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Lokales Prozessauftakt: Missbrauch in Dresdner Kindertagesstätte
Dresden Lokales Prozessauftakt: Missbrauch in Dresdner Kindertagesstätte
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22:34 10.01.2019
Der Tatort: Die Kindertagesstätte „Kinderwelt(en)“ auf der Spenerstraße. Dort soll der Angeklagte die Mädchen missbraucht haben. Quelle: Foto: Anja Schneider
Dresden

Alex H. verfolgte den Prozess ruhig und gelassen – aber keinesfalls gelangweilt, eher sehr konzentriert. Und er wirkt irgendwie, als ob er mit der Welt abgeschlossen habe. Verständlich. Bestätigen sich die Vorwürfe, droht ihm eine langjährige Freiheitsstrafe. Aber selbst bei einem Freispruch bleibt immer ein gewisser Makel zurück und das ist in seiner Branche ganz übel. Der 24-Jährige war Kita-Praktikant und auf dem Weg zum Erzieher.

Nun muss er sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen vor der Jugendschutzkammer verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich im Frühjahr 2018 an vier Mädchen einer Kita in Striesen vergangen zu haben. Laut Anklage soll Alex H. den sechsjährigen Kindern mehrmals seinen unbekleideten Penis präsentiert und sie aufgefordert haben, ihn anzufassen – eine Kleine musste ihn sogar in den Mund nehmen. Zudem soll er zwei Mädchen im Genitalbereich befingert haben.

Die Sache flog auf, als sich ein Kind seinen Eltern anvertraute. Der Vater teilte dies der Kita mit, die den Praktikanten aus der Einrichtung verwies und den Fall dem Kita-Eigenbetrieb der Stadt meldete, der Anzeige erstattete. Gegen Alex H. wurde ermittelt, Ende August wurde er festgenommen.

Eltern wurden sensibilisiert

Das Amt reagierte zügig. Es informierte die Eltern, dass es einen Vorfall gegeben habe und der Beschuldigte entlassen wurde – ohne genaue Details und Namen zu nennen. Die Eltern wurden zudem sensibilisiert, ihren Kindern genauer zuzuhören, wenn diese über Erlebnisse aus der Kita erzählen. So wurden auch andere Eltern auf Unstimmigkeiten aufmerksam. „Sie hatte mir mal gesagt, dass der „Pippimann“ von Alex wackelt, aber ich hatte mir nichts dabei gedacht“, erinnerte sich ein Vater. Nach dem Elternbrief sah er das anders, auch seine Mutter. Denn der hatte die Kleine erzählt, dass sie den „Pippimann“ von Alex angefasst hat. Nur dachte die Oma, Alex sei eines der Kinder und erklärte ihrer Enkelin nur, dass man so etwas nicht macht. Später kamen immer mehr Details dazu.

Der Angeklagte ließ erklären, dass er die Taten nicht begangen habe und machte sonst von seinem Schweigerecht Gebrauch. So werden die Mädchen vor Gericht aussagen müssen. Das ist für sie, trotzdem die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist, eine große Belastung – zumal sie Alex H. sehr mochten.

Die Verteidiger kritisierten eine unzureichende Ermittlungsarbeit. So seien die Kinder zu suggestiv befragt und bisher nur eines der Mädchen begutachtet worden. Die Verteidigung fordert jetzt auch Gutachten für die anderen Kinder. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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