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Sachsens Archive nicht fit fürs Digitalzeitalter

Archivtag in Dresden geplant Sachsens Archive nicht fit fürs Digitalzeitalter

62 Prozent der Archive in Sachsen haben keine geeignete Infrastruktur, um wichtige digitale Unterlagen aufzunehmen und zu erschließen.


Quelle: SLUB Dresden/Henrik Ahlers, CC4-Lizenz

Dresden. Kann das geballte Wissen in Archiven gegen Desinformation („Fake-News“) auf Facebook, Twitter und anderen Internet-Kanälen helfen? Sicher. Aber dafür müssten die Aktenhorte erst mal richtig in der Digital-Ära ankommen. Für dessen Herausforderungen sind indes die meisten Archive im Freistaat gar nicht gerüstet. Das geht aus einer Umfrage im Vorfeld des 22. Sächsischen Archivtages in Dresden hervor.

Darin schätzen 62 Prozent der befragten Aktenhüter in Sachsen ein, dass ihr Archiv über keine geeignete Infrastruktur verfüge, um wichtige digitale Unterlagen aufzunehmen und zu erschließen. Rund ein Drittel der Archive hat sich bisher überhaupt noch nicht mit elektronischer Archivierung beschäftigt.

„Seit etwa 20 Jahren produzieren Verwaltungen in größerem Umfang elektronische Unterlagen“, weist die sächsische Archivverbands-Vorsitzende Grit Richter-Laugwitz auf die Brisanz der Umfrage-Befunde hin. Laut Gesetz hätten die Archive auch die Pflicht, diese „elektronisch geborenen Unterlagen“ in ihre Bestände aufzunehmen. „Doch vielen Archiven fehlen dafür die Ressourcen.“

„Bis auf wenige Ausnahmen sind die sächsischen Archive bisher nicht in der Lage, aufbewahrungswürdige elektronische Unterlagen auch tatsächlich zu archivieren“, warnte die Vizevorsitzende Thekla Kluttig vom Archivverband im Tagungs-Blog. Unter den Kommunen im Freistaat hat bislang nur das Stadtarchiv Dresden ein eigenes System entwickelt, um E-Mails, digitale Akten und andere originär elektronische Rathaus-Unterlagen für die Nachwelt zu überliefern.

Daher wollen nun die kommunalen Spitzenverbände gemeinsam mit den Aktenspezialisten ein einheitliches digitales Archivsystem für alle Städte und Gemeinden in Sachsen entwickeln, kündigte Richter-Laugwitz an. Auf diese technologische Infrastruktur sollen in Zukunft alle kommunalen Archive in Sachsen zugreifen können, um digitale Verwaltungsunterlagen vor dem Daten-Nirwana zu retten.

Elektronische Akten sowie die nachträgliche Digitalisierung alter Unterlagen werden daher auch wichtige Themen des Archivtags sein, der auf geschichtsträchtigem Boden stattfindet: in der Gedenkstätte und ehemaligen Dresdner MfS-Bezirkszentrale an der Bautzner Straße. Zu dieser Tagung am 4. und 5. Mai 2017 erwarten der sächsische Archivverband und der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen über 150 Experten.

„Durch die Digitalisierung wandeln sich auch Gewohnheiten und Erwartungen der Nutzer“, weist Richter-Laugwitz auf weitere Technik-Folgen hin, die die Rolle von Archivaren generell in Frage stellen könnten. So verzichten immer mehr Leser auf die Expertise der Fachleute vor Ort. Diese wachsende anonyme Nutzergruppe wolle kein Papier mehr im Lesesaal wälzen, sondern nur gescannte Unterlagen zugeschickt bekommen – oder besser noch alle Akten gleich digital per Internet auf den PC daheim saugen.

„Diese Erwartungen werden wir nicht erfüllen können“, warnte die Verbandsvorsitzende: Da die meisten Kommunalarchive gerade erst mit Lösungen ringen, um ursprünglich digital entstandene Akten zu erschließen, sind nicht genug Personal, Technik und Expertise verfügbar, um Tausende Kilometer alter Papierakten nachträglich zu digitalisieren.

Gerade aber in Zeiten „sozialer“ Medien, in denen auch viele Gerüchte, Halbwahrheiten, ja gar Lügen ventilieren und immer neue Nahrung und Verbreiter finden, sehen sich die Archivare in einer besonderen Verantwortung: als Quell authentischer Informationen. „Wenn Schüler in die Archive gehen, sich zum Beispiel originales Quellenmaterial über die Flüchtlinge am Ende des Zweiten Weltkriegs anschauen und Vergleiche zum Heute ziehen, kann dies ihre Sicht auf die aktuellen Ereignisse verändern“, glaubt Richter-Laugwitz. Dies setze freilich voraus, dass die Schüler auch wirklich in die Archive kommen. „Im Hauptstaatsarchiv gab es dafür ein interessantes archivpädagogisches Programm“, erinnert sie sich. „Das ist dann durch den Lehrermangel weggefallen.“

22. Sächsischer Archivtag, 4. und 5. Mai 2017, in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden, öffentliche Archivmesse im Foyer, mehr Infos: tinyurl.com/m5wby2m

Von Heiko Weckbrodt

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