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Lokales Rempler, Beleidigungen und massive Behinderungen: Keine Freiheit für die „Lügenpresse“ bei Pegida
Dresden Lokales Rempler, Beleidigungen und massive Behinderungen: Keine Freiheit für die „Lügenpresse“ bei Pegida
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17:19 09.09.2015
Am Montag griff ein Pegida-Teilnehmer ein Kamerateam direkt an - nicht der einzige Vorfall der Art. Quelle: dpa

.. kundtun und verbreiten können.“ Das sagte am Montagabend Pegida-Wortführer Lutz Bachmann. Viele Journalisten und Pegida-Gegner vergäßen „nur zu gern“, dass die Verantwortlichen und Anhänger seiner Organisation auch für sie auf der Straße seien. Im Klartext: Pegida ist ein Verfechter der Pressefreiheit, selbst derjenigen der „Lügenpresse“, zu der laut Pegida alle hiesigen Medien gehören.

Noch während Bachmann sprach, bewiesen seine Anhänger das Gegenteil. Journalisten wurden an ihrer Arbeit gehindert, im Gedränge vor der Bühne von Pegida-Sympathisanten während ihres Einsatzes gestoßen, mit abschätzigen Bemerkungen bedacht und lächerlich gemacht. „Euch brauchen wir hier nicht“, sagte ein Pegida-Anhänger zu zwei Kamerateams. Etwas später an der Prager Straße attackierte ein anderer Pegida-Anhänger einen Kameramann von Spiegel TV mit einem Plakat.

Höhepunkt der Attacken war aber ein Angriff eines prominenten Pegida-Anhängers gegen das ZDF. Während einer Live-Schaltung des heute-Journals kurz nach 19 Uhr nach Dresden drängte der Leipziger Stephane Simon vor die Kamera und behinderte Reporter Carsten Thurau bei dessen Arbeit.

„Lügner, ihr seid alle Lügner“, brüllte Simon und beschimpfte das ZDF als „Propagandaabteilung“. Thurau brachte seine Liveschaltung dennoch zu Ende, ohne sich aus dem Konzept bringen zu lassen. Stephane Simon hat bereits mehrfach auf Dresdner Pegida-Kundgebungen gesprochen, unter anderem am 22. Dezember auf dem Theaterplatz. Dabei zog er mit zum Teil beleidigenden Äußerungen über sächsische Landespolitiker und den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) her.

Trotz zahlreicher Medienanfragen, nicht nur aus Dresden, äußern sich die Pegida-Verantwortlichen bislang in deutschen Medien kaum unmittelbar zu ihren Forderungen, Plänen und Zielen. Internetplattformen und ausgewählte Online-Medien nutzen sie dagegen gern, um ihre Standpunkte zu erläutern. Der internationalen Presse steht Pegida ebenfalls deutlich offener gegenüber als deutschen Medien. So sprach Bachmann in dieser Woche unter anderem mit einem türkischen Fernsehsender und einer Korrespondentin der französischen Wochenzeitschrift „Le Nouvel Observateur“.

Christoph Springer

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