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Lokales Roboter sollen Pfleger künftig in Dresdner Altenheimen unterstützen
Dresden Lokales Roboter sollen Pfleger künftig in Dresdner Altenheimen unterstützen
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18:23 13.09.2018
Pflegeroboter „August der Smarte“ mit seinem Entwicklerteam um Prof. Hans-Joachim Böhme (zweiter v. l.) und Prof. Anne-Katrin Haubold (zweite v. r.). Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Das hätten sich August der Starke und sei­ne Mätresse Anna Constantia von Co­sel wohl in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können: Nach ihnen benannte Roboter sollen künftig in Dresdner Altenheimen die Pfleger unterstützen. Mit großen Kugelaugen wird „Anna“ aktuell in Zusammenarbeit mit einem Heim der „Cultus gGmbH“ auf Herz und Nieren ge­testet – besser gesagt auf fehlerfreie Soft- und Hardware.

Tagsüber soll der Roboter die Therapie von Demenzkranken nach dem „MAKS“-Ansatz unterstützen. Das heißt, die demenzkranken Menschen sollen motorisch, alltagspraktisch, kognitiv und sozial stimuliert werden. „Da­­zu aktiviert Anna zum Beispiel ihre Karaoke-Funktion und schmettert mit den Bewohnern und Betreuern Lieder, liest Horoskope vor oder animiert zum gemeinsamen Rätseln. „Dadurch sollen die Therapeuten entlastet werden“, sagt der Professor für Künstliche Intelligenz an der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Hans-Joachim Böhme.

Doch Anna ist auch nachtaktiv. Als Nachtwächterin soll der Roboter im Heim nachts umher fahren und melden, wenn er Bewohner sieht, die in den Gängen laufen. „Dazu ist eine Kamera auf dem Kopf installiert, die Gesichter er­kennt“, er­klärt Böhme. Durch Übertragungstechnik schlägt Anna Alarm und die Pflegekräfte können reagieren und die Person zum Beispiel zurück ins Bett führen.

„Die Altenpflegeroboter sollen das Per­sonal entlasten, nicht ersetzten“, sagt die Professorin für Personalmanagement an der HTW, Anne-Katrin Haubold. In der neu gegründeten Nachwuchsforschungsgruppe mit dem sperrigen Titel „Integration von Servicerobotik in die Arbeitsorganisation komplexer sozialer Dienstleistungen am Beispiel der stationären Altenpflege“ – kurz „Israda“ – arbeiten In­formatiker und Arbeits- beziehungsweise Personalwissenschaftler eng zu­sammen. Die Europäische Union fördert die Forschung mit rund 870 000 Euro.

„Es geht nicht nur um die technische Seite, sondern wir untersuchen die Interaktion zwischen Mitarbeitern und Be­wohnern mit dem Roboter“, erklärt Haubold. „Das Feedback der Bewohner war bisher sehr positiv“, berichtet Böhme. Die Forscher beschäftigen sich gleichzeitig mit der Technikakzeptanz von zum Beispiel Gewerkschaften oder der Geschäftsführung von Altenheimen.

Insgesamt zwei Wochen war Anna be­reits in einem Dresdner Altenheim zu Gast. Aktuell erfolgt der Feinschliff des Prototypen, zum Beispiel bei Fragen des Da­tenschutzes. Auch die einfache Be­dienbarkeit ist ein zentrales Kriterium. „In dem Moment, in dem die Bedienung zeitaufwendig wird, sinkt die Motivation der Mitarbeiter den Roboter zu nutzen“, erklärt Haubold ihre Erfahrungen aus den insgesamt bisher zwei Wochen Testphase im Altenheim.

Mit einer Größe von 1,40 Meter und ei­nem Durchmesser von 60 Zentimetern hat Anna nach menschlichen Kriterien mit ihren 80 Kilogramm etwas Übergewicht. Zusammen mit ihrem Zwilling „August der Smarte“, der den Forschern in der HTW zur direkten Arbeit am Objekt zur Verfügung steht, sollen sie in rund drei Jahren serienreif sein. Der Roboter stammt von der Firma „MetraLabs“ aus Ilmenau und wird von den Dresdner Forschern für den gezielten Einsatz in der Altenpflege weiterentwickelt. Noch seien die Prototypen die ersten ihrer Art in der Landeshauptstadt, sagt Böhme. Auch Deutschlandweit gebe es erst wenige Ro­boterprototypen für den gezielten Einsatz in der Altenpflege. In Serienproduktion solle der Roboter in der Zukunft voraussichtlich weniger als 30 000 Euro pro Stück kosten, sagt Böhme.

Was Anna und August fehlt, sind Ar­me. Allerdings nicht ohne Grund. „Arme mit Greiffunktion erschweren die TÜV-Zulassung“, erklärt Böhme. Interaktiver Kontakt zwischen Robotern und Menschen, bei denen der Roboter beispielsweise Pflegebedürftige hebt, seien eine neue Hürde für die Technikakzeptanz, sagt Haubold, die an dieser Stelle noch ein­mal betont, nicht das Personal ersetzen zu wollen. „Das Ziel ist nicht, dass Roboter die Pflege übernehmen“, sagt die Expertin. „Sondern sie sollen den Pflegern mehr Zeit geben“.

Von Tomke Giedigkeit

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