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Lokales Sabotage-Club in der Dresdner Neustadt droht das Aus
Dresden Lokales Sabotage-Club in der Dresdner Neustadt droht das Aus
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09:14 23.05.2017
Clubbetreiber Christoph Töpfer und Harald Köhler.   Quelle: hauke heuer
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Dresden

 Dem Sabotage auf dem Hinterhof der Bautzner Straße 75 droht das Aus. Das Umweltamt hat dem bei Fans von elektronischer Musik beliebten Club in der Neustadt die Auflage erteilt, bis zum 25. Juni ein Konzept darüber vorzulegen, wie der Geräuschpegel gesenkt werden kann. Gelingt das nicht, gehen im Sabotage künftig um 22 Uhr die Lichter aus – das wäre das sichere Ende für die Diskothek. Die Veranstaltungen hier kommen erst lange nach Mitternacht in Fahrt.

In der Nacht zum ersten April wurde in einer der direkt an den Club grenzenden Wohnungen durch das Umweltamt eine Messung des Schallpegels durchgeführt. Das Ergebnis: Der für Wohngebieten vorgeschriebene Maximalpegel von 35 Dezibel wurde um sechs Dezibel überschritten. Das veranlasste das Umweltamt, Maßnahmen gegen das Sabotage einzuleiten. Doch die Behörde trat nicht von alleine auf den Plan. Im Vorfeld hatte sich ein Anwohner über die Lärmbelästigung beschwert.

Die Messung wurde in der Wohnung von Jörg Haubner, der im Vorderhaus ein Friseurgeschäft betreibt, durchgeführt. „Ich habe das Umweltamt nicht informiert und auch nie die Polizei gerufen. Wenn hier einer die Füße still gehalten hat, dann bin ich das“, sagt er heute. Zur Messung übereden musste ihn das Umweltamt allerdings nicht. „Am Anfang hat die Kommunikation mit den Betreibern gut geklappt. Wenn es zu laut wurde, habe ich angerufen. Doch es ist immer weniger geschehen und irgendwann habe ich nur noch Mails geschrieben“, erklärt Haubner. Ihn wecken Nachts nicht nur die wummernden Bässe aus dem Techno-Keller, vielmehr fühlt er sich von den Gästen gestört, die auf seinem separaten Hinterhof herumlungern, sich vor dem Sabotage lautstark unterhalten und ihren Müll hinterlassen.

Architekt Kasten Tille, der sich vor einem Jahr im selben Haus eine Wohnung gekauft hat, hält den Club an dieser Stelle für deplatziert und lässt das Argument, dass hier bereits seit über 15 Jahren Technomusik läuft, nicht gelten. „Die Neustadt ist kein Industriegebiet. Es wird schnell versucht, den Spieß umzudrehen und zu sagen, dass wir uns doch nicht so haben sollen, aber schlafen ist ein Grundbedürfnis“, sagt er. Zwar sei Tille vor seinem Einzug bewusst gewesen, dass sich seit 2001 erst ein anderer Techno-Club und ab 2011 das Sabotage in der direkten Nachbarschaft befände, dennoch sagt er heute: „Nur weil das schon immer so war, akzeptieren wir das nicht“.

Christoph Töpfer und Harald Köhler, die seit 2011 das Sabotage betreiben, sehen den Fortbestand ihres Clubs gefährdet, sollten sie die Lautstärke auf der Tanzfläche weiter herunterdrehen müssen. „Irgendwann funktioniert unser Partykonzept nicht mehr. In den letzten Jahren mussten wir unsere Anlage immer weiter limitieren“, erklärt Köhler und ergänzt: „Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte mit Anwohnern, die sich im Gespräch lösen ließen. Ein Mitarbeiter ist Nachts immer telefonisch für die Nachbarn erreichbar. Dass allerdings jemand neben einen seit Jahren bestehenden Club zieht, nicht mit uns redet und sich stattdessen beim Amt beschwert, können wir nicht verstehen“.

Die Beiden setzen zur Lösung ihres Problems auf mehrere Ansätze. „Die Messung fand in einer Wohnung statt, die vorher eine Gewerbefläche war und von Herrn Haubner entgegen einer Entscheidung der Eigentümerversammlung zu einer Wohnung umgebaut wurde. Wir denken, dass eine neue Messung durchgeführt werden muss“, sagt Töpfer. Darüber hinaus haben die Betreiber nach eigenen Angaben bereits zahlreiche Gespräche mit Dresdner Stadtpolitikern geführt. „Es wäre möglich, in der Neustadt eine Kulturschutzzone einzurichten, in der andere Grenzwerte für den Lärmpegel gelten. Wir müssen uns die Frage stellen, ob es Sinn macht, Kulturbetriebe auf die grüne Wiese zu verbannen, wenn gleichzeitig mit der Diversität der Neustadt geworben wird.“

Eines ist fast sicher: Sollte der Club schließen müssen, dann nicht ohne begleitenden Protest. Auf dem Rave „Tolerade“ für Toleranz und Vielfalt am vergangenen Wochenende wurde gab es bereits einen Redebeitrag zum Thema. „Die Solidarität, die wir seit Bekanntgabe der schlechten Nachricht erfahren, ist gigantisch“, sagt Töpfer und ergänzt, „wirklich gut sieht es allerdings nicht aus.“

Von Hauke Heuer

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