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Lokales Datteln, Tee und Aufklärung - Rund 70 Gäste besuchten das Islamische Zentrum Dresden
Dresden Lokales Datteln, Tee und Aufklärung - Rund 70 Gäste besuchten das Islamische Zentrum Dresden
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16:15 03.10.2018
Das Islamische Zentrum in Dresden. Quelle: Tanja Tröger
Dresden

Es sei besser, die Schuhe anzulassen, sagt der Imam in der Moschee. Er führt durch das Islamische Zentrum Dresden, und der Steinboden auf den Treppenaufgängen ist kalt. In den Gebetsräumen sind nur Socken erlaubt, und es ist umständlich, die Schuhe aus und wieder anzuziehen, wenn man sie betritt und wieder verlässt. Doch der Imam insistiert: „Als Gastgeber ist es meine Pflicht, gut für Sie zu sorgen.“

An Mittwoch wollte Imam Badr Ali Gastgeber für alle Bürgerinnen und Bürger Dresdens sein. Zum Tag der Offenen Moschee lud er interessierte Menschen in das unscheinbare Gebäude im Flügelweg ein. Er bot Tee und Datteln an - und stand den Menschen lang Rede und Antwort. Bis zum Nachmittag kamen rund 70 Besucher. „Sie sollen den Islam sehen, wie er gelebt wird“, sagt Ali.

Das Islamische Zentrum ist eine von drei Moscheen in der sächsischen Landeshauptstadt. Die religiöse Gemeinschaft entstand in den 1980er Jahren, damals hatten sich einige muslimische Vertragsarbeiter und Studenten zum Beten zusammengetan. Zu den Freitagsgebeten trafen sie sich anfangs noch in unterschiedlichen Sporthallen der Technischen Universität. 1998 wurde der Verein gegründet, heute kommen zu den Freitagsgebeten im Flügelweg etwa 300 Menschen, erzählt Imam Ali.

Er führt durch den ersten Stock des dreigeschossigen Hauses. Hier sind die Gebetsräume, der Boden ist mit einem weichen Teppichboden ausgelegt. In einer Ecke steht ein Regal mit Koranen, ansonsten sind die Räume kahl. „Hier geht es nur um die Religion“, sagt der Geistliche.

Der 41-jährige Ägypter wurde in Kairo zum Geistlichen ausgebildet. 2013 kam er zum Studium der Islamwissenschaften nach Osnabrück, 2017 verschlug es ihn dann als Imam nach Dresden. „Manche Muslime haben hier schon Angst, dass sie angegriffen werden“, erzählt er. Er selbst sei auf der Straße auch schon angespuckt worden. Doch: „Nicht alle Dresdner sind Pegida.“ Er mache auch sehr viele gute Erfahrungen in der Stadt, betont Ali.

„Die Menschen sind interessiert zu sehen, was in der Moschee passiert“, sagt der Imam am Mittwoch. „Sie wollen mehr über den Islam erfahren und das Bild auch vergleichen mit dem, was sie in den Medien über den Islam gesehen haben.“

Der Tag der Offenen Moschee findet bundesweit statt, getragen wird er unter anderem vom Zentralrat der Muslime in Deutschland. Das Motto in diesem Jahr lautete „Religiosität – individuell, natürlich, normal“. Bundesweit nehmen nach Angaben der Veranstalter mehr als 1000 Gebetshäuser daran teil.

In Sachsen öffneten auch die anderen beiden Moscheen in Dresden ihre Türen für Interessierte - so auch die Fatih-Moschee, die vor zwei Jahren Ziel eines Anschlags geworden war. Ende August wurde der Attentäter wegen versuchten Mordes in vier Fällen zu neun Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. In Leipzig beteiligte sich die Ditib-Moschee an der Aktion, im benachbarten Halle das Islamische Kulturcenter.

Das Islamische Zentrum Dresden sei nicht politisch, betont Ali. Interessierte Besucher lud er am Tag der Offenen Moschee dazu ein, den Gebeten im Stillen beizuwohnen. Er wollte dort aus dem Koran lesen und die Geschichte von Yusuf erzählen, der als Moslem in eine nicht-muslimische Gemeinschaft gekommen sei und dort Gutes vollbracht habe.

Von Cem-Odos Güler, dpa

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