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Russischer Orden der Freundschaft geht an einen Dresdner

Deutsch-Russisches Kulturinstitut e.V. Russischer Orden der Freundschaft geht an einen Dresdner

Seit 1994 verleiht die Russische Förderation jedes Jahr mehrere Orden an Einheimische und Ausländer, die zur Freundschaft und Zusammenarbeit mit Russland auf wissenschaftlichem, kulturellem oder wirtschaftlichem Gebiet beitragen. Dieses Jahr gesellt sich der Dresdner Wolfgang Schälike zu Preisträgern – doch seine Freude ist getrübt.

Wolfgang Schälike blättert durch die russische Literaturzeitung – im Hintergrund ist ein Teil der Dostojewskiy-Bibliothek zu sehen.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Seit 1994 verleiht die Russische Förderation jedes Jahr mehrere Orden an Einheimische und Ausländer, die zur Freundschaft und Zusammenarbeit mit Russland auf wissenschaftlichem, kulturellem oder wirtschaftlichem Gebiet beitragen. Dieses Jahr gesellt sich der Dresdner Wolfgang Schälike zu Preisträgern wie dem Astronauten Ulf Merbold oder dem Außenminister der Vereinigten Staaten Rex Tillerson. Der Orden wir am Freitag, den 12. Januar, vom russischen Botschafter bei einem Empfang in der Botschaft in Berlin übergeben.

Schälike wird für seine jahrzehntelange Arbeit als Leiter des Dresdner Deutsch-Russischen Kulturinstituts e.V. (DRKI) auf der Zittauer Straße 29 ausgezeichnet. Der Achtzigjährige betrachtet sich schon immer aufgrund seines eigenen Lebenslaufes als Brückenbauer zwischen Deutschland und Russland. 1937 wurde Schälike in Moskau geboren, nachdem seine deutschen Eltern aufgrund des Nationalsozialismus in die Sowjetunion emigrierten. Hier wuchs er zweisprachig auf und lernte zuerst die russische Kultur kennen, bevor die Familie 1946 nach Berlin zurückkehrte. Doch Schälike pendelte weiter über die Jahre zwischen beiden Ländern. 1955 wurde er als DDR-Student für Flugzeugbau nach Moskau delegiert, wo er seine Frau Valeria kennenlernte, mit der er seitdem das binationale Leben teilt. Nachdem er einige Jahre als Ingenieur in der NVA diente, zog es ihn 1965 endgültig nach Dresden. Dem Ehepaar Schälike war es immer wichtig, ihre Kinder zweisprachig zu erziehen und ihnen beide Kulturen näher zu bringen. Dieses Ziel des kulturellen Austausches erweiterten sie zusammen mit anderen russisch-deutschen Familien mit der Gründung des Deutsch-Russischen Kulturinstituts 1993. Hier finden seitdem zahlreiche Vorträge, Konzerte, Ausstellungen und literarische Abende mit Schwerpunkt auf die russische Kultur und die deutsch-russischen Beziehungen statt. Zur Zeit kann man beispielsweise die Fotoausstellung „Russlands Weiten“ besichtigen, in der die ersten Farbfotografien des russischen Zarenreiches gezeigt werden. Zudem sollen russisch-sprachige Migranten bei der Integration und dem Identitätserhalt unterstützt werden, indem das DRKI zum Beispiel bei behördlichen Angelegenheiten hilft. Seit 2009 beherbergt der Verein zudem ein russisches Zentrum, wo mithilfe der russischen Stiftung Russkiy Mir die russische Sprache und Kultur vermittelt werden soll. So werden Sprachkurse angeboten und die bundesweit drittgrößte russischsprachige Dostojewskiy-Bibliothek mit einem Medienbestand von 25 000 Exemplaren betrieben.

Schälike sieht Russen und Deutsche als Seelenverwandte an, deren Kulturen sich seit jeher gegenseitig beeinflussen würden. Um dies in das Bewusstsein der Deutschen zu tragen, versucht er die russische Kultur zu popularisieren. Dafür wird er – durch einen von Putin persönlich unterzeichneten Erlass – mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet, was zweifellos eine große Ehrung von russischer Seite darstellt. Doch wie auch das Beispiel von Rex Tillerson zeigt, ist es durchaus diskutabel, wie eine solche Auszeichnung zu bewerten ist. Während die russische Seite sehr zufrieden mit Schälikes Arbeit zu sein scheint, gibt es von deutscher Seite Kritik, die sich in harten Zahlen widerspiegelt. Die Facharbeitsgruppe Soziokultur/Feste/ Interkulturelle Arbeit der Stadt Dresden hat für 2018 eine Kürzung der Förderung des DRKI um 5000 Euro, also um 25 Prozent vorgeschlagen. Vom Stadtrat wurde letztendlich eine Kürzung um 3000 Euro beschlossen. Schälike sagt, dieser Beschluss sei für ihn „persönlich niederschmetternd“, da er die Leitung des DRKI gern in jüngere Hände übergeben und die Arbeit durch die Anstellung einer festen Arbeitskraft professionalisieren wollte. Während einzelne kulturelle Veranstaltungen durch Projektförderungen zu finanzieren seien, würden nun für die Verwaltung und Archivierung notwendige Mittel fehlen. Nach eigener Aussage hat Schälike auch auf mehrfache Anfrage keine Begründung für die Kürzung erhalten und er hoffe, das Deutsch-Russische Kulturinstitut sei nicht „Leidtragender der schlechten geopolitischen Lage“.

Zudem wären dem Verein bisher jedes Jahr das Stammdatenblatt zugeschickt worden, in dem ersichtlich wird, welche Förderung die Facharbeitsgruppe mit welcher Begründung vorschlägt und welche tatsächlich beschlossen wird. Dass diese dem DRKI 2018 auch auf Anfrage nicht zugängig gemacht wurde, sieht Schälike als „Scheu, mit uns ein offenes Gespräch zu führen“ an. Eine andere Geschichte erzählt auf Anfrage der DNN hingegen der Geschäftsbereich Kultur der Stadt Dresden. Demnach wären dem DRKI bereits seit 2014 mehrfach verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der Arbeit unterbreitet worden. Der Verein würde sich zu wenig um einen wirklichen interkulturellen Austausch bemühen und stattdessen seinen Schwerpunkt auf die Präsentation der russischen Hochkultur legen. Zudem würde „im Bereich der Erinnerungskultur […] der multiperspektivische Ansatz in der Vereinsarbeit vermisst“. Schälike reagiert auf Konfrontation mit dieser Begründung damit, dass er es als Lob empfinde, die russische Hochkultur zu präsentieren, und er nicht wisse, was mit der Forderung nach einer multiperspektivischen Erinnerungskultur gemeint ist. Obwohl Schälike sich also über eine hohe Auszeichnung freuen kann, blickt er skeptisch auf das neue Jahr, denn seine Arbeit im Deutsch-Russischen Kulturinstitut wird durch die Kürzung nicht einfacher.

Von Anne-Marie Leiblich

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