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Lokales Pumpernickel und Brezeln aus Japan in Dresden
Dresden Lokales Pumpernickel und Brezeln aus Japan in Dresden
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15:33 16.09.2016
Der 48-Jährige betreibt in Japan eine deutsche Bäckerei in der Nähe von Nagano, verkauft Roggenbrot aus Sauerteig, Brezeln und Pumpernickel. Quelle: dpa
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Dresden

Geübt hantiert Yasuteru Nakagawa mit Blechen, Nudelholz und Schüsseln, knetet den Teig für die Brötchen. Der 48-Jährige betreibt in Japan eine deutsche Bäckerei in der Nähe von Nagano, verkauft Roggenbrot aus Sauerteig, Brezeln und Pumpernickel. Seine Spezialität: Backwaren aus dem Holzofen - eher ungewöhnlich für Japan. Seinen Urlaub verbringt Nakagawa in diesem Jahr damit, in einer Dresdner Bäckerei anzupacken. „Ich will mein Handwerk noch verbessern“, sagt Nakagawa. Über Facebook hat er Torsten Eckert kennengelernt, der in Hellerau am Marktplatz eine kleine Bäckerei betreibt. Irgendwann entstand die Idee für den Austausch.

„Seit anderthalb Jahren schreiben wir uns regelmäßig, meist nachts wegen der Zeitverschiebung“, berichtet Eckert. Auch kleine Videos rund ums Thema Backen werden hin- und hergeschickt. Die Übersetzung ist manchmal schwierig, deshalb hat ein befreundeter Kunde von Nakagawa, ein Professor, die Moderation übernommen - und ist gleich mit nach Deutschland gereist. So wie die Frau des Bäckers und vier begeisterte weitere Kunden. Einer legt sogar regelmäßig mehr als 200 Kilometer von Tokio nach Matsumoto zurück, um Brot und Brötchen in der Bäckerei von Nakagawa zu kaufen. „Das Brot ist ohne Zusätze und schmeckt gut“, schwärmt er. „Ich bin außerdem Fan von dem Holzofenbrot, ich liebe den Duft.“

Die Bäckerei von Yasuteru Nakagawa heißt „Brot Hügel“, weil sie in einer Landschaft ähnlich der Voralpen liegt - eben auf einem Hügel. Umgeben von Roggenfeldern, die Nakagawa selbst bewirtschaftet. Roggen sei in Japan nur schwer zu bekommen, erzählt er. Stolz zeigt der Japaner ein Bild seiner Bäckerei, die an ein deutsches Fachwerkhaus erinnert: Dunkle Balken, gelber Anstrich. Ein einheimischer Zimmermann hat es nach deutschem Vorbild nachgebaut.

Auf den Geschmack kam der Japaner schon vor 28 Jahren. Damals reiste er als gelernter Bäcker durch den Westen Deutschlands - und war begeistert vom Roggenbrot. Zurück in Japan, wollte er das dunkle Brot nachbacken. „Aber es gab keine Rezepte und keine Rohstoffe.“ Vieles brachte er sich selbst bei, mit Hilfe von Büchern oder Rezepten aus dem Internet. Er belegte auch Seminare bei der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim.

„Als zentrale Akademie aller deutschen Bäckerverbände bedienen wir auch die internationale Nachfrage nach der Deutschen Backkunst“, berichtet Akademie-Direktor Bernd Kütscher. Kurse werden in Weinheim gegeben, Partnerschulen bieten zudem Kurse in aller Welt an - auch in Japan. Das nächste Seminar in Tokio ist für Februar 2017 geplant. „Die Nachfrage steigt“, so Kütscher. Vor allem traditionelles deutsches Sauerteigbrot sei weltweit gefragt.

Yasuteru Nakagawa bringt aber auch japanische Backkunst mit nach Dresden: Aus speziellen Azuki-Bohnen werden mit süßem Bohnenmus gefüllte Milchbrötchen gebacken. „Jeder kann voneinander lernen“, sagt Torsten Eckert. Er freut sich über den Besuch aus Japan. „Wir haben vorher noch nie miteinander gesprochen und uns nun zum ersten Mal zu sehen.“ Zwar ist die Verständigung manchmal schwierig, aber man spreche „Bäckerisch“, sagt Eckert lachend. Die Handgriffe sitzen, jeder Bäcker weiß, was er zu tun hat. Im nächsten Jahr will dann Eckert nach Japan auf den „Brot Hügel“ reisen.

dpa

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