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Lokales Sächsischer Lehrpreis für den Dresdner Gitarrenvirtuosen Thomas Fellow
Dresden Lokales Sächsischer Lehrpreis für den Dresdner Gitarrenvirtuosen Thomas Fellow
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12:28 01.11.2018
Constanze Friend und Thomas Fellow als Duo Friend’n’Fellow in Aktion. Quelle: Pr
Dresden

Eine Gitarre hat Thomas Fellow fast immer in Reichweite. Daheim, unterwegs, auf der Bühne, bei der Lehre. „Die Akustikgitarre ist in vielen Kulturen der Welt das prägende Instrument“, sagt er. Und weil er eben jenes Instrument nicht nur exzellent spielen, sondern andere dafür begeistern kann, bildet der Leipziger neben seinen vielen Konzerten auch noch an der Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Nachwuchskünstler aus. Am Donnerstag wird Fellow mit dem Sächsischen Lehrpreis in der Kategorie Kunsthochschulen geehrt.

Die Gitarre begleitet ihn schon seit viereinhalb Jahrzehnten. „Klavier oder Pauke kam bei der Wahl der Instrumente nicht infrage, weil wir damals im Leipziger Plattenneubau wohnten.“ Was gut für ihn war: „Ich wollte nichts anderes als Gitarre spielen.“ Und wie er sie bald spielte. Nach ersten Preisen bei nationalen Wettbewerben wurde der Leipziger an der Musikhochschule Weimar immatrikuliert, gehörte dort bald zur Meisterklasse bei Monika und Jürgen Rost und wurde mit internationalen Preisen geehrt. Als Solist konzertierte er mit bekannten Orchestern in Asien, Amerika und vielen europäischen Metropolen. Seine klassische Laufbahn als Konzertgitarrist beendete er 1992 in der Philharmonie Berlin.

Die Ausbildung „Akustische Gitarre – Konzertmusik, Worldmusic, Jazz, Pop“ hat der Solist Mitte der 90er-Jahre in Dresden ins Leben gerufen, und im Laufe der Jahre hat sich unter seiner Leitung ein hervorragendes Team entwickelt. Seine Studienbewerber kommen von weither – Brasilien, USA, Frankreich, Osteuropa und Asien. Wer bei Fellow und Co in die Lehre geht, hat beste Erfolgsaussichten: Fast jeder dritte Absolvent ist inzwischen Preisträger von Wettbewerben oder Sonder-Stipendiat.

„Die Ausbildung ist sehr anregend, als Musiker fühlt man sich verstanden und gut aufgehoben, fast wie in einer Familie“, erklärt Ladislav Pazdera aus Tschechien. Der 29-Jährige studiert seit fünf Jahren an der Musikhochschule. Stilistische Offenheit und Genrevielfalt zählt er zu den Besonderheiten der hiesigen Gitarrenausbildung. Was er an seinem Professor besonders schätzt? „Zum einen seine riesige Praxiserfahrung. Thomas weiß genau, was eine Gitarre hergibt.“ Zur Ausbildung gehöre aber noch mehr – Konzertbuchungen, Interaktionen, Showplanung. „Wir bekommen viel mit, was das Leben als Musiker ausmacht.“

„Einzigartigkeit ans Licht bringen“

So sinnvoll musikalische Fortschritte immer sein mögen: „Mir geht es darum, in den jungen Musikern ein Verständnis dafür zu wecken, wer sie als Person sind, wo ihre Stärken liegen“, erklärt Fellow. „Authentisch zu sein, darauf kommt es an.“ Um diese Einzigartigkeit sensibel ans Licht zu bringen, „passt sich unser Unterricht immer der Person an. Nicht umgekehrt.“ Der komplexe Ausbildungsansatz des 52-Jährigen wird längst auch anderswo geschätzt. Als Gastdozent ist Fellow regelmäßig an Hochschulen in den USA, Lateinamerika, Asien und Europa eingeladen.

Die sächsische Auszeichnung habe ihn doch „ziemlich überrascht – wenngleich auf sehr angenehme Art“, gibt Fellow zu, der mit seiner Frau und drei Kindern in Taucha bei Leipzig lebt.

Die Jury würdigte Fellows langjährige innovative Weiterentwicklung der Lehre. „Die traditionelle Ausbildung der Klassischen Gitarre wird um die Bereiche internationale Folklore, Eigenkomposition und solistisches selbstarrangiertes Begleitspiel sinnvoll erweitert und durch speziell entwickelte eigenständige Studiendokumente unterstützt“, heißt es in der Begründung. Neben der Individualität des Künstlers werde auch seine Innovationskraft und sein Ensemblespiel entscheidend weiterentwickelt.

Der Sächsische Lehrpreis 2018 wird alle zwei Jahre für Lehrende an sächsischen Universitäten, Kunsthochschulen, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und der Berufsakademie verliehen. Die vier Einzelpreise sind mit jeweils 10 000 Euro dotiert.

Neben Lehrtätigkeit häufig auf Tour

Man wolle mit dieser Auszeichnung „herausragende Dozentinnen und Dozenten würdigen, die den Lehrstoff mit neuen, klugen Ideen und Konzepten vermitteln oder sich besonders um eine gute Organisation des Studiums bemühen“, sagte Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange und gratulierte allen vier Preisträgern, die „mit ihrer Arbeit Vorbild für exzellente Lehre an unseren Hochschulen oder Studienakademien sind“.

Außer der akademischen Lehrtätigkeit ist Fellow viel auf Tour. Bereits 1991 fand er sich als Solist mit der Sängerin Constanze Friend zum Duo „Friend ’n’ Fellow“ zusammen. Nach über tausend Konzerten und einem guten Dutzend CDs gilt es als das erfolgreichste Projekt dieser Art in Europa. Sie bereisten viele Länder der Welt und spielten gemeinsam mit Musikern wie Luther Allison, Tommy Emmanuel und Al Jarreau.

Von seinem zweiten Projekt „Hands on Strings“, einem seit dem Jahr 2000 bestehenden Duo mit dem Gitarristen Stephan Bormann, erschienen bisher drei CDs. Die Musiker erhielten Einladungen zu renommierten Festivals, darunter in Rom, Columbus und Hamburg.

Seit sechs Jahren gibt es zudem das European Guitar Quartet, in dem Fellow und Reentko (Deutschland) mit den Weltstars der Konzertgitarren-Szene Pavel Steidl (Tschechien) und Zoran Dukic (Kroatien) eine Brücke zwischen Konzertmusik und modernen Elementen von Worldmusic und Fingerstyle schlagen. Die Tour zur Debüt-CD „Danza“ führte sie zu einer Konzertreise durch Kolumbien, zu Festivals in Mexico, den USA, Frankreich, Norwegen, Spanien und der Schweiz, nach Moskau und Amsterdam.

In diesem Sommer konzertierte Fellow mit den King‘s Singers und Sabine Meyer beim Schleswig Holstein Musikfestival. Zudem ist er Autor des „Fellow Guitar Book“, einer umfassenden Schule für die Gitarre als Begleitinstrument.

Die anderen Preisträger

Gero Frisch, TU Bergakademie Freiberg: Die Jury würdigt mit Professor Frisch einen dynamischen und engagierten, über die Universität hinaus wirksamen Hochschullehrer und dessen innovatives und fächerübergreifendes Lehrprogramm der Chemie für das Studium wie für die Studienvorbereitung. Ihm sei es gelungen, aus seiner Intention für Chemie zu begeistern, ein zukunftsorientiertes, beispielhaft wirksames, von Studierenden geschätztes Instrumentenset zu kreieren.

Hans-Joachim Kretzschmar, Hochschule Zittau/Görlitz: Professor Kretzschmar wird für eine konsequente, kontinuierlich weiterentwickelte digitale Lehr-Lernkonzeption, die das Interesse an Forschungsfragen fördert und für seine anschaulichen, aktivierenden Vorlesungen ausgezeichnet. Das von ihm initiierte, internetgestützte Lernsystem Thermopr@ctice und weitere E-Learning-Elemente werden an mehreren Hochschulen sowie in der betrieblichen Weiterbildung eingesetzt und kooperativ weiterentwickelt.

Hans-Peter Linde, Frank Schweitzer
und
Dirk Siebrecht, Staatliche Studienakademie Dresden: Die Preisträger aus verschiedenen Fachbereichen werden für die konsequente didaktische und curriculare Umsetzung einer Modellfabrik als virtuelle Lernumgebung unter Integration von realen Laboren ausgezeichnet, die projektorientiert und interdisziplinär gestaltet ist. Sie ist an authentischen Geschäftsprozessen mit Integration innovativer IT-Lösungen orientiert und wird von drei Lehrenden, jeweils fachspezifisch im Format der selbstständigen Gruppenarbeiten betreut.

Von Winfried Mahr

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