Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Sachsens Politiker beantworten Schülerfragen
Dresden Lokales Sachsens Politiker beantworten Schülerfragen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:09 31.05.2018
Diskussionsveranstaltung mit Frauke Petry (Die Blauen), Valentin Lippmann (Grüne), Christian Piwarz (CDU), Martin Dulig (SPD), v.l. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

„Ich muss zugeben, dass ich erst Bauchschmerzen hatte, als ich von Frauke Petrys Teilnahme an der Diskussion gehört habe“, meinte eine Schülerin der Christlichen Schule Dresden auf der Rathener Straße in Zschachwitz. Doch die Schüler waren sehr interessiert daran, mit der ehemaligen AfD-Vorsitzenden über ihren Parteiaustritt zu sprechen, begründete Organisatorin und GWR-Lehrerin Stefanie Windisch deren Einladung zur Diskussionsrunde „Politische Entwicklung in Sachsen“. Die Podiumsteilnehmer waren neben Bundestagsmitglied Frauke Petry (Die Blauen) auch Sachsens Wirschaftsminister Martin Dulig (SPD) sowie Kultusminister Christian Piwarz (CDU) und der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Valentin Lippmann. Nach überraschenden Ergebnissen bei der letzten Bundestagswahl im September 2017 und schwierigen Koalitionsverhandlungen wollten die Neun- bis Zwölftklässler der Gemeinschaftsschule mit Politikern sprechen und eine Prognose für die sächsische Landtagswahl 2019 erfahren.

Gespannt lauschten die Jugendlichen den sächsischen Politikern

Im Vorfeld stellten die Schüler Fragen, die jeweils in zweiminütigen Reden beantwortet wurden. Verbale Unterbrechungen wie in bekannten Polit-Talkshows im Fernsehen oder Zwischenrufe Andersdenkender gab es dabei nicht. Stattdessen saßen die Schüler ruhig und interessiert auf der Holztribüne der Schul-Aula. Zunächst suchten die Jugendlichen nach einer Erklärung für die vielen AfD-Stimmen im Osten bei der Bundestagswahl 2017. Martin Dulig fasst die Meinung von SPD, CDU und Grünen zusammen: „Die Menschen aus Ostdeutschland sind es gewohnt, dass der Staat alles regelt. Das führt ganz schnell dazu, dass sie sagen: ’Ihr habt unsere Forderungen nicht erfüllt, deshalb seid ihr Volksverräter’. Dann wählen sie aus Protest eine andere Partei.“

Um das zu ändern, haben sich die Fraktionen für die nächste Landtagswahl Strategien überlegt: „Man muss den Wählern aktiv zuhören, statt nur mit Programmen auf sie zuzugehen“, ist Dulig überzeugt. Auch emotional weiß die SPD, was sie vermeiden will: „Wir werden niemals wie andere Parteien mit Angst Wahlkampf machen“, erklärt der Wirtschaftsminister. Lippmann hingegen will mit Inhalten überzeugen: „Wir wollen zwei große Themen durchsetzen: Bürgerliche Mitgestaltung von Politik und die Ökologisierung unser Gesellschaft.“ Piwarz sieht seine Partei bereits sicher im Parlament. Dennoch steht auch für ihn jetzt schon fest: „Wir werden auf keinen Fall mit der AfD koalieren.“

„Menschenfeindlichkeit hat bei uns keinen Platz“

Auch Rechtsextremismus ist ein Thema, das die Schüler sehr beschäftigt. Ein Mädchen traute sich deshalb, Petry nach ihrer Verantwortung für rechtspopulistische Äußerungen der AfD zu fragen. „Einer der Gründe für meinen Parteiausstieg war, dass die AfD unfähig ist, sich zu mäßigen. Es gibt auch in der CDU und SPD extreme Ansichten, aber die Parteien haben diese Personen im Griff. Das hat die AfD nicht geschafft“, gestand die Politikerin ehrlich und offen ein. „Da haben sie allerdings das Zauberlehrling-Problem: Die Geister die ich rief, werd‘ ich nun nicht mehr los!“, konterte daraufhin Martin Dulig. „Sie hatten das Problem nicht mehr im Griff und dafür haben sie jetzt auch die Verantwortung“, ist er überzeugt. „Das Problem war in der Tat, dass wir zugelassen haben, dass sich Kräfte innerhalb der AfD durchgesetzt haben und ich das parteiintern nicht mehr reparieren konnte. Jetzt ist es meine Aufgabe, mit der Blauen Partei etwas dagegen zu setzen“, antwortete Petry dazu.

Auch Lippmann und Piwarz zeigen zu dem Thema Rechtsextremismus klare Haltung – das kam bei den Schülern gut an und wurde oft mit Applaus honoriert. „Nach dem NSU haben sich die Leute geschworen, dass so etwas hier nie wieder passieren wird. Gleich darauf hat sich mit der Gruppe Freital eine neue rechtsextreme Terrorzelle gebildet. Wir müssen endlich deutlich machen, dass bei uns für Menschenfeindlichkeit kein Platz ist“, meinte Grünen-Mitglied Valentin Lippmann. CDU-Politiker Piwarz wählte ergänzend überraschend deutliche Worte: „Es kotzt mich an, dass Football-Spieler aus anderen Ländern mit dunklerer Hautfarbe ständig von irgendwelchen Fascho-Fratzen in Dresden angegriffen werden“, erklärte er. „Was mich dennoch ärgert ist dieses permanente Sachsen-Bashing. Man kann über Missstände in unserem Freistaat reden, aber man muss Sachsen nicht als Schandfleck bezeichnen und die gesamte Region schlecht machen.“

Schüler besprechen die Antworten der Politiker im GWR-Unterricht

Ob zum sächsische Schulsystem, der Wirtschaft, dem Wahlalter oder der Energiewende – die Schüler der Christlichen Schule Dresden nutzten die Gelegenheit intensiv, um mit den Landtagsabgeordneten ins Gespräch zu kommen. „Ich denke, die Schüler konnten sich bei der Diskussion eine Meinung bilden. Wir wollen diese anschließend im Unterricht reflektieren“, so Dr. Marion Oswald vom Schulleitungsteam. In einer Abstimmung wurde danach deutlich, dass Lippmann sie am meisten überzeugen konnte. „Er hat ein sehr deutliches Statement gegen Rechtsextremismus geäußert“, begründete ein Schüler. Eine andere ergänzte: „Mich hat schockiert, dass die anderen Parteien keine konkreten Lösungsvorschläge für den Umweltschutz gebracht haben.“ Positiv überrascht waren dafür einige von Petry. „Gut, dass sie klar begründet hat, dass es die Situation in Deutschland und Sachsen nicht verbessert, wenn man die AfD wählt“, meint Ober- und Mittelschulenbetreuer Stefan Schubert.

Von Katharina Jakob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es gibt wohl kaum einen Polizisten im Lagezentrum der Polizeidirektion, der Larissa N. nicht kennt. Die 54-Jährige ist dort dauerpräsent – zumindest telefonisch. Haben die Beamten dafür kein Verständnis, wird sie ausfallend und beleidigend. Nun stand die 54-Jährige zum wiederholten Mal vor Gericht.

31.05.2018

Ökologin Sophia Liehn räumt bei der Kinderuni mit Mythen über den Vorfahren des Hundes auf – dem Wolf. Denn während der Mensch seit Jahrzehnten Seite an Seite mit dem Hund lebt, gehen sich Wolf und Mensch lieber aus dem Weg. Doch warum ist das so?

31.05.2018

Am Dienstag kommen im Plenarsaal des Rathauses wieder vom Ordnungsamt sichergestellte Gegenstände und Dinge aus Nachlässen unter den Hammer. Unter anderem werden 17 Fahrräder, 16 Schirme, elf Uhren, zehn Kameras und acht Powerbanks höchstbietend versteigert.

31.05.2018
Anzeige