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Rund 1800 Kilometer Kanalnetz schlängelt sich unter Dresden

Abwasser Rund 1800 Kilometer Kanalnetz schlängelt sich unter Dresden

„Es riecht gar nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt“, sagt Frank Lieber, der Herr über rund 1000 Kilometer Dresdner Kanalisation. Einmal in zehn Jahren werden alle begehbaren Kanäle der Stadt überprüft. Ablagerungen müssen entfernt und die Bausubstanz auf Einbruch- und Einsturzgefahr kontrolliert werden. Und auch Ratten sind ein Thema.

Kanalnetzmeister Frank Lieber ist in Dresden für gut 1000 Kilometer Kanalnetz zuständig.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Ein normaler Tag in einem Dresdner Haushalt: Es wird Wäsche gewaschen, das Geschirr gespült, die Toilette benutzt oder auch einmal ein Vollbad genommen. Nimmt man alle Dresdner Haushalte zusammen, kommen somit gut 120 000 Kubikmeter Schmutzwasser am Tag zusammen. Fünf Meter unter der Erde fließt dieses durch das Dresdner Kanalsystem.

Über 99 Prozent der Dresdner Bevölkerung sind an die öffentliche Abwasserentsorgung angeschlossen. Das gesamte öffentliche Abwassernetz hat eine Länge von etwa 1800 Kilometern, was der Entfernung Dresden - Barcelona entspricht. Insgesamt 48.000 Schächte führen in dieses unterirdische Labyrinth. Etwa die Hälfte der Kanäle ist älter als 50 Jahre, knapp 20 Prozent davon sogar älter als 100 Jahre.

„Es riecht gar nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt“, sagt Frank Lieber, als er am Schachteingang zur Kanalisation am Barbarossaplatz steht. Der 57-Jährige im weißen Schutzanzug ist der Herr über das Dresdner Kanalnetz. Frank Lieber arbeitet seit 35 Jahren bei der Dresdner Stadtentwässerung und ist als Leiter des Kanalnetzes für rund 1000 Kilometer Kanalisation zuständig. Schon seit 1890 ließen die Stadtväter in Dresden die Kanalisation ausbauen. Zwischen 1945 und 1990 wurde allerdings kaum noch in das Kanalnetz investiert, erst nach der politischen Wende flossen mehrere Millionen Euro in die Abwasserbehandlung der Landeshauptstadt.

Mitte der 1990er Jahre musste die Kanalisation, die bis dato noch recht stiefmütterlich behandelt wurde, einer Grundreinigung unterzogen werden. Seither wird das Netz regelmäßig gepflegt und gewartet. Einmal in zehn Jahren werden alle begehbaren Kanäle der Stadt überprüft. Ablagerungen müssen entfernt und die Bausubstanz auf Einbruch- und Einsturzgefahr kontrolliert werden.

„Eine Problemstelle haben wir zum Beispiel am Körnerplatz. Dort bereiten uns die ungünstigen hydraulischen Abflussverhältnisse ein wenig Kopfschmerzen“, sagt Frank Lieber. Bis spätestens 2022 sollen dort laut Lieber alle Probleme behoben werden. „In den nächsten 50 Jahren können wir mit dem Dresdner Kanalnetz dennoch ohne größere Investitionen leben.“

Wer in der Dresdner Kanalisation arbeiten möchte, der absolviert eine dreijährige Ausbildung – und die ist nicht einfach. „Hier ist Belastbarkeit gefragt“, sagt Lieber.

Tätigkeiten unter der Erde im Kanalnetz werden zusätzlich vergütet. Denn: Trotz der umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen lauern unter der Erde unsichtbare Gefahren wie zum Beispiel Sauerstoffmangel sowie brennbare und giftige Gase. „Schwefelwasserstoff beispielsweise erkennt man in geringen Mengen an dem fauligen Geruch. In höherer Konzentration nimmt der Geruchssinn allerdings ab – folglich wird das unsichtbare Gas nicht mehr erkannt“, erklärt Lieber.

„Es gab einmal in Dresden einen Fall, bei dem die Arbeiter so schnell wie möglich das Netz verlassen mussten, weil oberhalb der Erde ein Tanklaster einen schweren Verkehrsunfall hatte. Der Tank lief aus und es bestand die Gefahr, dass sich explosive Gase bilden.“ Schlimmere Unfälle sind in der jüngeren Geschichte nicht zu finden. „In den letzten 35 Jahren gab es nur einen Mitarbeiter, der sich mit der Weilschen Krankheit infiziert hat“, erzählt Frank Lieber. Die Infektionskrankheit wird durch verunreinigtes Wasser übertragen. Und durch Ratten.

Ratten in der Kanalisation sind normal

Ratten in der Kanalisation sind normal. Um die Population dennoch einzudämmen, stellt die Stadtentwässerung Köderboxen auf.

Quelle: Anja Schneider

Wie in allen anderen Großstädten hausen die kleinen Nager auch in der Dresdner Kanalisation. „In Dresden haben wir keinen problematischen Rattenbefall“, sagt Lieber. Der Normalbereich liegt bei etwa zwei bis drei Ratten pro Kopf. „Ratten gibt es immer. Es ist aber unsere Aufgabe, diese einzudämmen oder wenigstens die Stückzahlen zu halten.“ Rund 60 000 Euro gibt die Stadtentwässerung jährlich für Rattenbekämpfung aus. Um zu verhindern, dass die Rattenbekämpfungsgifte ins Abwasser gelangen, arbeitet die Stadtentwässerung aktuell mit Köderboxen, die mit automatischen Klappen ausgestattet sind, die sich schließen, sobald sie in Berührung mit Wasser kommen.

Dieser Nager hatte sich offenbar zu nah an die Köderbox gewagt

Dieser Nager hatte sich offenbar zu nah an die Köderbox gewagt.

Quelle: Anja Schneider

Um die Verschmutzung des Abwassers zu reduzieren, hat die Stadtentwässerung Dresden im Januar die Kampagne „Kein Müll ins Klo“ ins Leben gerufen.  Im Rahmen der Aktion wurde der „Reimscheißer-Wettbewerb“ gestartet. Schon in den ersten Woche wurden über 150 Reime eingesendet.

Von Juliane Weigt

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