Kabale und Liebe“ über die Mascha in Tschechows „Drei Schwestern“ bis hin zur Lucy in Frank Wildhorns „Dracula“.

Dass ihre Wohnung hier und da von kunstvoll gestalteten Totenschädeln besetzt ist, soll mit letzterer Rolle allerdings nichts zu tun haben. Und auch das zur Straßenseite hin gelegene Zimmer, das zur knappen Hälfte mit schwarzer Wandfarbe gestaltet ist, deutet nicht auf eine düstere Veranlagung der Gastgeberin hin, sondern wohl eher auf ihre praktische Seite. Aus eins mach zwei – tatsächlich wirkt dieser Raum durch diese Farbgebung nahezu wie gedoppelt.

Diese Wohnung spricht tatsächlich Bände: Deutet das ältere Mobiliar auf die Großeltern hin, spricht das kleine Weinregal für die Mitbringsel ihres Vaters. „Wenn der zu Besuch kommt, bringt er meistens Wein aus Österreich mit“, erklärt Sandra Maria Huimann. Den verschenke sie dann entweder an gute Freunde oder genieße ihn gemeinsam mit Gästen auf dem kleinen Balkon. Der weist zum grünen Innenhof hin und hat auch schon mal mehr als ein halbes Dutzend Leute aufgenommen.

Aber bleiben wir bei den Bänden: Im Bücherregal sind Plätze für Bildbände aus der österreichischen Heimat reserviert, anderswo versammelt sich Lyrik, in einem Extrafach steht die aktuelle Lektüre. Die hat entweder mit den momentanen Rollen oder aber mit eigenen Neuinszenierungen zu tun. Denn Sandra Maria Huimann, die einst als kleines Mädchen in Faschingsveranstaltungen als spanische Tänzerin, als Holländerin mit Holzschuhen und als Teenagerin „Cats“ sowie den „Tanz der Vampire“ choreografiert hat, führt auch Regie. Im Dresdner Projekttheater hat sie „Salome“ von Oscar Wilde inszeniert, für das kommende Jahr stehen dort „Die Troerinnen“ nach Jean Paul Sartre an.

Was mag der Hintergrund für diese Vielgestaltigkeit sein, die sich ja auch unübersehbar in der kleinen Neustädter Wohnung niederschlägt? „Ich möchte meine Leidenschaften ausleben, ganz einfach.“

Ganz einfach, muss nur organisiert werden. Dabei ist die Arbeit an den Landesbühnen enorm zeitintensiv, was die Künstlerin aber nur reizt: „Ich arbeite gerne, bin sehr neugierig, schaue mich um, deute jedes Zeichen, ob ich damit was anfangen kann.“ Sie probiere sich halt gerne aus, sinniert sie bei einem Tässchen Espresso, und habe sich die Regie erkämpft, „weil ich unverfroren bin“. So dürfte wohl auch ein Projekt für das Leipziger Theatertreffen entstanden sein, dessen Titel „Die Zwillinge des Doktor Mengele“ die Tiefen und Abgründe verrät.

Aber Sandra Maria Huimann stürzt sich neben ihrem Hauptberuf auch in ganz anders geartete Höhen der Kunst. Irgendwann habe sich herumgesprochen, sie könne recht passabel singen, wie sie bescheiden erwähnt. Schon bald war sie Frontfrau der Band „Machine de Beauvoir“ und sang auch in „Mary and the Holy Balls“. Wenn es bei den Landesbühnen im Februar zwei Wochen Urlaub gibt, ist die Sängerin unterwegs – unter anderem in Berlin, Chemnitz und Leipzig, aber auch in der Dresdner Scheune (am 17. Februar).

Dass Sandra Maria Huimann über viele Talente verfügt, beweist ihre Vita – die gewiss noch schöne Überraschungen bereithält – und verrät auch ihre Wohnung im Hecht. Dort erholt sie sich von der großen Bühne.

Steckbrief

geboren 1983 in Wien

Schauspielausbildung am dortigen Konservatorium

diverse Workshops, z.B. Improvisation, Bewegungstraining, Peking-Oper, Jazzdance, Stunt, Gesang

verfügt dank zahlreicher Talente und Trainings über vielseitigste Einsatzmöglichkeiten: Fechten, Schwertkampf, Reiten und Kutscherführerschein

spricht Wienerisch, singt Sopran

Arbeiten u.a. am Konservatorium Wien, am Stadttheater Baden sowie am Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg

seit der Spielzeit 2008/09 gehört sie zum Ensemble der Landesbühnen Sachsen und lebt seitdem in Dresden

Von Michael Ernst

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