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Sachsens Landeskonservator a.D. Gerhard Glaser wird 80

Der Beharrliche Sachsens Landeskonservator a.D. Gerhard Glaser wird 80

„Ich empfand es als großes Glück, mit aufzubauen.“ Das sagte Sachsens ehemaliger Landeskonservator Gerhard Glaser anlässlich seines 75. Geburtstages. Nun wird der ehemalige Landeskonservator 80. Bis heute bringt er sich deutlich ein, wenn es um den Erhalt oder die Wiedergewinnung kulturhistorisch wertvoller Bausubstanz geht.

Sachsens Landeskonservator a.D. Gerhard Glaser wird 80

Quelle: Maria Günther Archiv

Dresden. „Ich empfand es als großes Glück, mit aufzubauen.“ Das sagte Sachsens ehemaliger Landeskonservator Gerhard Glaser dieser Zeitung anlässlich seines 75. Geburtstages. Zehn Jahre zuvor, bei der Verabschiedung in den Ruhestand hatte er im Gespräch bemerkt, dass er mehr oder weniger an jedem größeren wiederaufgebauten Objekt in der Landeshauptstadt beteiligt gewesen sei. Nur das Kurländer Palais – die letzte Kriegsruine im Zentrum - stand damals noch aus. Dessen Auferstehung konnte er später als gelungenen Akt Anderer würdigen.

Lob, aber durchaus auch Kritik zu städtebaulichen Entscheidungen äußert Glaser stets in sachlicher, fachlich fundierter Art. Eine für ihn typische Unaufgeregtheit speist sich aus den langjährigen Erfahrungen als Architekt, Bauleiter und Denkmalpfleger. Emotionen trägt er nur sehr selten nach außen. Doch Wissen und praktisches Handeln gibt er gern weiter. Beharrlichkeit bohrt manchmal auch dicke Bretter. Bis heute bringt er sich deutlich ein, wenn es um den Erhalt bzw. die Wiedergewinnung kulturhistorisch wertvoller Bausubstanz geht oder ein Zeichen gegen den Verlust gesetzt werden soll. Als Beispiele seien hier nur die Anstrengungen für die weitere Rekonstruktion der Innenräume des Palais im Großen Garten und nicht zuletzt die Errichtung der Gedenkstätte Busmannkapelle genannt.

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„Ich empfand es als großes Glück, mit aufzubauen.“ Das sagte Sachsens ehemaliger Landeskonservator Gerhard Glaser anlässlich seines 75. Geburtstages. Nun wird der ehemalige Landeskonservator 80. Bis heute bringt er sich deutlich ein, wenn es um den Erhalt oder die Wiedergewinnung kulturhistorisch wertvoller Bausubstanz geht.

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Mit letzterer ist Glaser als Bauverantwortlicher für den Bauherrn Bürgerstiftung eine „Ehe“ eingegangen, die sich schwieriger gestaltet, als erhofft. Doch der Landeskonservator a. D. wäre nicht der auf machbare Ergebnisse orientierte Mann, als der er bekannt ist, führe er diese freiwillig und ehrenamtlich gewählte Aufgabe, die ihm ein persönliches Anliegen ist, nicht zum guten Ende. In diesem Jahr könnte dies vielleicht der Fall sein. Dass er darüber seinen 80. Geburtstag feiern würde, war wohl anfangs nicht „eingeplant“. Nun aber wünscht sich der Jubilar statt Geschenken eine Spende für die Vollendung der an die Sophienkirche erinnernden Busmannkapelle.

Halbherzigkeit ist Glasers Sache nicht. Gegen den Abriss der Sophienkirche hatte er sich schon als Student mit einer spektakulären Flugblattaktion eingesetzt. Ein anderer Aufsehen erregender Einsatz in diesen frühen Jahren galt der Rettung des Dresdner Schlosses. Freiwillige, darunter neben Glaser auch der spätere Stadtkonservator Hermann Krüger, sicherten damals den gefährdeten Hausmannsturm. Mit dem Residenzschloss hat sich der Student der Architektur schon seit 1959 beschäftigt. Bereits damals wurde, angeregt von Hans Nadler, das Schloss als Museumszentrum untersucht.

Diese Thematik führte ihn überhaupt erst zur Denkmalpflege und in erster beruflicher Station als Architekt und Bauleiter zur Zwingerbauhütte, die Glaser als „meine Lehrjahre“ bezeichnet. Seine Dissertation 1975 widmete er der Restaurierung und Rekonstruktion des Grünen Gewölbes einschließlich seiner Tauglichkeit für einen Massenbesuch. Schon im Winter 1962/63 hatte er in der Ruine das Interieur mit ausgebaut und gesichert. Auch lange nach der Pensionierung beschäftigte ihn noch das Residenzschloss, nun speziell die Planung für die Gestaltung des großen Schlosshofes als Ort der Renaissance.

Geboren am 15. Februar 1937 in Halle, wo er in den Franke’schen Stiftungen auch das Abitur ablegte, hatte Glaser nur eine vage kindliche Erinnerung an das unzerstörte Dresden. Als er dann 1955 an der Technischen Universität sein Studium begann, breiteten sich Ruinen und kahle Flächen aus. Umso mehr schätzt er im Rückblick das Geschaffene, an dem er in maßgeblichen Funktionen im Projektierungsatelier des damaligen VEB Denkmalpflege und im Institut für Denkmalpflege Anteil hatte. 1982 trat er die Nachfolge von Hans Nadler als Chefkonservator und Leiter der Arbeitsstelle Dresden des Instituts für Denkmalpflege an. 1994 wurde daraus der Landeskonservator, verbunden mit der Berufung zum Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege. 1995 erfolgte die Ernennung zum Honorarprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Denkmalpfleger seien wie Hausärzte, die Denkmale vergleichbar mit Alten und Kranken, sagte Glaser einmal. „Aus der Anamnese müssen wir die Therapie entwickeln.“ Und mit dieser steht und fällt die so wichtige Nutzung historischer Gebäude. In der Renaissancestadt Torgau hat das sogar im Rahmen des DDR-Wohnungsbauprogramms geklappt. Statt Abriss entschieden die Stadtverantwortlichen für eine schrittweise Sanierung der Altstadt. Eine Sternstunde für den Denkmalpfleger und Ehrenbürger von Torgau, erst recht im Lutherjahr. Auch für das eigene Heim war Glaser ein guter Hausarzt. Wer weiß, ob das historische Gutsverwalterhaus – sein Ursprung liegt am Ende des 17. Jahrhunderts – neben dem Barockgarten Großsedlitz ohne seine Therapie noch am Leben wäre. Heute ist es ein Schmuckstück und Rückzugsort für die Familie.

Von Genia Bleier

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